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Zuletzt aktualisiert: 04.01.2013 um 20:16 UhrKommentare

Vermittler zwischen 42 verschiedenen "Institutskulturen"

Anton Mayer war mehr als 20 Jahre lang Vorsitzender des Betriebsrates für wissenschaftliches Personal an der Montanuni Leoben. Nun übernimmt Peter Pulm diese Aufgabe.

Foto © ANDREAS SCHÖBERL

Herr Professor Mayer, Sie haben mehr als 20 Jahre lang als Vorsitzender des Betriebsrates die Anliegen der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Montanuniversität Leoben vertreten. Was hat sich in dieser Zeit an der Situation des wissenschaftlichen Personals gravierend verändert?

ANTON MAYER: Im Zuge verschiedener Sparmaßnahmen gab es Ende der Neunzigerjahre eine Gehaltsnovelle, nach der die Leute weniger Geld bekommen haben. Außerdem wurden die Universitäten so umgegliedert, dass beamtete "Universitätslehrer" zu Angestellten wurden. Heute sind nur mehr fünf Prozent des wissenschaftlichen Personals Beamte. 95 Prozent sind Angestellte. Diese Änderungen haben finanziell und dienstrechtlich einige Dinge gebracht, die den Betroffenen nicht zum Vorteil gereichen. Die Universitätsautonomie hat 2004 auch die Einführung von Betriebsräten gebracht.

Ist es nicht auch zu einer Erhöhung der Flexibilität am Arbeitsplatz Universität gekommen?

MAYER: Vielleicht ist zum Teil tatsächlich die Leistungsfähigkeit erhöht worden. Flexibler sind die Bedingungen sicher geworden. Etwa alle zwölf Jahre kommt ein neues Universitätsgesetz heraus. Das heißt, einen Zustand für alle Zeiten gibt es nicht.

Was sind die größten Herausforderungen in der Arbeit als Betriebsratsvorsitzender?

MAYER: Wir haben fast zehn verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen. Das unter einen Hut zu bringen, ist schwierig.

PETER PULM: Außerdem besteht die Montanuni aus 42 Lehrstühlen und Instituten mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Strukturen. Das bedeutet freilich auch 42 teils völlig unterschiedliche "Institutskulturen". Sie sind schwer vergleichbar. Auch lässt sich die Tätigkeit eines Instituts nicht an seinen reinen Budgetzahlen ablesen. Lehrstühle, an denen Grundlagenforschung betrieben wird, tun sich mit dem Auftreiben von Drittmitteln sicher schwerer als jene, die angewandte Forschung betreiben. Aber die Arbeit beider ist gleich entscheidend.

Apropos Drittmittel: Wie sieht an der Montanuni das Verhältnis zum Grundbudget aus?

PULM: Das Grundbudget war bisher 37 Millionen Euro pro Jahr. An der Montanuni wird das jährlich durch Drittmittel mehr als verdoppelt. Wir sind auf jeden Fall die drittmittelstärkste Uni in Österreich.

Die Studentenzahl der Montanuniversität wächst seit Jahren beachtlich an. Derzeit liegt man bei 3500. Das erklärte, ambitionierte Ziel liegt bei 5000 Studenten. Auch der Unicampus wächst. Ist man personell dafür gerüstet?

PULM: Das Wachstum der Montanuni ist richtig, wichtig und natürlich zu unterstützen. Bei den derzeit etwa 450 Studienanfängern gibt es kein Problem beim Betreuungsverhältnis. Allerdings müssen im ersten Studienjahr alle Anfänger dieselben Fächer absolvieren. Da kommt schon das Feeling einer großen Uni auf. Hier müsste man durchaus etwas anders organisieren und das Personal etwas aufstocken.

MAYER: Man muss hier unterscheiden: Bei den Instituten, die quasi in den Beruf hinausführen, ist das Betreuungsverhältnis hervorragend. Bei den Instituten, die Grundlagenforschung betreiben, könnte es besser sein.

Das Ministerium verhandelt die Universitätsbudgets stets für den Zeitraum einer Leistungsvereinbarung von drei Jahren. Wie zufrieden kann man mit der aktuellen Leistungsvereinbarung 2013-2015 an der Montanuniversität Leoben sein?

PULM: Das Budget ist nicht besonders ausgefallen. Wir werden dafür bestraft, dass wir sehr erfolgreich im Auftreiben von Drittmitteln sind.

MAYER: Außerdem schwebt das Damoklesschwert der Studienplatzfinanzierung über uns.

Was kann man darunter verstehen?

PULM: Derzeit haben die Unis ein fixes Budget, unabhängig davon, wie viele Studierende es letztlich im Studienjahr geben wird. Das führt bei überlaufenen Studienrichtungen an anderen Unis zu hässlichen Dingen, wie das Rausprüfen von Studenten in den ersten Semestern. Die Montanuni ist eine relativ kleine Uni, die forschungstechnisch Unglaubliches leistet. Und eine montanistische Ausbildung wird immer teuer sein als etwa ein Jusstudium - alleine wegen der Ausstattung.

INTERVIEW:ANDREAS SCHÖBERL

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FAKTEN

  • An der Spitze des Betriebsrates für das wissenschaftliche Personal der Montanuniversität Leoben kommt es nun zu einem Wechsel.

    Peter Pulm (28) übernimmt das Amt von Anton Mayer (72).

    Anton Mayer ist seit 1973 als Professor am Lehrstuhl für Gesteinshüttenkunde tätig. Sein Schwerpunkt: feuerfeste Baustoffe.

    Seit den 80er-Jahren ist Mayer in der Personalvertretung - zuerst im Dienststellenausschuss und seit 2004, seit der Einführung eines Betriebsrates, als Betriebsratsvorsitzender.

    Pulm ist Assistent am Lehrstuhl für Thermoprozesstechnik.

    An der Montanuniversität Leoben gibt es knapp 800 wissenschaftliche Mitarbeiter.

    Zusammen mit dem allgemeinen Personal hat die Montanuni mehr als 1000 Mitarbeiter.

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