28. Dezember 2014, 07:41 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 28.03.2012 um 10:56 UhrKommentare

Gewerkschaftliche Front gegen "den Sonntag"

SPÖ-Bundesrat Christian Füller und Vertreter der Arbeitnehmer ließen gestern in Judenburg keinen Zweifel: Der geplante Vorstoß der Arena Fohnsdorf hat keinen festen Boden.

Foto © Oberrainer

Und, haben Sie, meine Herren, schon sonntags eingekauft? Aber nicht doch, wäre erstens gewerkschaftlich ein böser Fauxpas, zweitens sind diese vier Männer froh, konsumtechnisch bis spätestens Samstag Mittag Ruhe zu haben. Ruhe, zu der sie auch Geschäftsleuten und Bediensteten der Arena Fohnsdorf im Bedarfsfall protestierend verhelfen würden: Bundesrat Christian Füller, Christian Walter von der Gewerkschaft der Privatangestellten, Arbeiterkammervizepräsident Erwin Stöller und ÖGB Regionalvorsitzender Siegfried Simbürger stiegen gestern in Judenburg auf die Barrikaden. Gegen den früher als beabsichtigt ans Licht geflutschten Plan, alle 90 Arena-Geschäfte am Sonntag, 2. September, zu öffnen.

Christian Füller hatte sich beinahe am Frühstückskipferl verschluckt, als er in der Kleinen Zeitung davon las. Politisches und gewerkschaftliches Veto bedurfte also nicht der mittlerweile deutlich spürbaren ablehnenden Haltung vieler Bürger. "Ich bin überzeugt, dabei würde es sich nur um eine Verlagerung der Kaufkraft handeln", betont Füller. Die Menschen können nicht mehr ausgeben, als sie haben. Füller geht es zudem um die in erster Linie betroffenen weiblichen Arbeitskräfte.

Dahinter stecken schließlich Familien: "Wir sehen überhaupt nicht ein, die ohnehin schon sehr flexiblen Arbeitszeiten auszudehnen, es ist während der Woche genügend Zeit", so die Gewerkschafter Walter und Simbürger. Überhaupt erwartet man sich mehr Solidarität unter den Unternehmern. Erwin Stöller als "leidgeprüfter Kollektivvertragsverhandler": "Da wird um jeden Cent gefeilscht und dann gibt es derartige Öffnungszeiten mit extremen Rabatten als Lockmittel?"

Profilierungssucht

Die Funktionäre sprechen von der Profilierungssucht eines einzelnen: "Scheinbar hat dieser besonders Wichtige in Wien in der Steiermark einen Nachahmer gefunden." Arena-Geschäftsführer Werner Gruber in den Fußstapfen Richard Lugners also: Wie berichtet, will Gruber die "Peroni Promotion" am Red Bull Ring am 2. September als Hintertür für eine Öffnung nutzen. Paragraf 7 des Landesgesetzblattes erlaubt ja bei einem verstärkt erwarteten Versorgungsbedarf ortsfremder Besucher die Sonntagsöffnung bei Motorsportveranstaltungen am Ring. Tenor der Arbeitnehmervertreter: "Es gibt keinen Grund, die Arena nach Paragraf 7 zu öffnen." Wird sich ja wohl kaum ein Ringtourist am 2. September mit Daunendecken vom Bettenlager versorgen wollen.

Hintertür

Etliche in der Arena angesiedelte Unternehmer hätten Unmut über diesen geplanten Sprung durch die Hintertür geäußert, seien durch den in Einkaufszentren üblichen "Knebelvertrag" jedoch an Mehrheitsbeschlüsse gebunden: Wie berichtet, fand sich bei der Mieterversammlung, an die wiederum Geschäftsführer Gruber gebunden ist, eine Pro-Öffnungs-Mehrheit. Das Gemma-halt-schauen-Prinzip diagnostizieren die Funktionäre als erwarteten Effekt. "Seitens der Gewerkschaft sind wir aber sicher bereit, Aktionen zu setzen, um das zu verhindern", verweist Christian Walter nicht zuletzt auf die österreichweit von allen Parteien und Sozialpartnern getragene "Allianz für den freien Sonntag".

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