23. November 2014, 17:08 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 16.11.2012 um 05:55 UhrKommentare

Freier Zugang zum Gipfel - gegen Geld

Besitzer des oststeirischen Kulmgipfels sperrte Wanderer und Wallfahrer aus. Für die Öffnung sollen die Gemeinden zahlen.

Foto © ROBERT BREITLER

Soll der Kulm geöffnet werden? Eine Postwurfsendung mit dieser Frage erreichte kürzlich rund 5500 Haushalte in der Oststeiermark. Aber nicht die Gemeinden rund um den Kulm initiierten diese "Volksbefragung", sondern der Eigentümer des Kulmgipfels, Georg Schlatzer.

Kurioserweise war es aber gerade Schlatzer, der vor genau zwei Jahren den Berg für die Öffentlichkeit sperrte. Grund dafür war, dass große Teile des Gipfels unter Denkmalschutz gestellt wurden, was Schlatzer so nicht hinnehmen wollte. Seitdem tummeln sich auf der wohl markantesten Erhebung der Oststeiermark neben Hochlandrindern nur Bundesheersoldaten bei der dort vorübergehend aufgestellten Radarstation.

"Ich habe darauf reagiert, dass die Gemeinden in ihren Nachrichten geschrieben haben, die Besitzstörungsklage gegen mich gehe in die zweite Instanz", erklärt Schlatzer, "dabei wurde der Rekurs in zweiter Instanz abgewiesen und mir recht gegeben."

Diese Klage war vor beinahe zwei Jahren von Gemeinde und Pfarre Puch bei Weiz gegen Schlatzer eingebracht worden, da durch die Sperre keine Wanderer oder Wallfahrer zu der am Kulm befindlichen Kalvarienberggruppe gehen können. Gerlinde Schneider, Bürgermeisterin von Puch bei Weiz, bestätigt: "Da war leider Pech dabei, dass wir das in den Gemeindenachrichten geschrieben haben. Denn das Urteil ist erst nach Redaktionsschluss veröffentlicht worden."

85.000 Euro

Die Öffnung, die Schlatzer nun in Aussicht stellt, ist aber nicht unentgeltlich: Sein "Projekt Kulm" sieht vor, dass die Umlandgemeinden, Pfarren und Tourismusverbände dafür jährlich insgesamt rund 85.000 Euro aufbringen sollen. "Das ist dafür, dass der Gipfel von Gestrüpp frei und die Wege in Ordnung gehalten werden und dass der Abfall der Besucher weggeräumt wird", erklärt Schlatzer. "Das ist ein Fulltime-Job für zwei Leute."

Bürgermeisterin Schneider möchte diesen Vorschlag nicht öffentlich kommentieren. "Wir hatten kürzlich eine Besprechung mit dem Herrn Schlatzer und demnächst ist wieder eine angesetzt", sagt Schneider, "wir sind aber auf jeden Fall bereit oben mitzuarbeiten." Dass tatsächlich Geld fließe, damit die Menschen wieder auf den Kulm dürfen, kann sich Schneider nicht vorstellen. "Man denke nur an die Folgewirkung. Eines Tages darf man dann vielleicht auch nicht mehr gratis auf die Teichalm oder auf den Zetz", so Schneider. Diese Meinung teilt auch Bürgermeister Erwin Marterer von der ebenfalls betroffenen Gemeinde Pischelsdorf. "Vielleicht können wir einen Kompromiss finden", so Marterer - bei dem jedoch kein Geld fließe.

Schlatzer zeigt sich nach eigener Aussage gesprächsbereit. Ob er gänzlich auf eine finanzielle Abgeltung verzichten wird, sagt er nicht. Immerhin kostete und kostet seiner Familie die Kultivierung des Kulm viel Geld. Vor 56 Jahren kaufte sein Vater den Kulmgipfel für 250.000 Schilling. "Das war eine richtige Wildnis und wir wurden damals von allen belächelt", erinnert sich Schlatzer, "wir haben dann aber alles urbar gemacht." Was schließlich auch immer mehr Gäste anzog.

Müllhalde

"Zu Silvester sind an die 2000 Leute heraufgekommen. Die Fernsicht ist ja einzigartig. Wir sehen von hier bis zum Plattensee", sagt Schlatzer, "aber was das nachher für ein Dreck war, kann man sich nicht vorstellen. Wir haben für den Müll einen Container gebraucht." Außerdem profitierte das Gasthaus Kulmwirt nicht davon. "Ins Lokal kamen vielleicht zehn Leute. Die meisten hatten alles mit und wollten nur schauen", so Schlatzer.

Durch den Rücklauf der Aussendung fühlt sich Schlatzer in seiner Position bestätigt. "Es gab rund 600 Rückmeldungen. 98 Prozent sprachen sich für mein Projekt und die Öffnung des Kulm aus", sagt Schlatzer. Kein Wunder: Als Alternativen führte Schlatzer etwa die Einhebung von Eintrittsgeldern, eine längerfristige Stationierung des Bundesheeres und die Nutzung des Gipfels "für schutz- und hilfsbedürftige Fremde" an.

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