Zuletzt aktualisiert: 06.03.2011 um 04:35 UhrKommentare

Häf'n-Coup für Grazer Solar-Pionier

Vertrag fixiert: Grazer Solaranlagen-Pionier heizt künftig für 20.000 Häftlinge in Arizonas Staatsgefängnissen das Wasser auf.

Foto © Holter

Daheim gilt der Prophet derzeit nicht viel. Rund um behauptete Unregelmäßigkeiten bei der Fernwärme-Einspeisung aus seiner Solaranlage in der Puchstraße liegt Solid-Chef Christian Holter wie berichtet im Clinch mit der Energie Steiermark. Weitere Solar-Großprojekte in Graz sind gestoppt, das Klima mit den Energiekonzernen frostig. Doch in der weiten Welt punktet der Solar-Pionier.

Holters jüngste Erfolgsmeldung aus den USA: "Wir haben die Ausschreibung für die State Prisons gewonnen." Für sieben Gefängnisse in Arizona soll die Warmwasseraufbereitung zu 80 Prozent über Solaranlagen erfolgen. Die Solid und die Partnerfirma Ökotech, die die Kollektoren liefert, machen mit dem 15 Millionen-Dollar-Auftrag 20.000 Häftlinge mit der Kraft der Sonne zu Warmduschern.

Rückenwind

Doch das ist nicht die einzige internationale Baustelle. In Singapur kooperiert die Solid mit der Nanyang Technological University beim Aufbau eines Centre of Excellence für Solarthermie. Und in Singapur steht seine 4,5 Millionen Euro teure Anlage vor der Eröffnung. Den internationalen Rückenwind will Holter nützen: "In den Tropen scheint ja mehr Sonne, was die Anlagen deutlich wirtschaftlicher macht."

Das weltweite Geschäft kann die Solid gut brauchen, denn in Graz ist der Ofen aus. Estag und Energie Graz (EGG) bestätigen ihre Strategieänderung: Keine weiteren Groß-Solaranlagen! EGG-Chef Gert Heigl: "Wir haben in Graz 10.000 m2 Kollektorenfläche. Für die Einspeisung in die Fernwärme ist der Bedarf gedeckt." Kleinanlagen für Private seien weiter Thema, sonst setzt man wegen der E-Mobilität auf Fotovoltaik, also Sonnenstrom.

Schaden

Die Solid hätte die Kursänderung 2008 fast in den Konkurs getrieben. Holter: "Ich hatte mit der Energie Graz mehrer Großprojekte in Planung, auf die der Geschäftsplan ausgerichtet war. Als diese gestoppt wurden, waren wir in Schieflage." Aus dieser Not heraus könnte der Estag nun ein Rechtsstreit drohen. Holter hat bei der Solaranlage bei der Puchstraße vertraglich noch eine Erweiterung der Kollektorenfläche von 5000 auf 7000 Quadratmeter in Aussicht: "Und ich hatte Vorinvestitionen." Konkret will er einen Schaden von mehreren 100.000 Euro einklagen.

Estag-Fernwärmechef Gerald Moravi bleibt gelassen: "Der Vollausbau auf unseren Dächern wäre nur gekommen, wenn statisch alles passt. Was nicht der Fall ist." Für Holter geht es um viel: Die einst als größtes Solarheizkraftwerk Mitteleuropas gefeierte Anlage ist in finanzieller Schieflage. Auch wenn das die Solid als Ganzes nicht gefährde.

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