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Zuletzt aktualisiert: 26.04.2012 um 13:14 UhrKommentare

Forscher wollen pflanzliche "Einwanderer" als Biozid nützen

Sie kommen von weit her, verdrängen heimische Pflanzen und können in der Landwirtschaft und in Uferbereichen Probleme verursachen: Biologen untersuchen Wirkung der Inhaltsstoffe eingeschleppter Pflanzen.

Foto © Privat

Sogenannte Neophyten, ursprünglich nicht heimische, sondern eingeschleppte Gewächse. An der Uni Graz gehen Botaniker der Frage nach, warum die invasiven Pflanzen gegenüber heimischen Arten so überlegen sind und ob ihre Wirkstoffe nicht auch im Pflanzenschutz verwertbar sein könnten.

Rasante Wachstumsgeschwindigkeit

"Aggressiv" und "invasiv" - so drastisch wie die Beschreibungen der Experten für die gebietsfremden Pflanzen sind, sind auch die Folgen der massiven Verbreitung von u.a. Drüsigem Springkraut, Kanadischer Goldrute oder Riesen-Bärenklau: Durch ihre starke Ausbreitung, ihre ausgeprägte Widerstandsfähigkeit und rasante Wachstumsgeschwindigkeit bedrohen einige dieser Neophyten nicht nur die Vielfalt heimischer Pflanzenarten. Ernteeinbußen, unterminierte Fundamente und Uferbefestigungen sowie allergische Reaktionen zählen zu weiteren Folgeproblemen.

Wissenschafter des Instituts für Pflanzenwissenschaften an der Universität Graz untersuchen daher die genaue Wirkung ihrer Inhaltsstoffe: "Wir wollen herausfinden, warum diese Neophyten gegenüber der heimischen Vegetation so konkurrenzstark sind", schilderte Rene Rehorska am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Einige Arten würden laut Rehorska Substanzen enthalten, die andere Pflanzen in ihrem Wachstum hemmen oder sie schädigen. Genau dies macht diese Arten aber auch zu einer möglichen Quelle für natürliche Unkrautvernichtungsmittel (Bioherbizide): "Basierend auf dieses Vermögen wollen wir neue Bekämpfungsstrategien entwickeln, um sozusagen Feuer mit Feuer zu bekämpfen."

Pilzvernichtungsmittel

Bestimmte Neophytenarten produzieren weitere Stoffe, die geradezu pharmazeutisch wirken: Sie könnten als Pilzvernichtungsmittel (Biofungizide) oder gegen spezielle Pflanzenviren zur Anwendung kommen. Für den Götterbaum (Ailanthus altissima) sei bereits gut belegt, dass das in ihm enthaltene Ailanthon phytotoxisch, d. h. pflanzenschädigend, wirkt. Selbiges vermutet der Grazer Experte vom Japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica) und vom Drüsigen Springkraut (Impatiens glandulifera).

"Unser Anliegen ist, diese Stoffe auf ihre genaue Wirkung hin zu untersuchen und Wege zu finden, sie möglichst kostengünstig und effizient aus den Pflanzen zu gewinnen", schilderte der Grazer Forscher. Von Interesse sei vor allem auch die Frage, ob sich Inhaltsstoffe einer Neophytenart zur Bekämpfung einer anderen eignen.

Laut der letzten umfassenden Studie des Umweltbundesamtes über die Verbreitung und das Vorkommen von Neophyten (2002) gibt es in Österreich rund 1.110 unterschiedliche eingewanderte Gefäßpflanzenarten (Pflanzen mit Wurzeln, Sprossachsen und Blättern, Anm.). Das sind rund 27 Prozent der im Bundesgebiet vorkommenden Gefäßpflanzenarten. Rund ein Dutzend von ihnen sind besonders problematisch für den Naturschutz.

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