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Zuletzt aktualisiert: 11.09.2012 um 20:24 UhrKommentare

Beim nächsten Mal als Axtmörder

Als Kritiker und Journalist muss man es einmal probieren: sich als Darsteller vor der Kamera zu versuchen. Frido Hütter berichtet über einen Selbstversuch.

Foto © SABINE HOFFMANN

Unsereiner sitzt seit Jahrzehnten vor Leinwand und Bildschirm und (be)richtet mit oft mangelhafter Huld über die gesehenen Filme. Da wird es nachgerade zur Verpflichtung sich einmal hinter das Geschehen zu wagen. Vor die Kamera und vor das strenge Urteil eines Regisseurs. Um wenigstens einen Satz wie: "Der Bus ist da" oder "Macht vier Euro fünfzig" zu sagen.

Also habe ich diesen Wunsch in einschlägigen Kreisen eifrig geäußert und nun endlich Gehör gefunden. Furcht einflößenderweise ausgerechnet bei Wolfgang Murnberger, dessen "Der Knochenmann", "Brüder I-III" etc. zum Besten des heimischen TV- und Kinofilms zählen.

Schweißperlen

Murnberger ist es anvertraut, den Ersten von insgesamt neun Krimis zu drehen, die in jeweils einem österreichischen Bundesland spielen: "Steirerblut" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Claudia Rossbacher und ist mit Miriam Stein, Aglaia Szyszkowitz, Hary Prinz, Robert Stadl-ober, Thomas Stipsits, August Schmölzer u. a. exzellent besetzt. Es geht um den Mord an einer Leobener Journalistin, gedreht wird in und um Eisenerz.

Rund drei Dutzend Leute zählt der Stab. Einen totalen Laien in so ein professionelles Arbeiten hineintapern zu lassen, zeugt von einer gewissen Kühnheit. Und es beschert dem Laien, so er über ein Gewissen verfügt, wenigstens innerlich Schweißperlen.

Heimlich hatte ich mir für mein Filmdebüt ja eher eine Rolle als Axtmörder oder Kleinganove gewünscht. Murnberger vertraute mir aber lieber einen Auftritt in vertrauter Umgebung an. In den Redaktionsräumen der Kleinen Zeitung entstand eine Szene, in welcher der ermittelnde Kriminalist den Chefredakteur eines fiktiven Leobener Lokalblattes befragt.

Vier(!) Antworten, bestehend aus 72(!) Worten waren mit gegeben. Das ganze Wochenende über hatte ich geprobt. Und mittlerweile erscheint mir ein Flug zum Mond einfacher zu sein als zum Beispiel den "Faust"-Monolog zu verinnerlichen.

Versprecher

Regisseur Murnberger und mein hoch professionelles Gegenüber, Hary Prinz, coachten mich liebevoll. Auch wenn man den Text nur Stunden vorher fehlerlos in die morgendliche Teetasse gesprochen hatte, kann einem die Chance, die Arbeit eines Topteams durch Versprecher oder Hänger zu vernichten plötzliches Hirnvakuum bescheren. Und so kam es auch einmal. Ich stockte im Text, Szene geschmissen. "Kein Problem," beruhigte Murnberger. Wenig später lieferte Hary Prinz einen Versprecher. Und ich bin mir ganz sicher, dass er dies tat, um mich aufzumuntern. Etwa: Keine Bange, Mann, das passiert auch Profis wie mir. Danke, Hary.

Bei manchen Sets sind vier, fünf Takes (Wiederholungen) ein und derselben Szene die Regel. Das kann am Perfektionsfimmel des Regisseurs liegen oder auch an der mangelhaften Vorbereitung der Darsteller.

Wir kamen mit je zwei aus und wurden vom Perfektionisten Murnberger dafür sehr gelobt. "Steirerblut" kommt 2013 ins Fernsehen, ob ich den letzten Schnitt überlebt habe, wird sich dann zeigen. Aber ich habe Blut geleckt. Und beim nächsten Mal wird es der Axtmörder.

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