28. November 2014, 06:56 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 12.05.2012 um 20:16 UhrKommentare

Ein Hoch auf alte Arbeitsweisen

Zwischen Gerät und Foto. Im Dorfmuseum in St. Martin am Wölmißberg erfahren Besucher, wie das Leben früher ausgesehen hat.

Als ein "Dokument der Heimat und der St. Martiner Bevölkerung" bezeichnete einst der steirische Kulturpolitiker Hanns Koren das Museum in St. Martin am Wöllmißberg. Der gebürtige St. Martiner und spätere Bürgermeister von Edelschrott August Gößler hatte immer besten Zugang zur Bevölkerung. Und so wusste er, dass in vielen Häusern, auf Dachböden und in Stadeln Arbeits- und Hausgeräte aus vergangener Zeit lagerten - meist unbeachtet, vergessen. Und Gößler beobachtete auch, dass viele Kinder, obwohl aus dem bäuerlichen Bereich kommend, die alten Lebensformen und Arbeitsweisen kaum noch kannten. So beschäftigte er sich bereits in den 1950er-Jahren mit der Idee, diese Geräte zu sammeln und das Wissen darüber weiterzugeben. Er fand im Lehrer Franz Herzog einen gleichgesinnten Mitstreiter. Im Laufe mehrere Monate besuchten die beiden viele Bauernhäuser und konnten rund 150 Objekte zusammentragen.

Museum im Schulhaus

Die Sammlung erlebte in den Folgejahren ein wechselhaftes Schicksal, ehe sie 1995 am heutigen Standort, dem Museum im alten Schulhaus, endgültig und repräsentativ untergebracht wurde. In enger Zusammenarbeit zwischen Bürgermeisterin Erna Wagnest und dem Kultur- und Verschönerungsverein unter Obmann Willi Christof wurde ein Dorfmuseum mit besonderen Schwerpunkten geschaffen.

Willi Christof führt auch durch das Museum, das in den ehemaligen Schulräumen viel Atmosphäre ausstrahlt, einen Einblick in das dörfliche und bäuerliche Leben der Vergangenheit gibt. Christof kennt zu jedem Gerät, zu jedem Foto eine Erklärung, erzählt über die Funktion und Entstehungsgeschichte von Gerät und Werkzeug. Werkzeug, das oft einzigartig ist.

Denn bis weit in das vorige Jahrhundert herauf war die ländliche Bevölkerung genötigt, mangels Bargeld Werkzeug selbst herzustellen und Geräte zu reparieren. Der Ideenreichtum, handliches und praktisches Gerät mit geringen Mitteln zu bauen, war bewundernswert.

Die Sammlungen im St. Martiner Museum gliedern sich in fünf Teilbereiche. Da gibt es das Weberdorf St. Martin, die Kraftwerksgruppe Teigitschtal, bäuerliches Handwerk, tägliches Leben sowie den Bereich des Wohnens und Arbeitens in früherer Zeit. In der ganzen Ausstellung berichten Zeitungsausschnitte und Fotos über den Kraftwerksbau. An das "Weberdorf", das früher große Bedeutung hatte, erinnern nicht nur Geräte und Werkzeuge, sondern auch die "Zunfttruhe der Weberzunft" aus dem Jahr 1794.

Anton Wildgans

Unter all den kleinen und großen "Sammler-Kostbarkeiten" befindet sich eine Vitrine, welche Willi Christof mit besonderem Stolz erfüllt: Sie erinnert an den großen Österreicher und Dichter Anton Wildgans. "Ich finde es faszinierend, dass Wildgans so viele Jahre seine Ferien in St. Martin verbrachte", freut sich der Museums-Mann. "Besonders stolz bin ich darauf, dass ich früher bereits Nachkommen des mir sehr verbunden Dichters durch das Museum führen konnte."

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Museumsinfo

  • Im Dorfmuseum in St. Martin am Wöllmißberg befinden sich sowohl eine kulturkundliche Sammlung als auch viel Interessantes zu Handwerk, Gewerbe, Industrie und Technik.

    Besuche und Führungen sind nach telefonischer Voranmeldung im Gemeindeamt möglich.

    Tel. (03140) 202.

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