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Zuletzt aktualisiert: 09.08.2012 um 20:16 UhrKommentare

"Liebe hört da auf, wo Geld anfängt"

Maria S.* suchte die große Liebe im Internet - und fand Internetbetrüger. Gleich drei Männer versuchten die Bärnbacherin nach demselben Schema um ihr Geld zu bringen.

Kleine rote Herzen flattern über den Bildschirm. Hin und wieder poppt ein Kussmund auf. "I love you" steht dann in einer großen Sprechblase in der Mitte des Schirms, die langsam immer heller wird und in den Tiefen des World Wide Web verschwindet. Anders als die Zeilen. Die digitale Liebesbotschaft in schlechtem Deutsch, übersetzt von einem automatischen Übersetzungsprogramm. "Du bis meine Liebe, mein Alles", hat sich Maria S.* die Mails ihrer Internetliebe alle ausgedruckt. "Es sind so wunderschöne Worte, so zärtlich, so einfühlsam", schwärmt die Bärnbacherin noch immer von Michael Randall Moose. Oder zumindest von der Vorstellung, die sie von ihm hatte. Denn der Traum, die Internetliebe auch real leben zu können, platzte schnell.

Liebe statt Sex

Mitte Mai meldete sich S. auf Anraten ihrer Freundin - "Du bist so eine tolle Frau, du brauchst einen Mann" - in einer kostenlosen Online-Partnerbörse an. "Und Michael war einer der ersten, der mich anschrieb", erinnert sie sich. "Er war nicht plump, wollte keinen Sex und konnte sich sehr gewählt ausdrücken." Auch der Lebenslauf des Amerikaners und seine Fotos beeindruckten. Ein stattlicher Mitfünfziger, muskulös, gepflegt, seit fünf Jahren Witwer. "Er war Soldat in der amerikanischen Armee, hat jedoch eine deutsche Mutter und war zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens im Irak stationiert." Schnell entwickelte sich Vertrautheit. S. saß nächtelang vor ihrem Computer, um mit dem digitalen Traumprinz zu chatten. "Ende Juni sollte er pensioniert werden, dann wollte er auch nach Österreich kommen", gibt S. zu, dass die Herzen nicht nur am Bildschirm flatterten. Kritische Stimmen ihrer eigenen Kinder überhörte sie zu diesem Zeitpunkt noch.

"Aber nach ungefähr einem Monat schrieb er mir, dass er vor der Pensionierung noch einen Auftrag in Ghana erledigen müsse", erzählt S. Er solle dort Geld abholen und nach Europa bringen. "Und irgendwann hat er dann gemeint, er müsse das Geld zu mir schicken. Weil es so ein geheimer Auftrag sei." 850 Euro Vorschuss würde er jedoch von S. brauchen, um das Porto bezahlen zu können. "Da wurde ich dann stutzig", meint S. "Obwohl Michael meinte, das Geld sei ja für uns. Für unsere gemeinsame Zukunft." S. entschied sich auf Anraten ihrer Kinder jedoch, das Geld nicht zu schicken. Und schnell war der amerikanische Prinz aus dem Internet verschwunden.

"Dann habe ich in der Kleinen Zeitung von einer Frau gelesen, die einer Internetliebe 18.000 Euro geschickt hat." Einem Kanadier, der in Ghana lebt. "Und da schellten bei mir alle Alarmglocken."

Sofort stieg S. wieder in das weltweite Netz ein. "Ich wollte wissen, was da dahinter steht." Und es dauerte nicht lange, flatterten schon die nächsten digitalen Herzen. Michael Hardson. 57 Jahre alt, seit fünf Jahren verwitwet, in New York lebend mit einem elf Jahre alten Sohn, "der auf dem wunderschönen Foto vor Bergkulisse höchstens wie ein Sechsjähriger ausgesehen hat." "Du siehst so süß und so schön aus", schmeichelte der angebliche Angestellte einer Autofirma, bis auch er beruflich nach Ghana musste, um Autoteile zu holen. Dort wurde ihm dann das Gepäck gestohlen. S. sollte als Überbrückung mit 950 Euro aushelfen. Nur zum Schein ließ sich S. auf Gespräche ein, um vielleicht an eine Adresse oder einen Namen in Ghana zu kommen. Und Michael ließ nicht locker. Erst nach ihrer endgültigen Absage blieb auch diesmal der Bildschirm dunkel. Die Verliebtheit vonseiten Michaels schien mit einem Mausclick vorbei.

Und schon wieder Ghana

Und auch bei Internetliebe Nummer drei zeigte sich das gleiche Bild. Antony Smith aus Manchester, seit fünf Jahren verwitwet, hat bereits in seinem dritten Mail angekündigt, dass er bald beruflich nach Ghana müsse. Auf Geldforderungen zwischen den tanzenden Herzen wartet S. noch, die auf handfeste Beweise hofft, um zur Polizei gehen zu können. Denn eines ist ihr mittlerweile sonnenklar. "Das ist kein Zufall, die sind bestens organisiert und wahrscheinlich sogar geschult. Wer weiß, vielleicht sind sogar alle drei ein- und dieselbe Person."

Ihr Fazit hat S. jedenfalls gezogen. "Die Liebe hört da auf, wo das Geld anfängt." Da können auch tolle Männerfotos, Kussmünder und flatternde Herzen nichts ändern. Gelernt hat sie dennoch etwas. "Ich habe noch nie zuvor gechattet", war der Ausflug ins Weg ein gratis Computerkurs. "Und ich weiß jetzt sogar schon, wie man beim Chatten ein Smiley macht." Das kann sie jetzt wieder oft brauchen, wenn sie sich mit ihrer Freundin oder ihren Kindern im Internet über die skurrilen Geschichten der digitalen Traumprinzen amüsiert. * Name geändert

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