19. Dezember 2014, 09:42 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 05.11.2012 um 08:59 UhrKommentare

Der Zeit voraus

Wie normal darf das Wohnhaus eines Zukunftsforschers sein? Worauf richtet sich ein Ehepaar ein, das beruflich ständig in die Zukunft blickt? Die Antwort darauf steht seit Mitte 2010 auf einem Nordhang in Wien.

Foto © Klaus Vyhnalek

Oona und Matthias Horx haben sich diese Frage nicht erst beim Kauf ihres Grundstücks in Wien vor mittlerweile fünf Jahren gestellt. Ganze Aktenordner voller Ideen zum Thema hatte die Hausherrin damals bereits zum Thema zusammengetragen, um sich in den darauffolgenden dreieinhalb Jahren Planung und Bauphase vom Ideal zur Realität durchzukämpfen. Der Bauprozess wurde zu einer Variante von "Schöner Scheitern", wie sie sagt, zur Geschichte einer Kapitulation vor allzu großen Ansprüchen und allzu strengen Kriterien. "Es war ein Familiendrama in drei Akten", meint Oona Horx und hat die Geschichte unter diesem Titel auch zu Papier gebracht.

Das "Happy End" steht seit Mitte 2010 auf einem Nordhang in Wien und ist auf den ersten Blick einfach ein modernes Haus "für vier Leute und eine alte Katze". Für den sicheren Wow-Effekt, wie ihn Besucher des Horx-Hauses anscheinend immer erwarten, sorgt eigentlich nur eine etwa einen Quadratmeter große Glasscheibe zwischen Flur und Hauptwohnbereich, die per Knopfdruck durchsichtig bzw. blickdicht wird.

Der Rest ist sehr einfach und das ist auch der Trick, wie Oona Horx betont: "Es geht darum, die funktionellen, kulturellen und fantasievollen Bedürfnisse eines Auftraggebers zu befriedigen, dabei aber immer ein Auge auf die einfachste Lösung zu haben, die für einen Wandel offen ist. Der Auftraggeber mag seine Ansprüche zu kennen glauben, aber sie werden sich zwangsläufig ändern."

Boxenstopp

Zitat

Worauf wir noch warten, ist eine schicke Tapete, die bei Bedarf Licht gibt - und Mikrochipimplantate für die ganze Familie, um die Haustür zu passieren.

Die Hausherrin

Die einfachste Lösung, das ist im Falle Horx eine "bungalowähnliche Box", eingeteilt in verschiedene Bereiche, die wie bei einem Schokoriegel bei Bedarf durch Einkerbungen getrennt werden können. Die Einkerbungen sind Schiebetüren. An der Küche als Zentrum des Hauses sind auch die Zukunftsforscher nicht herumgekommen. Oona Horx verweigerte allerdings den klassischen Esstisch und entschied sich für eine Barküche mit entsprechenden Stühlen. Teure Küchengeräte, die mit sich und der Welt kommunizieren, wird man hier vergeblich suchen. Ein energiesparendes Haus zu bauen, bedeutete für das Ehepaar Horx, die elektrischen Geräte im Haushalt auf ein Minimum zu reduzieren. Der erfolgreichste "Nichtkauf" war laut Hausherrin die Dunstabzugshaube. Eines ihrer Lieblingsgeräte hingegen ist der "Quooker", der den Wasserkocher ersetzt: ein Vakuum-Isoliertank unter der Spüle, der ständig, praktisch ohne Energie- und Wärmeverlust, drei Liter kochend heißes Wasser für die passionierten Teetrinker vorrätig hält. Der offene Kamin wurde entgegen den Bestrebungen des Architekten und diverser Handwerker, nicht in eine klassische gemütlichen Ecke möglichst weit von der Küche eingebaut, sondern mitten im Küchenbereich nahe dem Essplatz. "Weil die Küche kein antiseptischer Ort sein soll." Sie sei vielmehr ein Ort, an dem Menschen freier sprechen als irgendwo sonst.. "Die Art wie sich Kochen und Zuhören miteinander verbinden lassen, hat etwas sehr Natürliches."

Anders auch der Zugang zum Thema Badezimmer, das Oona Horx als zweites Wohnzimmer interpretierte - als Salon, "wie ein geheimes Zimmer, ein Ort zum Verschnaufen und Erholen - weich und sexy, dabei nicht zu feminin." Der üppige, minimalistische Barock des spanischen Designers Jaime Hayon war die Lösung für Waschtisch und Wanne, hinzu kamen eine alte Chaiselongue, fliederfarbene Samtvorhänge und eine Tapete mit Pfauenfedern in Schwarz-Weiß.

Arbeitsplatz

Auf das Zukunftsthema "Wohnen und Arbeiten unter einem Dach" hat das Ehepaar Horx mit zwei Dächern reagiert: Rund 30 Meter vom Wohnhaus entfernt entstand die 110 m2 große "Work"-Station, die Firmenzentrale, in der sich der Hausherr für das "höhlenartige" Untergeschoß entschied und seiner Frau gern das Obergeschoß mit Panoramafensterüberließ. In den Arbeitspausen sieht man den Hausherrn übrigens oft Rasenmähen, Unkrautzupfen oder Rosenschneiden.

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Das Projekt

  • Circa 180 m² Wohnraum, 110 m² Büro-Modul, Fertigstellung Juli 2010. Planung mit Hilfe des Architekten Hans-Peter Wörndl.

    Energieversorgung mittels mehrerer Komponenten: Holz- und Gasheizung, Photovoltaikanlage und Solarthermie. Auf leistbare Brennstoffzellentechnkik wird noch gewartet.

Buchtipp

  • Ein Bauratgeber der anderen Art und ein Familiendrama in drei Akten: Wir bauen ein "Zukunftshaus", von Oona Horx, erschienen im DVA-Verlag, 20,60 Euro.

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Bauratgeber Steiermark

  • Zum Bauratgeber