21. Dezember 2014, 11:07 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 13.01.2013 um 21:03 UhrKommentare

Post sucht wieder Zusteller

Jahrelang hörte man von der Post stets nur von Jobabbau, doch jetzt gingen ihr im Großraum Graz die Briefträger aus. Warum ab sofort neue Leute gesucht werden - und das, obwohl es viele Postler ohne Stelle gibt.

Foto © APA

Das Stelleninserat in der Vorwoche war unscheinbar, aber umso bemerkenswerter: "Die Österreichische Post AG stellt ab sofort Vollzeitkräfte (m/w) für die Briefzustellung im Raum Graz ein. Brutto mind. 1345,57/Monat. Dienstbeginn 6 Uhr", so der Wortlaut der Anzeige, die so ziemlich das Gegenteil von dem verheißt, was man in den letzten Jahren von der Post gehört hat. Nämlich Jobabbau. Beziehungsweise den Versuch, Stellen abzubauen (etwa infolge der Umwandlung von Postämtern in private Postpartner). Doch bei einem Beamtenanteil von über 50 Prozent unter den knapp 20.000 Postbeschäftigten behalf sich das staatsnahe Börse-Unternehmen (der Bund hält 52,8 Prozent) lange Zeit damit, nicht mehr gebrauchte Beamte in ein sogenanntes "Karriere-Entwicklungs-Center" (KEC) zu stecken, wo es weniger um "Karriere und Entwicklung", sondern vielmehr um Mobbing und Daumendrehen ging (wir berichteten).

"Die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei", heißt es unisono vonseiten des Unternehmens und auch des steirischen Postgewerkschafters Christian Höllerbauer. Zum einen, weil bereits 400 vom Post- in den Bundesdienst (Polizei, Finanz, Justiz) gewechselt sind. Zum anderen, weil das umstrittene KEC in einen "Postarbeitsmarkt" umgewandelt wurde, wo 80 Prozent der rund 500 Beamten "bei sinnvollen Projekten wie IT-Wartung oder in Verteilzentren eingesetzt werden", so Höllerbauer.

Warum aber greift man dann nicht auf diese Leute zurück, wenn Zusteller gesucht werden? "Das hat mit der dienstrechtlichen Einstufung zu tun", erklärt Postsprecher Michael Homola, "ein Beamter, der früher in Wien im Filialdienst war, kann nicht gezwungen werden, plötzlich Zusteller in Graz zu werden."

Fürs Erste werden ab sofort in der Landeshauptstadt 15 Briefzusteller eingestellt, "doch darüber hinaus suchen wir auch in Bezirksstädten immer wieder neue Mitarbeiter", so Homola.

"80 Prozent um die 50 Jahre"

Ein Grund für den städtischen Postlermangel liegt laut Höllerbauer in der Altersstruktur: "Uns fehlt die Generation der 30- bis 40-Jährigen. 80 Prozent sind um die 50 Jahre alt." Zudem finde die Post "schon immer wieder gut ausgebildete junge Mitarbeiter", so Höllerbauer, "doch diese wechseln oft, sobald sie einen besser bezahlten Job finden". Mit Zulagen komme ein nach dem neuen Kollektivvertrag eingestellter Zusteller derzeit auf "nicht mehr als 1250 Euro netto im Monat".

PS: Die Post sucht auch für die wachsende Paketsparte immer wieder Leute. 2012 stieg das Volumen dank Amazon, Zalando & Co. von 59 auf 65 Millionen Pakete.

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Fakten

  • 19.691 Vollzeitarbeitskräfte waren per 1. 10. 2012 bei der Österreichischen Post beschäftigt, um 226 weniger als ein Jahr zuvor.

    9000 Postbedienstete arbeiten als Briefzusteller, davon 1600 in der Steiermark. 50 Prozent sind Beamte.

    500 unkündbare Postbeamte, deren frühere Stelle es nicht mehr gibt (z. B. durch Postamtsschließung), sind im sogenannten Postarbeitsmarkt und betreuen z. B. die EDV-Technik.

    400 Postler wechselten in den letzten Jahren zum Bund (Polizei Justiz, Finanz).

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