27. November 2014, 13:00 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 29.03.2012 um 21:04 UhrKommentare

Groteske um die Windkraft

Die Steiermark stellt sich beim Ökostromausbau selbst ein Bein. Ein Landes-Gutachter konterkariert die Energiestrategie der Politik. Aus Behördensicht sind weitere Windräder am Steinriegel bei Ratten optisch nicht zumutbar.

Foto © APA/Sujet

Seinen Ärger kann Johann Janker nur mit Mühe verbergen. "Das ist eine Ungeheuerlichkeit", platzt es aus dem Geschäftsführer der Firma Ecowind heraus. Was den Planer und Errichter von Windparks so aufregt: Sein Vorzeigeprojekt, die bislang weitgehend unumstrittene Erweiterung des Windparks am Steinriegel bei Ratten, droht an einem UVP-Sachverständigen des Landes zu scheitern. Und nicht nur das: Folgt man der Argumentation des Beamten, wären auch die meisten anderen steirischen Windkraftprojekte aufgrund des Landschaftsschutzes massiv infrage zu stellen.

Landschaftsschutz

Noch vor einem Jahr war die Stimmung eine ganz andere. Die Bundesregierung machte über das Ökostromgesetz 80 Millionen Euro für den raschen Ausbau der Windkraft locker, zuvor hatte die Landesregierung ihre "Energiestrategie 2025" abgesegnet, die eine Verdoppelung der Windkraftleistung im Land vorsieht.

Für viele Projektplaner gibt es nun aber ein bitteres Erwachen. Aufgrund lokaler Widerstände musste die Energie Steiermark bereits drei ihrer geplanten vier Windpark-Standorte aufgeben (wir berichteten). Nun wackelt mit dem Ausbau des Windparks Ratten auch das größte Windstromprojekt der Steiermark. "Dabei sind sowohl die Anrainer als auch die Gemeinderäte in Ratten und Langenwang geschlossen für den Ausbau", sagt Janker.

Zu den bestehenden zehn Windrädern sollen elf hinzukommen, die dann insgesamt (je nach Berechnung) 20.000 bis 38.000 Haushalte mit Strom versorgen könnten. Die Größe des Parks macht eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nötig - zum ersten Mal bei einem steirischen Windkraftprojekt. Jetzt droht es zu einem Präzedensfall für alle weiteren Projekte zu werden.

Der für den Landschaftsschutz zuständige UVP-Gutachter des Landes Johann Kolb (Fachabteilung 17 A) lässt an dem Vorhaben nämlich kein gutes Haar. In seiner schriftlichen Stellungnahme, die der Kleinen Zeitung vorliegt, erwartet der Sachverständige durch das Projekt "unvertretbare nachteilige Auswirkungen". Die in den Einreichunterlagen angeführte Akzeptanz der Windräder durch die Anrainer sei nur eine "gewagte Hypothese", die "bestenfalls als gravierende Abstumpfung menschlicher Sensibilität" zu werten sei. In Wahrheit sei ein solcher Windpark "schlicht eine unpassend wirkende, landschaftlich unakzeptable Konzentration von Windrädern", stellt der Sachverständige fest.

Dass das Land 2004 den bestehenden Windpark dennoch genehmigt hat, kanzelt der Gutachter als "gravierende Fehleinschätzung" ab. Die Maßstäblichkeit derartiger Anlagen sei nämlich "mit der hoch sensiblen alpinen Landschaft nicht kompatibel".

Übersetzt heißt das nichts anderes, als dass Windparks im steirischen Alpenraum nichts verloren haben, weil sie der Landschaft nicht schmeicheln. Jankers Rechtsvertreter Georg Eisenberger ist fassungslos. "Das ist eine subjektive Brandschrift. Wenn der Sachverständige bei allen Windkraftprojekten mitredet, wird im Land kein Windpark mehr gebaut."

Eine Entscheidung der Behörde soll spätestens im Sommer erfolgen.

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