Zuletzt aktualisiert: 01.11.2015 um 05:55 UhrKommentareVorau

Von tapferen Kerzen und traurigen Glöckchen

Rund um Allerheiligen leuchten die Friedhöfe im Gedenken an die Verstorbenen im Kerzenlicht. Dabei rücken auch seltene Friedhofskirchen, wie die Kreuzkirche in Vorau, in den Mittelpunkt. Von Daniela Buchegger

Die Szene am Hochaltar der Kreuzkirche zeigt die Gründungslegende mit dem Jagdhund, die Marktkirche mit Stiege, das Rathaus und das Stift Vorau Foto © Buchegger

Die strahlende Sonne am blauen Himmel stahl den Kerzen gnadenlos die Schau. Die einsamen, brennenden Grablichter am Friedhof rund um die Kreuzkirche in Vorau hatten keine Chance gegen das gleißende Licht, auch wenn ihre Flammen tapfer flackernd dagegen ankämpften. Sie waren noch zu wenige – eine Woche vor dem katholischen Feiertag Allerheiligen waren erst wenige Gräber am Kreuzfriedhof geschmückt.

Heute ist das anders: Flankiert von Blumengestecken in Herbsttönen und traurig dreinblickenden Engeln haben die Kerzen zu Allerheiligen und Allerseelen ihren großen Auftritt. An diesen Tagen wird der Verstorbenen gedacht. Viele verbinden damit das Entzünden von Kerzen, Schmücken von Gräbern, den Besuch von Friedhöfen. Diese umschließen auch oft Kapellen, Aufbahrungshallen und große Kreuze, eher selten sogenannte Friedhofskirchen.

Friedhofskirchen

Eine Friedhofskirche ist eine Kirche, die ausschließlich am Friedhof steht und keine Pfarrkirche ist, erklärt Heimo Kaindl, Diözesankonservator und Direktor des
Diözesanmuseums.

Früher umgaben Friedhöfe meist die Pfarrkirchen. Erst durch den Beschluss von Kaiser Josef II. im 18. Jahrhundert mussten Friedhöfe außerhalb der Stadt liegen.

Einige Friedhöfe wurden daraufhin um bestehende Filialkirchen gebaut. So entstanden die Friedhofskirchen, die aber eher selten sind, auch in der Region.

Mit der Johanneskirche und der Kreuzkirche befinden sich zwei Friedshofskirchen in der Pfarre Vorau. Die meisten Friedhöfe haben aber lediglich Aufbahrungshallen, Kapellen oder ein großes Kreuz.

Mit der Johanneskirche auf dem Stiftsfriedhof und der Kreuzkirche auf dem Kreuzfriedhof stehen zwei dieser besonderen Friedhofskirchen in der Pfarre Vorau. Heute am Nachmittag sind beide Ziel von Prozessionen und ihre Friedhöfe Schauplatz des Totengedenkens.

Dabei ist die Vorauer Bevölkerung übrigens zweigeteilt: Jene Vorauer, die in Fließrichtung des Vorau-Baches mitten in der Marktgemeinde auf der linken Seite wohnen, gehen zum Kreuzfriedhof, jene, die rechts davon wohnen, zum Stiftsfriedhof. Nach dieser "Regel" sollen sie später auch begraben werden.

Gründungslegende mit Jagdhund

Aufmerksamkeit haben die beiden Friedhofskirchen aber nicht nur rund um Allerheiligen verdient. Vor allem die Kreuzkirche mit ihrer heuer genau 570 Jahre langen Geschichte beeindruckt mit unglaublichen Legenden und unfassbaren Zahlen.

So strömten etwa im Jahr 1490 innerhalb von sieben Monaten mehr als 150.000 Pilger zur Gewinnung des Jubiläumsablasses zur Kreuzkirche nach Vorau, erzählt Manfred Glößl, Portier im Stift Vorau und Kirchenführer.

Fast überschwänglich beschreibt er den handgeschnitzten Hochaltar aus Holz in der Kreuzkirche, der in der rechten der drei großen Reliefszenen das Stift, die Marktkirche mit der Stiege, das Rathaus von Vorau und die Ursprungslegende der Kreuzkirche mit einem Abbild eines Hundes zeigt. Demnach soll der Jagdhund des stiftischen Hofmeisters im Jahr 1414 am Standort der Kirche ein vergoldetes Kreuz, in dem sich eine Partikel des Kreuzes Christi befand, ausgegraben haben.

Beinahe wehmütig wird Glößl, als er von den vergangenen Glanztagen der Kreuzkirche erzählt, als sie zum alljährlichen Erntedankfest hunderte Bauern, Knechte und Mägde anzog. Grund dafür waren der Isidor- und der Notburga-Altar in den Seitenarmen der Kirche – beides Bauernheilige.

Heute sind es zumeist traurige Anlässe, die die Menschen in die Kirche kommen lassen. "Sehr viele Requien finden in der Kreuzkirche statt. Wer an diese Kirche denkt, denkt automatisch an den Friedhof", sagt Glößl.

Traurige Stimmung durch Glöckchen

Die schwermütige Umgebung mit vereinzelt von Gras überwucherten Gräbern und kargen Einschusslöchern vom Krieg in den Kapellen entlang der Friedhofsmauer scheinen auch auf die Glocke der Kreuzkirche abgefärbt zu haben. Wenn der Menschenzug an diesem Nachmittag von der Marktkirche Richtung Friedhof schreitet, wird er von einem melancholischen Klang in Empfang genommen. "Das ist ein richtiges Sterbeglöckchen in der Kreuzkirche. Es vermittelt eine traurige Stimmung", sagt Glößl.

Nicht oft darf es zu freudigen Anlässen läuten: Hochzeiten und Taufen finden in der Kreuzkirche nicht statt, dafür gibt es jedoch regelmäßig Abendmessen, Feierlichkeiten und Prozessionen an bestimmten Tagen. So wie heute zu Allerheiligen, wenn hunderte brennende Kerzen den Friedhof in ein Lichtermeer verwandeln – und damit vielleicht sogar der Sonne die Schau stehlen.

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