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Zuletzt aktualisiert: 14.12.2012 um 08:03 UhrKommentare

Vom Gasthaus zum Wohnhaus

Erst "Bierwirt", später Disco und nun Büro- und Wohngebäude: Stefan Kogler hauchte einem 400 Jahre alten Kärntner Wirtshaus neues Leben ein. Sonja Schindler machte einen Lokalaugenschein.

Foto © Helmuth Weichselbraun

Wie kommt man auf die Idee, statt einer Wohnung gleich ein ganzes Wirtshaus zu kaufen? Nach sechs Jahren als Architekt in England sah sich Stefan Kogler 2008 nach einer Wohnung in seiner Kärntner Heimat um, als er auf das 400 Jahre alte Haus stieß, das zwangsversteigert wurde. "Das Objekt war etwa um den Preis einer Wohnung zu haben und ich beschloss, es komplett zu revitalisieren und in ein Wohn-, Büro- und Geschäftshaus umzubauen, in dem ich selbst wohnen und ein Architekturbüro einrichten kann", erzählt er.

Ein riskantes Vorhaben, wie es scheint - doch der Architekt und Baumeister wusste, worauf er sich einließ: "Die Mauern waren trocken, da das Dach vor nicht allzu langer Zeit neu gedeckt wurde, und das Gebälk war wurmfrei", zählt er die wichtigsten Kriterien auf. Revitalisierung, Sanierung und Umbau gehören neben energieeffizienter Architekturplanung zu Koglers Spezialgebieten, deshalb waren auch die Minuspunkte wie das Fehlen einer Heizung, alte Metallleitungen und ein Wasserrohrbruch keine allzu großen Hürden.

Dass das Gebäude innen total "hinüber" war, machte seine Aufgabe nach eigenen Angaben sogar einfacher: "Man geht viel rigoroser vor und kann völlig neu planen - so wurde durch die neue Raumaufteilung auch die Flächennutzung optimiert." Was an alten Strukturen erhaltenswert war, wurde behutsam restauriert und gekonnt in Szene gesetzt.

Verborgene Schätze

Die schönen Gewölbedecken waren ihm schon bei der ersten Besichtigung des Objektes ins Auge gestochen. Sie wurden sorgfältig freigelegt und ergänzt. Die originale Natursteinmauer im Innenhof und im Dachgeschoß integrierte er ebenso ins Gesamtkonzept wie das gut erhaltene Gebälk des Dachbodens.

Eine besonders schöne Überraschung erwartete den Hausherrn in einer der drei Wohnungen im Obergeschoß, die er heute selbst bewohnt: Beim Entfernen der völlig veralteten Ausstattung kam der originale Lärchenholzboden zutage - vielleicht ein kleiner Trost dafür, dass er das Dachgeschoß, das 2011 zusätzlich ausgebaut wurde, nicht wie ursprünglich geplant selbst bezog, sondern an eine Steuerberatungskanzlei vermietete. "Die Revitalisierung soll sich durch die Vermietung der Büro- und Geschäftsräumlichkeiten ja irgendwann amortisieren", sagt er. Im Erdgeschoß sind neben dem Architekturbüro ein Ingenieurbüro für Elektrotechnik und ein Fotostudio eingemietet.

Bewegte Geschichte

Jeder Quadratmeter des Gebäudes wird heute optimal genutzt und die alten Mauern sind auf dem neuesten Stand der Technik. So wie es heute dasteht, sieht man ihm seine vier Jahrhunderte als Wirtshaus und sein wechselhaftes Schicksal nicht mehr an. Vom "Bierwirt" im 18. Jahrhundert, später "Botenwirt", dann "Wirtshaus Zum Mondschein" über den Kommunistentreffpunkt "Zum roten Stern" bis zur einschlägig bekannten Disco "Kokain" in den späten 1980er-Jahren war es ein langer Weg, der zuletzt leider ziemlich steil bergab geführt hatte.

Stefan Kogler hat nie bereut, dieses Mammutprojekt in Angriff genommen zu haben und ist zu Recht stolz auf das Ergebnis: "Das alte Haus wurde nicht nur zu neuem Leben erweckt, sondern auch zum Impulsgeber für die ganze Straße. In der Zwischenzeit haben auch andere Eigentümer in ihre Häuser investiert und im näheren Umfeld hat sich ein neuer Standort für Wohnen und Arbeiten etabliert."

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WAS & WER

  • Das Projekt: Rund 400 Jahre altes revitalisiertes Gasthaus.

    Nutzfläche: Bürofläche Erdgeschoß 240 m2, Wohnfläche Obergeschoß 165 m2, Bürofläche Dachgeschoß 170 m2

    Energiebedarf: Vor Umbau ca. 280 kWh/m2, heute 65 kWh/m2

    Dämmung auf Niedrigenergiehaus- Standard, Fenster mit dreifachem Solarglas.

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