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Zuletzt aktualisiert: 28.04.2012 um 05:48 UhrKommentare

Südoststeirer sind sich einig - im Widerstand

Der Vulkanier-Kelch ist an den Südoststeirern vorübergegangen - doch ausgestanden ist die Diskussion noch nicht. Wer mit wem und unter welchem Kürzel? Das ist die Frage.

Foto © Scheriau | Sujet

Gerald Gollowitsch (32) aus Gniebing, seines Zeichens Rauchfangkehrer und damit wohl Glücksbringer, ist die Diskussion um Vulkanland, Südoststeiermark & Co. zwar "nicht wurscht", aber eigentlich hält er sie für sinnlos: "Wieso kann es nicht so bleiben? Es war immer so und einsparen könnte man auch anderswo: Weniger Beamte wären eine Möglichkeit." Und über zwei neue Buchstaben für sein Motorradkennzeichen will er sich erst gar keine Gedanken machen. Die Maschin', die er gerade in Kirchberg an der Raab abgestellt hat, ist erst eine Woche alt - da braucht's weder ein SO und schon gar kein VU. "Ich würd' gern FB behalten, ehrlich."

Viel Glück werden er und viele andere mit diesem Wunsch wohl nicht haben. Derzeit, erläutert Landesamtsdirektor Helmut Hirt, werden Vorschläge von den jeweiligen Projektteams in Absprache mit der Verkehrsabteilung des Landes erarbeitet. Was dabei herauskommen könnte? Nein, Hirt will da "keine Spekulationen eröffnen". Dass BM naheliegt, aber erst mit dem Verkehrsministerium abgeklärt werden müsste, ist ohnehin nicht neu. Dass über SO für die Südoststeiermark schon öffentlich geredet wird, lässt sich auch nicht leugnen. Aber grundsätzlich bittet er um Geduld: "Ich würde meinen und hoffen, dass wir bis spätestens 15. Mai die Vorschläge auf dem Tisch haben."

Organisierter Protest: "Da geht schon noch was"

Der erfolgreiche Aufstand gegen die "Vulkanisierung" war der erste Streich. Nun soll der zweite folgen. "Beim Namen Vulkanland hat man gesehen, dass noch was geht. Diese Chance wollen wir nutzen", ist Waltraud Sudy zuversichtlich.

Die ÖVP-Vizebürgermeisterin der Protesthochburg Mureck ist seit Donnerstagabend Sprecherin eines überparteilichen Personenkomitees. Dessen Name "Nein zur Zwangsfusion" ist auch Programm. "Wir sind nicht gegen Reformen, aber gegen das Drüberfahren", lässt Sudy den Reformpartnern im Land ausrichten. Spätestens bis 15. Mai soll auch eine Petition mit möglichst vielen Unterschriften folgen und in einer Volksbefragung gipfeln. "Wenn dabei rauskommt, dass ein Teil der Gemeinden nach Feldbach, ein anderer aber lieber zu Leibnitz möchte, muss man das akzeptieren", meint Sudy. Falls daraus nichts wird, müsse zumindest Bad Radkersburg die Hauptstadt des neuen Bezirks Südoststeiermark werden. Von einer BH-Außenstelle hält Sudy wenig: "Die wird dann wohl nach und nach ausgedünnt."

Von offizieller Seite will man sich dazu freilich noch nicht äußern. Hinter den Kulissen schnapsen sich die beiden Bezirkshauptleute Wilhelm Plauder (Feldbach) und Alexander Majcan (Radkersburg) aber längst die Details der Zusammenlegung aus. "Am 4. Mai müssen wir unser Konzept in Graz vorlegen", lassen sich die beiden nicht in die Karten blicken.

Manfred Schmücker pressiert's eh nicht. "Mir ist es Blunzn", meint der 30-jährige Kellner aus Straden - ob da bei der derzeit am heißesten umstrittenen Zusammenlegung von Feldbach und Radkersburg ein Vulkanland oder eine Südoststeiermark rauskommt, lässt ihn und Sabrina Lorenzer (22) aus Feldbach ziemlich kalt. Wobei: Dass da enger zusammengearbeitet wird, "das ist vom Grundgedanken ja nicht schlecht". Aber braucht's deshalb gleich neue Nummerntafeln?

Für Irma Niederl (66) aus Unterauersbach jedenfalls nicht. Wer einen 21 Jahre alten "Oldtimer" fährt, will auch kein neues Kennzeichen mehr.

Auch Claudia Jandrisits (44) aus Feldbach nicht. Ihre Befürchtung: "Zahlen müssen es wir und das kostet sicher wieder einen Haufen Geld." Ihr Favorit ist deshalb klar: FB. Und falls es doch SO wird? "Es wird lange dauern, bis man sich daran gewöhnt."

Bezirksgrenze

Immerhin - ein Punkt, in dem man sich dies- und jenseits der Bezirksgrenzen einig ist. Josef Schöttl, 48 Jahre alt und Büroangestellter aus Bad Radkersburg, fährt mit RA - und ist zumindest froh, kein Vulkanländer zu werden.

"Nervig" findet auch ein junges Trio in Bad Radkersburg die Diskussion. Und macht sich keine Illusionen: "Sie machen eh, was sie wollen", sind sich Sonja Pock (20), Denise Mayr (19) und Romana Ruhdorfer (19), alle aus der Bezirksstadt und von Beruf angehende Krankenschwester, Rezeptionistin sowie Angestellte, einig. Einsparen sei zwar nicht schlecht - aber: Hat sich schon einmal einer angeschaut, wie das überhaupt mit den Verkehrsverbindungen von Radkersburg nach Feldbach ausschaut? Wenn man dann Behördenwege, aber keine Öffis hat? "Da geht gar nichts rauf." Und was den Namen anlangt: Vulkanland? "Jeder andere Bezirk heißt normal, nur wir würden irgendwie heißen." Südoststeiermark? "Hallo, hast dann SOS auf der Nummerntafel stehen?" Das RA lassen! "Das kommt billiger und stört nicht."

Maximilian Pürstner ist 70. Und ein "Zuagroaster", wie er bekennt. Heute lebt er in Sicheldorf und sein Wunschkennzeichen beginnt mit RA. Wenn diskutiert wird, stört ihn das ja nicht - aber Vulkanland? Hat er bisher nur mit Schinken verbunden. Südoststeiermark? Warum nicht. Wobei - für die Nummerntafeln hätte er eine andere konstruktive Idee: Da waren doch einmal ST-Taferln. Sie erinnern sich?

Letzte Station: Mureck. Feldbach ist dort gleich gar kein Thema - "das ist so und so alles Blödsinn", Leibnitz ist gefragt. Da sind Gottfried Lenhart (39) aus Eichfeld und Anneliese Pölzl (54) aus Weixelbaum, die Tisch an Tisch im Gastgarten sitzen, einer Meinung. Aber bei der Nummerntafel hört sich alles auf - da braucht keiner neue Buchstaben: "Wir sind Radkersburger und bleiben es. Was brauch' ich ein SO - und warum soll i a LB oben haben?"

Bis zum 15. Mai werden's die Projektteams aber wohl hoffentlich erklären können.

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