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Zuletzt aktualisiert: 21.01.2012 um 19:06 UhrKommentare

Kaiser Cuche schreibt Geschichte

Der Schweizer Didier Cuche gewann am Samstag auf stark verkürzter Strecke die klassische Hahnenkamm-Abfahrt und ist nun mit fünf Streif-Titeln alleiniger Rekordhalter vor Österreichs Schi-Kaiser Franz Klammer. Hinter Cuche landeten die ÖSV-Abfahrer Romed Baumann, Klaus Kröll und Joachim Puchner.

Baumann, Cuche, Kröll

Foto © ReutersBaumann, Cuche, Kröll

Noch beim letzten Stockschub aus dem Start hinaus hatte er es im Kopf: "Es ist mein letztes Mal hier in Kitzbühel", dachte sich Didier Cuche. Ein Gedanke, der ihn beflügelte und "den ich schon gleich nach dem Aufstehen in meinem Kopf hatte", wie er erzählte. Da störte es ihn nicht, dass das Wetterchaos eine Verkürzung der legendären Streif erzwungen hatte. Es störte ihn nicht, dass er nur zwei Tage zuvor seinen Rücktritt mit Saisonende verkündet hatte. Es störte ihn nicht, dass der Schneefall die halsbrecherische Fahrt über Traverse und Zielschuss fast zum Blindflug hatte werden lassen, denn die fährt er auch blind besser als alle anderen - und gut genug für den Sieg.

Neue Rekordmarke

Den "König von Kitz" hatten sie ihn schon vorher genannt - mit dem fünften Abfahrts-Erfolg auf der Streif ist Didier Cuche jetzt aber sogar besser als der Kaiser. Der 37-Jährige löste Franz Klammer als alleinige Rekordsieger ab. "Er ist jetzt der neue Kaiser", meinte da Klammer. Besser: Ausnahmsweise ist der König wohl besser als der Kaiser. Dass Cuche bei seinen fünf Siegen "nur" zwei Mal vom Originalstart triumphierte, war ihm da völlig egal. Wie auch, dass er erstmals einen Tipp verriet, wie man schnell ist auf der Streif. "Ich bin bei dem Schneefall oben nicht fehlerfrei gewesen. Aber die Traverse hab' ich super erwischt, war schnell in der Hocke, hab' vor allem immer von oben nach unten fahren können", sagte Cuche und ergänzte: "Und falls mir das jetzt jemand nachmacht, ist mir das auch egal! Genauso egal, wie wenn jemand sagt, dass es nicht zählt, weil es nicht von ganz oben war. Kitzbühel-Sieg ist Kitzbühel-Sieg!"

Cuche war gelöst, gut gelaunt nach seinem Triumph - obwohl er davor gezittert hatte. "Es ist wie immer bei einem Neuschnee-Rennen. Du stehst im Ziel und hoffst, dass die Bedingungen nicht viel besser werden." Knapp war es einige Male, gleich 23 Läufer blieben auf der nur noch 1:13 Minuten "kurzen" Mini-Streif innerhalb von nur einer Sekunde.

Eines hatte Cuche nie gemacht: "Vor dem Start darüber nachgedacht, wie ein fünfter Sieg hier wäre. Denn das darf ein Läufer nie tun!" Trotzdem wurde es fast wie ein Märchen: "Ich hätte nie an so ein Happy End gedacht. Das ist fast wie ein Hollywood-Drehbuch. Und eines kann ich ja jetzt sicher sagen: Kitzbühel - das ist definitiv mein Rennen!"

Die Stimmung der ÖSV-Fahrer

Romed Baumann ballte die Faust. "Mit dem zweiten Platz hat sich für mich schon ein Traum erfüllt", sagte er. Der Hochfilzener wohnt kaum 30 Kilometer von der Streif entfernt - und schon als Kind war klar: Hier will er einmal dabei sein, einmal auf dem Podest landen. "Bei einem Bezirkscup-Rennen hat es eine Minigams als Preis gegeben; die musste man einfach haben", erzählte er - am Abend erhielt er seine erste Originalgams. Dass er bei der Hausbergkante sogar noch vorne war, störte ihn wenig: "Hätti-wari interessiert keinen - und ich hab bei meiner Fahrt gemerkt, dass es nicht ideal war. Didier hat den Sieg einfach verdient."

"Freilich nervt's", sagte Klaus Kröll auf die Frage, ob es den anderen nicht auf die Nerven gehe, dass in Kitzbühel immer Didier Cuche in der Mitte steht bei Siegerehrungen. Und doch war der Steirer mit dem dritten Platz zufrieden: "Ich bin zum dritten Mal in dieser Abfahrtssaison auf dem Podium - auch wenn ich den Sieg selbst vergeben habe." Wo? "Im Mittelteil hab' ich die Linie verloren - aber unten, wo alle von der Fahrt von Didier schwärmen, hab' ich nur neun Hundertstel verloren, das ist wirklich nicht viel", sagte er und ergänzte: "Jetzt hat wohl jeder gesehen, dass unser Team schnell ist - wir sind auch bereit für den Sieg."


Ergebnis, Kitzbühel-Abfahrt

  • 1. Didier Cuche (SUI) 1:13,28 Min.
  • 2. Romed Baumann (AUT) 1:13,52 +0,24
  • 3. Klaus Kröll (AUT) 1:13,58 +0,30
  • 4. Joachim Puchner (AUT) 1:13,64 +0,36
  • 5. Johan Clarey (FRA) 1:13,68 +0,40
  • 6. Beat Feuz (SUI) 1:13,73 +0,45
  • 7. Andrej Sporn (SLO) 1:13,75 +0,47
  • 8. Stephan Keppler (GER) 1:13,76 +0,48
  • 9. Adrien Theaux (FRA) 1:13,78 +0,50
  • 10. Jan Hudec (CAN) 1:13,86 +0,58
  • 13. Max Franz (AUT) 1:13,94 +0,66
  • 15. Mario Scheiber (AUT) 1:13,96 +0,68
  • 21. Hannes Reichelt (AUT) 1:14,22 +0,94
  • . Georg Streitberger (AUT) 1:14,22 +0,94
  • 30. Markus Dürager (AUT) 1:14,70 +1,42

Kitz-Rekordsieger

  • 5 - Didier Cuche (SUI) - 1998 (ZR), 2008, 2010, 2011, 2012
  • 4 - Franz Klammer (AUT) - 1975, 1976, 1977, 1984
  • 3 - Karl Schranz (AUT) - 1969, 1972, 1972 (ZR)
  • Pirmin Zurbriggen (SUI) - 1985, 1987, 1985 (ZR)
  • Franz Heinzer (SUI) - 1991, 1992, 1992 (ZR)
  • Luc Alphand (FRA) - 1995, 1995 (ZR), 1997 (SR)
  • 2 - Stephan Eberharter (AUT) - 2002, 2004
  • Fritz Strobl (AUT) - 1997, 2000
  • Peter Wirnsberger (AUT) - 1986, 1986 (ZR)
  • Josef Walcher (AUT) - 1978, 1978 (ZR)
  • Lasse Kjus (NOR) - 1999 (ZR/SR), 2004 (ZR)
  • Steve Podborski (CAN) - 1981, 1982
  • Sepp Ferstl (GER) - 1978, 1979
  • Roland Colombin (SUI) - 1973, 1974
  • ZR = Zusatzrennen
  • SR = Sprint-Abfahrt

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