20. Dezember 2014, 00:36 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 01.01.2013 um 05:50 UhrKommentare

Eine königliche Mission, die großen Spaß bereitet

Die Heiligen Drei Könige sind seit Tagen in der Steiermark unterwegs. Bis zu acht Stunden am Tag gehen die Kinder von Tür zu Tür. Dabei erleben sie viel Freude, aber auch herbe Rückschläge.

Foto © KANIZAJ

"W o ist denn der Weinrauch?", erkundigt sich einer der Heiligen Drei Könige. "Das heißt Weihrauch, nicht Weinrauch. Der hat nichts mit Wein zu tun", stellt Lena Berger, die für die Dreikönigsaktion in der Grazer Kalvarienbergpfarre zuständig ist, mit einem Schmunzeln klar. Im Hintergrund arbeitet Elsa Genser auf Hochtouren. Nach der Reihe kommen Leo (9), Helena (9), Christian (13) und Lea (12) zu ihr, um sich schminken zu lassen. Sie ist die gute Fee - seit mittlerweile 30 Jahren betreut sie die "Drei Weisen aus dem Morgenland". Gut gelaunt und mit einem Lächeln im Gesicht kümmert sie sich jedes Jahr um alle Könige der Pfarre. "Das ist viel Arbeit, aber sie macht mir großen Spaß", erzählt die 69-Jährige.

Die Weisen aus dem Morgenland

Im Winter 1954/55 wurde die erste Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar durchgeführt. In der Steiermark sind bis 6. Jänner rund 13.000 Kinder und Jugendliche unterwegs. Als Caspar, Melchior und Balthasar überbringen sie den Menschen die Friedensbotschaft. Der Segen "Christus mansionem benedicat" ("Christus segne dieses Haus") auf dem Türstock begleitet sie durch das ganze Jahr. Heuer werden vor allem Straßenkinder in Äthiopien unterstützt, deren Alltag von Kinderarbeit, Hunger, Krankheit und Gewalt geprägt ist. Im vergangenen Jahr konnten die steirischen Sternsinger 2,7 Millionen Euro ersingen.

Nun aber ist es so weit - alle vier sind geschminkt, haben ihre Gewänder gefunden, sich die passenden Kronen und ihre königlichen Utensilien ausgesucht. Ein letztes Mal werden noch die Texte geprobt und dann sind Caspar, Melchior, Balthasar und der Sternträger abmarschbereit. Das heißt, eines fehlt noch - die "Glückskassa". Die Kinder nennen sie so, weil die Gruppe am Vortag mit ihr sehr erfolgreich war und einen großen Spendenbetrag ersingen konnte. Deshalb soll jene grüne und mit floralen Bildern verzierte Geldkassette unbedingt auch mit. Die Kinder machen sich samt Silvia Sawilla, die Helenas Mama ist und die Gruppe begleitet, auf den Weg - um den Menschen die Friedensbotschaft und den Segen für das neue Jahr zu überbringen. "Gemeinschaft wächst nur dort geschwind, wo Menschen gut zu Menschen sind" lautet eine Textzeile, die sie vortragen, die aber auch für die Mission der Heiligen Drei Könige steht.

Rückschläge zu verkraften

Während sie sich drinnen vorbereitet haben, ist es draußen trotz Sonne frisch geworden. Der Wind pfeift kräftig. Doch das hält keinen König von seiner Mission ab: "Was zählt, ist nicht das Wetter, sondern der Spaß. Es ist urwitzig, mit Freunden draußen zu sein und sich die Seele aus dem Leib zu singen", erzählen Christian und Leo mit strahlenden Augen. Zu Beginn ihrer Pilgerreise, die bei Sternsingern bis zu acht oder neun Stunden am Tag dauern kann, funktioniert alles reibungslos. Die Bewohner öffnen ihre Türen, lauschen dem Lied und den Gedichten der Heiligen Drei Könige und geben ihnen eine Spende. In manchen Fällen gibt es gar Applaus, der die Kinder stolz macht. Doch oft warten sie vergebens. Keiner macht ihnen die Tür auf und mancher knallt sie gleich wieder vor ihren Nasen zu. "Eine Pechsträhne nimmt ihren Lauf", sind sie enttäuscht. Doch sie bleiben motiviert und wandern tapfer weiter von Tür zu Tür. Sie kommen zu einem Mann, der ganz entrüstet ist - nicht wegen der Sternsinger, sondern weil seine Frau noch nicht zu Hause ist, welche die Heiligen Drei Könige immer gerne empfängt. Auf dem Rückweg werden sie noch einmal vorbeikommen und von dem Ehepaar auch Süßigkeiten bekommen. Nach vielen Misserfolgen, geht es auch wieder bergauf. Eine Frau lädt alle zu einer Jause ein, wo sie sich erwärmen und für den Rest des Weges stärken können.

Gegen 18 Uhr sind die Könige und der Sternträger recht erschöpft. Die verschlossenen Türen haben wohl auch ihren Beitrag dazu geleistet. Mit roten Wangerln und müden Augen kommen sie zurück in die Pfarre. Trotz aller Anstrengungen hatten sie "einen lustigen Tag" und so werden sie vielleicht auch im nächsten Jahr ihre Runden als Heilige Könige drehen.

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