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Zuletzt aktualisiert: 10.01.2011 um 05:10 UhrKommentare

Gaston Glocks Geld im Hypo-Koffer

Drei Millionen Euro behob Wolfgang Kulterer 2005 bei der Hypo Liechtenstein für einen Kunden - Gaston Glock. Für CSI-Chef Peschorn ist das "nicht belegbar".

Foto © Montage: APA, Weichselbraun

Seit dem Jahr 2000 ist der Waffenproduzent Gaston Glock auf die österreichische Finanz nicht besonders zu sprechen. In einer Großrazzia fiel sie in seinen Betrieben in Ferlach und Deutsch-Wagram sowie seiner Villa in Velden ein. 2002 wurde das Finanzverfahren ohne Ergebnis geschlossen. Wer den knochenharten 80-Jährigen kennt, kann sich seinen aktuellen Gemütszustand gut vorstellen - ist er doch durch eine Geldtransaktion im Jahr 2005 mitten in den Hypo-Skandal und in die Ermittlungen der CSI-Hypo gegen Wolfgang Kulterer geraten. Seit Tagen beschäftigt die Öffentlichkeit, wem Kulterer dazumal von einem bankinternen Konto der Hypo Liechtenstein ebendort drei Millionen Euro in bar in einem Geldkoffer übergeben hat.

Das Geld kam über ein Konto bei der Schweizer Großbank UBS und weil von eben diesem 2004 einmal 51 Millionen Dollar an die Bank of Bahamas überwiesen wurden, eskalierten vergangene Woche die Spekulationen. Haben diese Millionen gar etwas mit jenen 50 Millionen US-Dollar zu tun, die der am Mittwoch in München verhaftete Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky in seiner Salzburger "Sonnenschein-Privatstiftung" gebunkert hatte?

"Wir recherchieren mit Hochdruck"

So viel steht jetzt fest: Bei dem Kunden, der sich von Kulterer die drei Millionen Euro ausfolgen ließ, handelt es sich um Gaston Glock. Anwalt Leo Grötschnig vom CSI-Hypo-Anwaltsbüro Held bestätigte am Sonntag gegenüber der APA zu einem entsprechenden Bericht des Kurier, dass ihm Kulterer-Anwalt Ferdinand Lanker "den Namen Anfang Dezember mündlich genannt", dies aber nicht schriftlich bestätigt habe. Für den von Finanzminister Josef Pröll eingesetzten CSI-Hypo-Ermittlungschef Wolfgang Peschorn ist das "derzeit nicht belegbar. Lanker hat das nur angedeutet, wir können das nicht nachvollziehen. Aus unserer bisherigen Sicht handelt es sich um Eigengeld der Bank, und dass Glock der Empfänger gewesen sein soll, ist durch keine Unterlagen ersichtlich. Wir recherchieren mit Hochdruck", erklärte er gegenüber der Kleinen Zeitung.

Kulterer-Verteidiger Lanker schilderte, er habe am 9. Dezember 2010 CSI-Anwalt Grötschnig den Namen des Kunden genannt, dieser habe erklärt, am selben Tag den Hypo-Vorstand zu informieren. "Ich habe dann am nächsten Tag der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass wir der Bank den Namen des Empfängers genannt haben. Wir haben kein Bankgeheimnis gebrochen und es gab auch keine Geldwäsche", so Lanker zur Kleinen Zeitung.

Peschorn widersprach dieser Darstellung aber entscheiden: "Es hat sich lediglich um Andeutungen Lankers gehandelt. Daher sind das nur Gerüchte. Es bleibt ein Rätsel." Über die APA kündigte Lanker später an, Peschorn als Leiter der Finanzprokuratur und Verantwortliche der CSI Hypo wegen Verletzung des Bankgeheimnisses auf Amtsmissbrauch und Verleumdung klagen zu wollen.

Bisher keine Erklärung

Seitens der Rechtsvertreter von Gaston Glock - er wird in seinen Privatstiftungen vom Düsseldorfer Flick-Stiftungsvorstand Jörg Adreas Lohr und den Kärntner Anwälten Wilhelm Gößeringer und Elmar Ther als Vorstände vertreten - gab es am Sonntag keine Stellungnahme. Eine angekündigte schriftliche Erklärung wurde bis zum späten Abend nicht abgegeben.

Unklar bleibt auch der Verbleib jener 51 Millionen Euro, die vom selben Schweizer Konto vor Jahren in die Karibik überwiesen worden sind. Auch hiezu sagte Peschorn, dass man "mit Nachdruck" Nachforschungen anstelle. Seine Skepsis hatte er bereits am Wochenende gegenüber der Kleinen Zeitung geschildert: "Bei der Kontoöffnung haben wir gesehen, dass 2004 51 Millionen Dollar über jenes Hypo-eigene Konto bei der Schweizer UBS-Bank, das auch Kulterer für die Drei-Millionen-Euro-Transaktion nutzte, in die Karibik flossen", schilderte er. Einen Zusammenhang zu den Karibik-Millionen in Gribkowskys aufgeflogener Salzburger Stiftung wollte er am Sonntag keinesfalls herstellen.

Bei Ex-BayernLB-Risikovorstand Gribkowsky war man davon ausgegangen, dass seine "Sonnenschein"-Millionen aus Deals mit Formel-1-Rechten stammen. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hat in der Bild-Zeitung einen Geldfluss von der Formel 1 an Gribkowsky dementiert: "Das ist absoluter Blödsinn."

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