26. November 2014, 18:36 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 31.12.2012 um 06:57 UhrKommentare

Steirer tot: Polizei ermittelt

30 Minuten lang war am Samstag ein 38-jähriger Obersteirer in Tirol unter einer Lawine begraben. Am Sonntagnachmittag ist er gestorben. Unfassbar: Ein unbeteiligter Tourengeher hatte seine Hilfe verweigert.

Foto © APA

Der Kampf der Ärzte war vergeblich: Martin M. (38) aus Zeltweg ist am Sonntag auf der Intensivstation der Innsbrucker Universitätsklinik verstorben. 30 Minuten lang war er Samstag im Sellrain bei Innsbruck unter einer Lawine begraben. Sein Begleiter, ein 49-jähriger Innsbrucker, war ebenfalls verschüttet und liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Ziel der beiden Tourengeher war der rund 3000 Meter hohe Zischgeles im Sellrain (Innsbruck-Land). Kurz nach 14 Uhr kam es Samstag zu dem folgenschweren Unglück. Am Gipfelhang löste sich plötzlich ein 100 Meter langes und 100 Meter breites Schneebrett und riss den Obersteirer und seinen Begleiter mit. Beide Tourengeher wurden verschüttet.

Zum selben Zeitpunkt war in dem Gebiet auch noch eine dreiköpfige Gruppe unterwegs. Ein 46-jähriger Deutscher und seine 16-jährige Tochter wurden von der Lawine ebenfalls erfasst. Sie waren aber mit Rucksackairbags ausgerüstet und konnten sich damit über den Schneemassen halten. Ihr Tiroler Begleiter konnte sich mit einer Schussfahrt retten.

Reanimation

Den unverletzt gebliebenen Tourengehern gelang es, die beiden Verschütteten zu orten. Während der schwer verletzte Innsbrucker verhältnismäßig rasch geborgen werden konnte, war der Steirer 30 Minuten in den Schneemassen begraben. Die Helfer konnten aber den Kopf des Steirer freilegen und führten bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaften Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Im lebensgefährlichen Zustand wurde er schließlich von der Bergrettung Gries im Sellrain ausgegraben und mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik nach Innsbruck geflogen. Sonntagnachmittag erlag Martin M. den schweren Verletzungen.

Unfassbar

Entsetzen herrscht über das Verhalten eines Tourengehers, der nach dem Lawinenabgang an der Unglücksstelle vorbeigekommen war. Der Mann befand sich auf der Abfahrt, als ihn einer der Betroffenen bat, bei der Rettungsaktion mitzuhelfen. Das interessiere ihn nicht, soll er geantwortet haben. Er fuhr weiter.

"Unfassbar", sagt Patrick Nairz vom Tiroler Lawinenwarndienst. Das sei nicht nur unterlassene Hilfeleistung, sondern auch unmoralisch und höchst bedenklich. Nun sucht die Alpinpolizei nach dem Tourengeher. Ihm droht, falls er gefunden wird, ein Strafverfahren.

Bis zu einem Jahr Gefängnis

Der Tourengeher, der seine Hilfe verweigert hatte, hat sich laut Paragraf 95 Strafgesetzbuch - Unterlassung der Hilfeleistung - schuldig gemacht. Dem Beschuldigten droht eine Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen oder bis zu sechs Monaten Freiheitsstrafe. Stirbt der Betroffene, weil ihm nicht geholfen wurde, droht sogar ein Jahr Gefängnis.

Unterlassung der Hilfeleistung liege dann vor, wenn jemand bei einem Unglücksfall oder einer Gemeingefahr seine Hilfe verweigert hat, erklärt Hansjörg Bacher, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Graz. Straffrei sei Unterlassung der Hilfeleistung nur dann, wenn es dem Täter nicht zu zumuten war zu helfen. Das sei dann der Fall, so Bacher, wenn durch die Hilfeleistung das eigene Leben in Gefahr gewesen wäre. Das eigene Leben muss man nicht in Gefahr bringen.

Ursprünglich hatte es geheißen, dass noch ein zweiter Tourengeher seine Hilfe verweigert habe. Das dementiert Nairz: Dieser Mann habe Hilfe geleistet.

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