20. Dezember 2014, 14:12 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 02.05.2012 um 05:46 UhrKommentare

Zwischen Sympathie und Misstrauen

In der laufenden "Woche der Landwirtschaft" wirbt diese wieder um die Öffentlichkeit. Diese Beziehung bleibt aber eine eher komplizierte.

Foto © AP

Der Frühling ist da und die Bauern fangen wieder an zu jammern. So oder so ähnlich ist die Stimmung im nicht bäuerlichen Teil der Gesellschaft. Es scheint ja wahr zu sein: Zuerst gab es die Klagen wegen der Trockenheit. Dann wiesen die Obstbauern auf die Folgen des Frosts zu Ostern hin und jetzt zittern sie wegen des extrem warmen Wetters. Denen kann man es offenbar nicht recht machen.

Gefahr in Wald und Feld

Wer in der Landwirtschaft arbeitet, ist einem sehr großen Unfallrisiko ausgesetzt. Allein heuer gab es in Österreich schon mehr als zehn Tote. Am gefährlichsten ist die Waldarbeit, wo jährlich im Schnitt 15 bis 30 Menschen tödlich verunglücken. Auch Unfälle mit Traktoren sind oft schwer.

Das Bild der Öffentlichkeit von der Landwirtschaft ist durchaus von Sympathie geprägt, beweisen Umfragen. Doch es scheint weitgehend ohne Wissen und Fakten auszukommen. Wem sei denn bewusst, dass die Branche von der Natur abhängig ist, wie sonst kein Bereich, fragt Gerhard Wlodkowski, der Präsident der Bauernkammer. Beim zu spät ausgebrochenen Frost trugen die Obstkulturen beträchtliche Schäden davon, die nicht mehr zu korrigieren sind. Und die jetzige außergewöhnliche Hitze begünstigt den schlimmsten Feind überhaupt, den Erreger der gefährlichen Obstbaumseuche Feuerbrand.

Unsichere Konsumenten

Berichte über Gentechnik oder Keime in Lebensmitteln verunsichern die Allgemeinheit sehr stark, und zwar und abhängig davon, ob die behaupteten Gefährdungen konkret sind oder nicht. Die EHEC-Krise um Gemüse 2011 brachte unsere Bauern starke Einbußen, obwohl deren Gemüse immer sauber war.

Es wird nicht lange dauern, bis bestimmte Interessengruppen die Landwirte wegen eines umstrittenen Spritzmittels gegen den Feuerbrand wieder an den Pranger stellen. Und es wird allgemeines Kopfnicken geben, dass das doch wirklich arg von den Bauern sei. Wer so argumentiert, ist in der Regel in der bequemen Position des Außenstehenden. Die Lage der Obstbauern ist weniger bequem. Was immer sie wegen des Freuerbrands tun, bei ihrer Entscheidung geht es um nicht weniger als die Existenz.

Starke regionale Marken

Marken von Agrarprodukten sind auf dem Vormarsch, weil sie den Konsumenten offenbar Sicherheit vermitteln. Zuletzt haben Bauern und Züchter des oberen Murtales das Fleisch der bedrohten Rinderrasse Murbodner zu einer modernen Marke gemacht.

Natürlich hat jeder das Recht, die Bauern und ihre Methoden zu hinterfragen. Und natürlich müssen die Landwirte auf die Stimmen aus der Allgemeinheit eingehen. Es geht doch immerhin - auch - um das tägliche Brot, und da ist Kritik auf der einen Seite statthaft und Kritikfähigkeit auf der anderen angebracht. Die Landwirte müssen sich bewusst sein, dass heute alles, was sie tun, auf dem Prüfstand der Öffentlichkeit steht. Ob es ihnen passt oder nicht.

Wie die Naturbedingungen beim Wachstum waren, ist nicht das Hauptinteresse des Konsumenten, wenn er Radieschen kauft. Sie sollen da sein, wenn er sie will, und sie sollen schön und gut und möglichst nicht teuer sein. Und immer öfter geht es auch um Kriterien, die nicht rational und sachlich sind. Etwa bei der Debatte über Spuren von Gentechnik in Tierfutter. Die sind zwar in der Milch und im Fleisch gar nicht vorhanden, werden aber von gewissen Seiten dennoch leidenschaftlich zum Thema gemacht.

Damit der Konsument die erwartete Qualität auf dem Teller vorfindet, sind auf dem Acker und im Stall, beim Transport und bei der Lagerung, bei der Verarbeitung und bei der Verpackung und beim Vertrieb viele Schritte und entsprechende Kontrollen erforderlich. Das alles muss zum Besten des Bürgers, seines Wohlbefindens und seiner Gesundheit geschehen. Darüber und zum Abbau etwaigen Misstrauens wolle man, so Wlodkowski, in der "Woche der Landwirtschaft" mit Lust und Realitätssinn reden.

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Rückrufe von Lebensmitteln

  • Offenbar stark verbesserte Prüfmethoden der staatlichen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) bewirken immer häufiger, dass Produkte wegen Gesundheitsgefährdung aus den Regalen der betroffenen Handelsbetriebe entfernt werden müssen. Im letzten halben Jahr betraf das beispielsweise Sirup wegen unerwünschter Keime, ausländische Schinken-Tapas wegen Listerien, bestimmten Babybrei, scharfe Würzsoßen wegen bedenklicher Inhaltsstoffe und sogar Wodka wegen des Mentholgehalts.

Zum Thema

Der Ruf der Bauern

  • Eine Umfrage zeigte 2010, dass die Bauern in der Allgemeinheit überraschend viel Ansehen haben. Laut Karmasin-Motivforschung stehen 50 Prozent der Österreicher den Landwirten sehr positiv gegenüber, weitere 33 Prozent positiv. So gute Sympathiewerte haben nur noch Ärzte und Apotheker.

Das Geld der Bauern

  • Laut Grünem Bericht betrug der Umsatz eines Bauernbetriebes 2010 im Schnitt rund 80.000 Euro. Davon waren 17.500 Euro oder 21 Prozent Zahlungen von EU, Bund und Ländern. Diese Direktzahlungen pro Betrieb sind fast so hoch wie das persönliche Einkommen jedes Menschen aus der landwirtschaftlichen Tätigkeit.

Landwirtschaft in Zahlen

  • In der Steiermark gibt es knapp 40.000 Agrarbetriebe mit zusammen 450.000 Hektar Fläche und einer Million Hektar Wald. Die Statistik zählt 330.000 Rinder und 840.000 Schweine. Vom gesamten Produktionswert (1,2 Milliarden Euro) entfällt rund die Hälfte auf tierische Produkte, darunter neben Vieh und Fleisch auch Milch und Eier.

Offener Dialog

  • Zahlreiche bäuerliche Initiativen prägen die laufende Woche der Landwirtschaft. In der Hauptschule Krieglach gibt es morgen Informationen über heimische Lebensmittel (9 Uhr). In Großklein (Bezirk Leibnitz) präsentieren Bäuerinnen am 4. Mai selber Produziertes (12 Uhr). In der Fachschule St. Martin (Bezirk Hartberg) kann man am Samstag mit Landwirten frühstücken und diskutieren (8.30 Uhr).

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