"Mutternacht": Armut ist treibender Grund für Kinderehen

15 Millionen Mädchen werden jährlich weltweit vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. 700 Mio. Mädchen und Frauen leben mit den Konsequenzen einer Kinderehe. Nicht zuletzt zählen sexuelle Ausbeutung und gesundheitliche Risiken wie frühe Schwangerschaften dazu. Die Initiative "Mutternacht" rückte am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien die große Problematik von Kinderehen in den Fokus.

© APA (Symbolbild/dpa)
 

Rund 300.000 Mädchen und Frauen pro Jahr sterben an Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt, zumeist in Entwicklungsländern. Diese Todesfälle werden durch verfrühte Schwangerschaften aufgrund von Kinderehen gefördert. "Das zählt zur Kindersterblichkeit, weil es Kinder sind, die Kinder bekommen. Ihr Körper ist nicht bereit dafür", sagte Nationalratsabgeordnete Petra Bayr (SPÖ). Die von ihr initiierte "Mutternacht" findet in diesem Jahr unter dem Schwerpunkt "Zwangsehen" statt, da diese weitreichende gesundheitliche, ökonomische und soziale Folgen nach sich ziehen.

"Kinderehe ist eine der Hauptursachen für genderspezifische Gewalt", erläuterte Julia Alfandari, Genderexpertin der Hilfsorganisation Care Österreich. Die Förderung von schulischer Bildung sei nicht die Lösung gegen solche Zwangsehen, jedoch eine äußerst wichtige Gegenmaßnahme. Generell verfolge Care in den betroffenen Ländern einen "community based" Ansatz. "Wir schauen uns direkt dort an, welche Schwierigkeiten es gibt und arbeiten auch mit den Ehemännern, Brüdern oder Eltern der Mädchen", so Alfandari. Eine universelle Methode zur Verhinderung von Zwangsehen gebe es ohnehin nicht, denn diese sei ein weltweites Problem. Aufklärungsarbeit erfolge etwa bezüglich Familienplanung und sexueller Gewalt.

"Kinder werden oft aus Gründen der Sicherheit verheiratet, damit sie auf der Flucht geschützt sind", hielt Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits fest. Die Minderjährigen gerieten dadurch jedoch in einen Teufelskreis. Hierzulande habe sich die Lage durch die zahlreichen Flüchtlinge, die nach Österreich gekommen sind, und bereits in ihren Heimatländern verheiratet worden sind, verändert, sagte Pinterits: "Das Problem ist auch, dass wir keine Meldungen davon haben. Mein Gefühl ist, dass es eine große Dunkelziffer gibt, weil wir keine Zahlen haben." Obwohl sich die Zahlen bereits gebessert hätten, gebe es viele "U-Boote", bei denen nicht bekannt sei, dass sie verheiratet sind.

Während etwa in Deutschland und Dänemark gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine Heirat ausnahmslos erst ab 18 Jahren erlauben, müsse man sich in Österreich dazu "erst eine Meinung bilden", sagte Pinterits. Sie halte eine "individuelle Prüfung für sinnvoll" und plane die Gründung einer entsprechenden Arbeitsgruppe, die sich mit Vorschlägen an die Politik wenden solle. Weiters brauche es "ordentliche Statistiken, mit denen wir etwas anfangen können". Man brauche ein breites Netz, damit die jungen Menschen sichtbar werden und Unterstützung bekommen können. "Es muss hingeschaut und in die Richtung sensibilisiert werden".

Die "Plattform österreichische Initiative Mutternacht" setzt sich für die Senkung der Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern ein. Mit öffentlichen Aktionen will die Initiative die Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken und erreichen, dass "die österreichische Regierung ihre internationale Verantwortung wahrnimmt" und zu einer Senkung der Müttersterblichkeit beiträgt. Die "Mutternacht" wird jedes Jahr im Vorfeld des Muttertages in einigen europäischen Ländern begangen. Die österreichische Plattform Mutternacht veranstaltet am Donnerstag (11. Mai) einen Film- und Diskussionsabend im wienXtra-cinemagic in der Urania.

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