24. November 2014, 23:43 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 27.12.2012 um 16:10 UhrKommentare

Wifo-Bankenexperte Hahn urgiert Schließung der Hypo

Franz Hahn, Bankenexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), hat am Donnerstag seine Empfehlung bekräftigt, die Ende 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria Bank zu schließen. Die Hypo hält das für fahrlässig.

Foto © KLZ/Weichselbraun

Die Bankenkrise sei nicht vorbei. Sie werde erst dann vorüber sein, wenn der Schock, den die Finanzkrise ausgelöst habe, aus den Bankenbilanzen verschwunden sei, sagte Hahn im Hörfunk-Mittagjournal. Das werde noch einige Jahre dauern und noch ganz fundamentale Konsolidierungsanstrengungen erfordern. Immer noch gebe es viele faule Kredite, die die Banken abzuschreiben hätten. Und insgesamt gebe es zu viele Banken in Österreich.

Seit den 1990er Jahren sei die Zahl der Banken im Land von 1.200 auf 800 gesunken. Diese Zahl könnte sich nach Meinung des Experten in den nächsten zehn Jahren noch halbieren. Die Institute müssten Unternehmensgrößen erreichen, die ihnen tatsächlich ein effizientes Geschäftsmodell ermöglichten.

Ein effizientes Geschäftsmodell spricht Hahn der Kärntner Hypo derzeit gänzlich ab. Sinnvoll wäre es, würde man der Öffentlichkeit mitteilen, dass die Strategie nur sein könne, diese Bank aus dem Markt zu nehmen. Es liege in der Verantwortung der Politik, die Bank so zu schließen, dass die Kosten für die Steuerzahler so gering wie möglich ausfallen. Nichtsdestotrotz meint auch Hahn, dass die Milliarden, die schon in die Hypo gesteckt wurden, wohl nicht zurückkommen werden.

Der Experte urgierte ein Insolvenzrecht für die Banken. Auch müsse die Bankenaufsicht künftig vorbeugend so agieren können, dass es gar nicht so weit kommt, Banken wieder vor dem Zusammenbruch retten zu müssen. Hahn plädiert zudem für Eigenkapitalvorgaben, die über den Konjunkturzyklus variabel sein sollten.

Hypo schießt sich nach Schließungsidee auf Wifo-Experten ein

Ein Sprecher der notverstaatlichten Kärntner Hypo hat die Idee des Wifo-Bankenkexperten Franz Hahn, die Bank zu schließen, am Donnerstagnachmittag massiv kritisiert. Die Schließungsforderung sei "für das Unternehmen aus mehreren Gründen weder nachvollziehbar noch entspricht sie dem verantwortungsvollen Umgang eines Wirtschaftswissenschafters mit sensiblen Organisationen wie Banken und dem Bankenplatz Österreich", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Es handle sich um eine "fahrlässige Ferndiagnose in Richtung Kreditschädigung".

Hahn würde der Hypo "mit ihren 1,3 Mio. Kunden unreflektiert ein effizientes Geschäftsmodell absprechen", was nur an "mangelnden Informationen liegen" könne. Schließlich handle es sich bei der staatlichen Hypo um ein "Institut, das sich mit seinen operativen Bankeinheiten ausgeglichen in sieben Ländern trotzt schwierigster Marktbedingungen behauptet und nebenbei eine enorme Abbau- und Sanierungsleistung (rund zehn Mrd. Euro, Anm.) bewältigt", so der Sprecher.

Die Beurteilung des Geschäftsmodells obliege zu aller erst den heimischen Aufsichtsbehörden und der EU, so der Bankenvertreter, der sich noch weiter auf Hahn einschoss: "Es ist bedauerlich, dass sich ein Mitarbeiter des renommierten Wifo weder seiner Verantwortung noch seiner früheren Aussagen bewusst zu sein scheint."

Hahn habe anno 2009 in einem Zeitungsartikel gemeint, die Hypo sei eine systemische Größe, die man nicht ungeordnet in den Konkurs gehen lassen könne und sich für eine geordnete Abwicklung ausgesprochen. "Und daran sowie an der (Re-)Privatisierung der bereits ausgeschriebenen operativen Bankteile arbeiten 6.000 Hypo-Mitarbeiter", so der Bankensprecher.

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Die Verstaatlichung

  • Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

Hypo Chronologie

  • Die Hypo-Affäre im Zeitraffer: Ein Überblick über die Entwicklung der Hypo von einer verschlafenen Regionalbank zum Milliardengrab.