19. Dezember 2014, 04:23 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 28.06.2012 um 20:30 UhrKommentare

Faszination Rolltreppe

Vom "Dschungelcamp" nach Knittelfeld. Baldwin (11) aus Costa Rica macht erstmals Ferien in Österreich.

Von Kulturschock keine Spur: Man könnte meinen, Baldwin Meza Lopes lebt schon seit Jahren in Österreich. Mit Sonnenbrille, Kapperl und freundlichem "Hallo" würde niemand auf die Idee kommen, dass der Elfjährige in einem kleinen Dorf im Regenwald lebt. "Ich fahre jedes Jahr nach Costa Rica und kenne den Jungen schon seit zehn Jahren", so Wirt Christian Eberl aus Knittelfeld. Bei einem seiner Dia-Vorträge wurde Baldwin vorgestellt, alle waren sofort begeistert. Die Idee, den Bub für drei Wochen mit nach Österreich zu nehmen, fand sofort Anklang.

Das Geld für den teuren Flug konnte durch Spenden, Trinkgeld und Dart gesammelt werden. Auch mit Behörden musste verhandelt werden, da der junge Baldwin ohne Flugbegleiter nicht fliegen durfte. Nach ganztägiger Reise landete Baldwin in Österreich, wo ein Empfangskomitee von 35 Leuten auf ihn wartete.

Doch begeisterter zeigte er sich von Parkhäusern, Rolltreppen und Lift, wobei die wahren Attraktionen erst auf ihn warten: vom Wiener Prater und Tierpark Schönbrunn bis über Schwimmen im Wörthersee will Eberl ihm alles zeigen, was Österreich zu bieten hat. "Es sollen seine schönsten Ferien werden."

In Costa Rica bedeuten Ferien Arbeit. Denn in den Monaten Dezember bis Jänner beginnt die Kaffeeernte und die Kinder werden als Arbeitskräfte gebraucht. Vier Stunden sind es von Baldwins Dorf bis zum nächsten Krankenhaus. Eine Stunde benötigt die Feuerwehr, um in einem Brandfall zu Hilfe zu kommen.

Dass man nicht jagt, sondern einfach in den nächsten Supermarkt geht, um Essen zu besorgen, ist für Baldwin neu. Ebenso wie fließendes, reines Wasser oder "friedliche" Tiere im Wald. In seiner Heimat ist es üblich, dass Wasser nicht selbstverständlich ist und man im Dschungel auf Schlangen und dergleichen aufpassen muss - in Costa Rica zählt man über 1000 Todesfälle im Jahr wegen Giftschlangen. "Ich muss ihm auch immer erklären, dass man draußen nicht einfach so Feuer machen kann", schmunzelt Eberl, der mit Baldwin Spanisch spricht.

Kamera

Christian Eberl und Begleiterin Martina Hübler haben Baldwin einen Laptop sowie eine Kamera gekauft. Damit er in der Schule seinen Mitschülern seine "Weltreise" in Wort und Bild zeigen kann. Am 13. Juli, dem Geburtstag seiner Mutter, tritt der Bub seine Heimreise an. Seinen eigenen Geburtstag am 10. Juli feiert er noch in Österreich.

Baldwin möchte Schauspieler werden. "Er hat wahnsinniges Talent!", so Hübler. Wir haben also vielleicht nicht das letzte Mal von ihm gehört.

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