Kaum wen juckt das Jugendgesetz74 Prozent der jungen Steirer unter 16 trinken Alkohol

TEIL 3: Eine große Mehrheit der Jungen ignoriert
Verbote von Alkohol- und Tabakkonsum.

Trinken unter 16 ist eher die Regel.
Trinken unter 16 ist eher die Regel. © patrickjohn71 - Fotolia
 

Stell’ dir vor, es gibt ein Jugendschutzgesetz, aber keinen kümmert’s. So könnte das Fazit der steirischen Jugendstudie lauten: 73,7 Prozent der befragten Schüler gaben an, Alkohol – illegal – bereits vor dem 16. Geburtstag getrunken zu haben. Mehr als zwei Drittel haben schon „einmal harte Getränke“ konsumiert, 61,6 Prozent Wasserpfeife oder E-Shisha geraucht, fast die Hälfte, bevor sie 16 waren, einen Tschick angeheizt. Nach eigenen Angaben konsumieren 13,7 Prozent der steirischen Jugendlichen mindestens einmal pro Woche „harte Getränke“.

Auffallend sind auch die Unterschiede nach Schultypen: In den Kategorien „Rauchen unter 16“ oder „hartes Getränk unter 16“ sind prozentuell deutlich mehr Lehrlinge, also Berufsschüler (Anteil von 61,7 Prozent bzw. 71,4 Prozent) in Konflikt mit dem Gesetz geraten als AHS-Schüler. Nur beim „ersten Alkohol unter 16“ überhaupt liegen die Schultypen fast gleichauf. Hier führen die AHS-Schüler, die zu 77,5 Prozent der Versuchung erlegen sind.

Cosma, Celine und Philomena
Cosma, Celine und Philomena Foto © Marija Kanizaj

 

Wer hat in dem Alter denn noch keinen Alkohol probiert? 

Celine (16), Cosma und Philomena (15)
Zahlen, bei denen Celine (16) aus Gratwein-Strassengel, Cosma aus Graz und Philomena (beide 15) aus St. Ruprecht an der Raab nur die Achseln zucken. „Wer hat in dem Alter noch keinen Alkohol probiert“, fragen sie mit der Erfahrung aus ihren Freundeskreisen zurück. Man erliege da einfach einer Mischung aus Neugier und dem Reiz des Verbotenen. Einig sind sich die drei Schülerinnen der HLW für Sozialmanagement der Caritas in Graz auch darin, dass die ersten Alkoholerfahrungen eher nicht daheim mit Eltern passieren. „Das wäre mir extrem unangenehm gewesen“, sagt Celine, „da gab es höchstens einen Schluck Sekt zu Silvester.“

So brechen steirische Jugendliche das Jugendgesetz:

Foto © Infografik Kleine Zeitung
 

Die Eltern sind das Gesetz

Das Bewusstsein für die Spielregeln des Jugendschutzgesetzes ist bei den drei Schülerinnen aber geschärft. Eine Blitzumfrage zu Ausgehzeiten, Alkohol und Nikotin ergibt eine 100-Prozent-Trefferquote. Celine weiß auch ganz genau, wer das Gesetz ist: „Die Eltern bestimmen, das steht auch im Gesetz“, das nur den Maximalrahmen festlege.

Prinzipiell funktionieren Ausgeh-Verhandlungen daheim gut und vertrauensvoll, sagen die drei. Comsa war auch schon länger als bis 23 Uhr unterwegs, obwohl sie erst 15 Jahre alt ist: „Spätnachts komme ich aber öffentlich nicht mehr gut heim, meistens übernachte ich dann bei einer Freundin.“ Am Land ist alles ein bisschen weniger streng, lacht Philomena, die abends vor allem bei Festen der Landjugend unterwegs ist.

Trinken, Rauchen, Fortgehen – hört man den drei jungen Frauen zu, gewinnt man den Eindruck, das Gesetz ist Richtschnur und Diskussionsgrundlage für Familien, ganz so ernst nimmt das aber keiner. Keine der Schülerinnen hat auch das Gefühl, das über Gebühr kontrolliert werde. „Obwohl mich nachts Kellner beim Bestellen schon zwei mal gefragt haben, ob ich eh 16 Jahre alt bin“, räumt Celine ein. Philomena gießt es in einen Satz: „Auf mich aufpassen muss ich selbst!“ Man könne sich nicht auf ein Gesetz verlassen.

Thomas und Yvonne, beide 18 Jahre alt und Lehrlinge aus dem Raum Kindberg haben sich für einen kleinen Wordrap zum Thema Jugendschutz bereit erklärt. Hier ihre Antworten:

 

So blau ist die Oststeiermark

Auch regional belegt die steirische Jugendstudie aussagekräfitge Unterschiede: So führen die Schüler der Bezirke Weiz und Hartberg-Fürstenfeld (zusammengefasst) bei Jugendschutzverstößen in allen Belangen. 88,3 Prozent gaben an, „schon einmal Alkohol getrunken zu haben“, 79 Prozent, dass sie jünger als 16 das erste Mal Alkohol getrunken haben. Bereits einmal harte Getränke konsumiert haben vor dem 16. Geburtstag hier 61,5 Prozent. In Summe haben die Jugendlichen in der West-, Süd-, Südost- und Oststeiermark vor jenen in der gesamten Obersteiermark in Sachen Alkoholkonsum die Nase zum Teil deutlich vorne.

Jugendschutz ist eine Aufgabe für die ganze Familie, vor allem auch für die Eltern. 

Landesrätin Ursula Lackner
Familienlandesrätin Ursula Lackner sieht es deutlich weniger entspannt, dass das Verhalten der Jungen laut der Studie so eklatant in Konflikt mit dem Gesetzes steht und verweist darauf, dass die Behörden sehr wohl streng agierten: „2016 wurden mehr als 8000 Kontrollen zum Jugendschutzgesetz durchgeführt und 1190 Verfahren eingeleitet. Betroffen sind nicht nur Jugendliche, sondern in mehr als einem Drittel der Fälle die Erziehungsberechtigten.“ Jugendschutz sei eine Aufgabe für die ganze Familie, vor allem auch die Eltern, mahnt Lackner.
Die Landesrätin begrüßt außerdem, dass das Rauchverbot künftig bundesweit statt bis 16 Jahre bis 18 Jahre gelten wird. Das hebe das Einstiegsalter und senke den Raucheranteil in der Bevölkerung langfristig.

Was Teenager bei uns dürfen

Ausgehzeiten: Zwischen 14 und 16 Jahren darf man allein bis 23 Uhr ausbleiben, ab 16 Jahren rund um die Uhr.

Alkohol: Bis 16 Jahren ist das Konsumieren alkoholischer Getränke verboten, ab 16 sind Bier und Wein erlaubt, Hochprozentiges – auch Alcopops – sind verboten. Ab 18 sind Spirituosen erlaubt.

Tabak: Rauchen (auch mit E-Shishas oder Wasserpfeifen) ist ab Mai 2018 erst ab
18 Jahren erlaubt (jetzt: 16)

Das Online Dossier zur Jugendserie
Lesen Sie morgen hier Teil 4: Wer braucht schon ein Polit-Idol?

Kommentare (8)

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verein-freiraum
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Verbotenes meist erwünscht

Alkohol trinken und Tabak rauchen gehört heutzutage zum Alltag vieler Jugendlichen schon unter 16. Gründe dafür sind, dass viele Jugendliche im Freundeskreis gezwungen werden mit zu trinken oder mit zu rauchen. Viele fühlen sich auch „cool“ wenn sie vor Freunde erzählen, dass sie getrunken oder geraucht haben. Das Konsumieren von Alkohol kann zu vielen negativen Vorfällen führen. Eltern spielen meistens auch eine große Rolle, da Eltern ihre Kinder nicht streng kontrollieren und keine Zeit für sie haben. Statt dass sie ihre Kinder immer kontrollieren und es ihnen verbieten, trinken meistens Eltern vor ihren Kindern selbst Alkohol oder rauchen mal eine Zigarette. Das Konsumieren von Alkohol sollte für Jugendliche bis 18 Jahren verboten werden. Da Jugendliche in diesem Alter schon viel reifer sind und wissen, was falsch und richtig ist. Ich bin selbst eine 18-jährige Jugendliche und habe noch nie Alkohol getrunken oder eine Zigarette geraucht. Aus meiner Sicht ist das Konsumieren von Alkohol sehr schädlich und ich habe von Freunden nur schlechte Erfahrungsgeschichten gehört.
Sana Aleid

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Petron
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Neulich mit einer Zehnjährigen in einer Pizzaria.

Wir sind im Gastgarten, auf der gegenüberliegenden Straßenseite Jugendliche mit E-Zigarette. Die Kleine fragt über diese E-Zigarette. Ich erkläre ihr wobei es sich handelt. Sie antwortet, wenn sie mal größer ist wird sie auf jeden Fall einmal eine Zigarette probieren. Sehr vernünftig und ehrlich von ihr, wie ich finde. Das heißt noch lange nicht das sie dann zur Raucherin wird, (wird ihr mit Sicherheit nicht schmecken) aber für diese Statistik in diesem Artikel wäre sie schon eine ganz Schlimme.

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eadepföbehm
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habe schon einmal Alkohol getrunken

Zu erheben, wer schon einmal Alkohol getrunken hat oder einen Glimmstängel probiert hat ist doch völlig belanglos.
Aussagekräftig wäre doch nur eine Befragung wer das öfter, oder regelmäßig macht.
So ist die Statistik völlig ungeeignet eine Aussage über das verhalten von Kindern und Jugendlichen zu treffen, außer man will sie schlecht reden und braucht dafür diese hohen Prozentsätze.

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Church-Hill
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Netter Titel.

Gibt's alte Steirer unter 16 auch?

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xxndtxx
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jugendschutz

nur weil das Alter bei Rauchen angehoben wird glaub ich nicht das weniger Teenager deswegen rauchen. Alles Verbotene ist gerade interessant.

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olgaharler
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Jugendschutz - lächerlich

Leider ist das derzeitige Jugend"schutz"gesetz kein Schutz mehr. Ausgehen bis in der Früh mit 16 - weil wählen darf man ja auch. Alkoholkonsum ist sowieso Gang und Gäbe - auch harte Getränke. Nur damit kann ein Wirt/Veranstalter gut verdienen. Und wenns der Jugendliche net kriegt - einer über 18 kanns schon kaufen. Leider fängt der Jugendschutz zu Hause an - nur da schert sich von den Eltern auch keiner was bzw. die Jugendlichen "scheissen" den Eltern sowieso auf den Schädl. Und einheitliche Ausweispflicht besteht sowieso nicht.
Es gehört so viel geändert - aber keiner der Parteien macht was. Sind ja die Wähler von morgen.

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eadepföbehm
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Schlechte Erfahrungen mit eigenen Kindern?

Nur weil du schlechte Erfahrungen mit deinen eigenen Kindern gemacht hast, musst du das nicht verallgemeinern.
Ich habe meine beiden ältesten Kinder mittlerweile bis ins Erwachsenenalter begleitet und kann deine Erfahrungen nicht teilen. Sie haben mir auch nicht "auf den Schädl geschissen" sondern sind anständige Menschen geworden.

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Petron
3
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Unglaubich, die meisten vergessen wohl wie sie selbst waren in dem Alter.

Dann wäre die Überraschung nicht so groß. Oder will man sich nicht erinnern und den Moralapostel raushängen.

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