18. Dezember 2014, 09:46 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 21.01.2012 um 20:18 UhrKommentare

Reif für die Insel

Leibnitzer Jugendliche als Objekte internationaler Forschung auf der Insel Anholt. Jetzt erscheint das Buch zum einzigartigen Abenteuer.

Foto © Privat

Eine dänische Insel mit etwa 120 Bewohnern. Ein Supermarkt, eine Eisdiele, eine Kirche und 28 Jugendliche aus sieben Ländern, die für ein Experiment darauf "ausgesetzt" werden. Wenn das nicht nach Abenteuer klingt. Das dachten sich auch Christian Müller aus Maria Lankowitz, Matthias Fekonja und Lisa Fizko aus Leibnitz sowie Steffi Steiner aus Tirol und nahmen die Herausforderung des EU-Projekts "Jugend in Aktion" an, das vom Voitsberger Arthur Longin mit konzipiert wurde. Erstmals arbeiteten für dieses Projekt Sozialarbeiter und Wissenschafter gemeinsam an der Frage, ob informelles Lernen (Lernen ohne Anleitung) möglich und messbar sei. Dafür wurden die Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren im August 2011 zehn Tage lang auf der Insel Anholt sich selbst überlassen. Die Erwachsenen (je ein Sozialarbeiter und ein Wissenschafter) dienten als Beobachter und traten nur für die tägliche abendliche Befragung bewusst in Erscheinung.

Christian erinnert sich: "Nach zwei Kennenlerntagen auf einem Boot gingen wir auf der Insel an Land. Wir bekamen Fahrräder und eine Karte und mussten den Zeltplatz finden." Das war der einzige Programmpunkt des Projekts. Danach wurden die Jugendlichen mit Geld ausgestattet, mussten sich selbst um ihr Essen und um ihren Tagesablauf kümmern. "Anfangs war es schwierig", sagt Matthias. "Vor allem mit der Sprache. Mein Englisch ist nämlich nicht so gut, ich musste mich mit Händen und Füßen verständigen."

Und ohne Handy oder Computer. Alle elektronischen Geräte wurden abgenommen, um die Kommunikation untereinander zu forcieren. Die Jugendlichen fanden schnell zueinander. "Bald hatten wir so etwas wie einen fixen Tagesablauf", so Christian. "Morgens einkaufen, dann ein Sport, kochen, abwaschen, danach das Mittagsschlaferl." Er und Christian arbeiteten freiwillig im Kindergarten der Insel mit.

Täglich etwas Neues

Was so einfach klingt, ist es aber nicht. Forschungen haben nämlich ergeben, dass vor allem Erwachsene ohne Anstoß von außen nur schwer fähig sind, etwas (im informellen Sinn) zu lernen. Die Forschung auf Anholt zeigte jedoch, dass 62 Prozent der Jugendlichen täglich etwas Neues lernten. Aus eigenem Antrieb. Für Christian war das vor allem: "Sich besser organisieren. Und zu erkennen, wie man miteinander sprechen muss, um etwas zu erreichen." Denn ganz ohne Konflikte können 28 Personen dann doch nicht zehn Tage lang miteinander leben.

Und leider auch nicht ohne Unfälle. Am vorletzten Tag verletzte sich Christian beim Fußballspiel gegen die Bewohner der Insel und musste mit dem Militärhubschrauber zum Festland geflogen werden. Sein ganz persönliches dänisches Abenteuer.

Die Forschungsergebnisse und der Film über dieses einzigartige Projekt sind übrigens unter www.learning-competence.eu im Internet erhältlich. Dort wird in Kürze auch das Buch zum Projekt angeboten.

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