Erste Phase der Evakuierungen in Syrien beendet

Die erste Phase der von einem verheerenden Anschlag überschatteten Evakuierung mehrerer syrischer Ortschaften ist abgeschlossen. 45 Busse mit Menschen aus Foua und Kefraya kamen am Freitag in der Provinz Aleppo an, wie Regierung und Opposition übereinstimmend mitteilten. Die Zahl der Toten des Anschlags vom Ostersamstag stieg nach Angaben von Aktivisten auf 150.

© APA (AFP)
 

Nach zweitägigem Warten an einem Kontrollpunkt konnten hunderte Menschen aus Foua und Kefraya, die von der syrischen Armee kontrolliert und von Rebellen belagert werden, ihre Reise fortsetzen. In der Nacht zum Donnerstag war ihr Konvoi von Rebellen gestoppt worden. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verließen sie am Freitag den Kontrollpunkt Rashideen und erreichten später Aleppo.

Im Gegenzug wurden aus der südwestlichen Stadt Sabadani und drei anderen Ortschaften, die von den Rebellen gehalten und von Regierungstruppen belagert werden, ebenfalls Menschen mit Bussen herausgebracht. Sie erreichten ihre Ziele in der Provinz Idlib.

Nach der Ankunft der Busse sollte die syrische Regierung auch 750 Gefangene freilassen. Laut der Beobachtungsstelle kamen am Nachmittag die ersten 50 Gefangenen frei. Die restlichen sollten binnen 24 Stunden folgen, teilte die in Großbritannien ansässige Organisation mit, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen sind.

Im Juni soll die zweite Phase der Evakuierungen starten. Auch dann sollen wieder tausende Menschen aus belagerten Städten herausgebracht werden.

Die Evakuierungen sind Teil einer langwierig zwischen Regierung und Rebellen unter Vermittlung des Irans und Katar ausgehandelten Vereinbarung, nach der insgesamt 30.000 Menschen aus belagerten syrischen Städten in Sicherheit gebracht werden sollen. Den Vereinten Nationen zufolge leiden 600.000 Menschen in Syrien unter Belagerungen, meist durch Regierungstruppen, aber auch durch Rebellen und die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Bei dem Anschlag am Kontrollpunkt Rashideen wurden am Ostersamstag nach Angaben der Beobachtungsstelle 150 Menschen getötet. Von den mehreren hundert Verletzten seien weitere gestorben. Unter den Toten seien 72 Kinder. Zuvor war die Zahl der Toten mit 126 angegeben worden. Nach Angaben des UN-Sonderbeauftragten für Syrien, Staffan de Mistura, hatten sich die Urheber als Helfer verkleidet und gezielt Kinder mit Chipspackungen angezogen. Zu dem Selbstmordanschlag bekannte sich bisher niemand.

Syriens Präsident Bashar al-Assad machte dafür Jihadisten des ehemaligen Al-Kaida-Ablegers Al-Nusra-Front verantwortlich. "Jeder stimmt zu, dass es Nusra war", sagte Assad der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Die inzwischen in Fateh-al-Sham-Front umbenannte Gruppierung kämpft wie die rivalisierende Jihadistenmiliz IS gegen die syrischen Truppen.

Die US-Regierung ist sich sicher, dass die Regierung Assad weiterhin über Chemiewaffen verfügt. Daran gebe es "keinen Zweifel", sagte Verteidigungsminister Jim Mattis am Freitag bei einem Besuch in Israel. Zur Anzahl der mutmaßlich von der syrischen Regierung gehorteten Chemiewaffen machte er keine Angaben, warnte Assad jedoch davor, diese einzusetzen. Ein israelischer Militärvertreter ergänzte, nach israelischen Erkenntnissen verfüge Syrien noch über "mehrere Tonnen" Chemiewaffen.

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Provinz Idlib Anfang des Monats hatte die US-Armee einen syrischen Luftwaffenstützpunkt mit Marschflugkörpern bombardiert. Bei dem Angriff in der nordsyrischen Stadt Khan Sheikhoun waren am 4. April mindestens 87 Menschen getötet worden.

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