23. November 2014, 02:10 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 11.05.2012 um 10:56 UhrKommentare

Der Ort, für den der Dampf zur Frühlingsbrise wurde

115 Millionen Euro für die Lebensader Pöls. Das flutscht durch jahrelang zwischen Sein und Nichtsein vibrierende Seelen. Von bester Stimmung und einem Café mit passendem Namen.

Foto © Oberrainer

In majestätischer Selbstbewusstheit qualmt der Dampf gen Himmel, Ton in Ton spielt er mit dem Wolkengemälde, welches gestern immer wieder dustere Bälle über die Fabrik schickte. Dunkelgraues Pöls? Mitnichten, die Stimmung ist sonnig wie das Gelb der Hahnenfußgewächse in der Wiese. 115 Millionen Euro für die Lebensader einer ganzen Region, eine neue Papiermaschine, die die Jahreskapazität der Zellstoff Pöls AG von derzeit 14.000 auf 80.000 Tonnen katapultiert, 30 direkte neue Arbeitsplätze schafft.

Das flutscht durch jahrelang zwischen Sein oder Nichtsein vibrierende Seelen wie die Crèmeschnitte in der Vitrine des Café "Living" am Hauptplatz. Vater und Sohn Jannach vom Sägewerk in Thalheim genehmigen sich dort einen mittäglichen Koffeinkick. "Vor ein paar Jahren war von Zusperren die Rede, aber durch diese HighTech-Investition ist der Standort abgesichert", freut sie diese unerwartete Nachricht, die sie gestern der Kleinen Zeitung entnahmen. Die Mitarbeiter der Heinzel-Group-Tochter wissen es seit Mittwoch, als "entsprechend gut" beschreibt Arbeiterbetriebsratschef Johann Kaiser die Stimmung, "vor allem bei den Kollegen bei der Papiermaschine".

Die hat ausgedient, die Belegschaft wird neu geschult. Der fast fünfeinhalb Meter breite Koloss fährt 1000 Meter pro Minute, da halten die Wolken draußen nicht mit. Die hörbar gute Laune des "hocherfreuten" Johann Kaiser bekommt zudem Brennstoff von der Arbeiterbetriebsratswahl vor einer Woche - plus 93,5 Prozent darf er auch als Bestätigung des Nicht-locker-Lassens werten: "Endlich ist es gelungen, das ist nach der im Vorjahr in Betrieb genommenen Turbine ein weiterer Schritt in Richtung gesicherter Standort." Kaiser weiß, mit diesem Produkt bewegen sich die Pölser Spezialisten für Langfaser-Zellstoff und Kraftpapier in Europas Vorderfeld.

Europa schön und gut, die Jannachs denken als Restholz-Zulieferer an die Bedeutung für die heimische Forstwirtschaft und Sägeindustrie: "Es wird unterschätzt, wie wichtig Pöls für die Region ist", betont Helmut Jannach. Die ganze Steiermark sei Profiteur des Deals, welcher laut den beiden auch Geschäftsführer Kurt Maier und Bürgermeister Ernst Korp zu verdanken ist. "Da liefen im Hintergrund sehr viele Gespräche."

Natürlich, was gibt es Angenehmeres für einen Bürgermeister, als den Aufwärtstrend zu kommentieren. Einen "Quantensprung" nennt es Ernst Korp, eine "großartige Angelegenheit, weil Pöls seit Jahrzehnten verbissen um den Erhalt gekämpft hat." Die verbissene Fehde politischer Natur zwischen ihm und Parteifreund Kaiser kratzt nicht am Erfolg der Zellstoff AG. "Groß und stark" sieht Korp die Zukunft der Marktgemeinde.

Das Café "Living" verdient seinen Namen an einem Tag wie diesem. Alexandra Knausz räumt die Tassen ab. Ihr Mann arbeitet - wer nicht hier? - in der Fabrik. Lkw um Lkw rollt auf sie zu. Die Wolken sind noch immer dunkelgrau, der Dampf unter ihnen aber wird nun auf viele wirken wie ein erfrischender Frühlingswind.

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