22. Dezember 2014, 16:45 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 01.12.2012 um 05:57 UhrKommentare

In der Bauernschaft brodelt es

Quer durchs Land schmieden Bauern derzeit neue Allianzen und trommeln gegen Förderkürzungen, Bauernbund & Co. Man versteht sich als Auffangbecken für Unzufriedene und hat viel vor.

Foto © LEODOLTER

Rebellentum ist in der steirischen Bauernschaft spätestens seit dem Milchstreik der IG Milch kein ganz neues Phänomen: Neu ist jedoch die massive Lautstärke und räumliche Verbreitung neuer Organisationen, in denen Bauern dieser Tage auftreten und einen gemeinsamen Nenner haben: Unzufriedenheit mit den Funktionären zwischen Bauernbund und Kammer angesichts drohender Förderungskürzungen und neuer Steuerregeln.

Schauplatz Graz: Da trat am Freitag erstmals eine Gruppe Murtaler Bauern auf. Sie nennt sich "Grün-weißer Agrar- und Umweltclub" und will laut Eigendefinition "als überparteilicher Verein überall dort Veränderungen herbeiführen, wo sich der ländliche Raum von der Politik im Stich gelassen fühlt", wie es Neo-Clubsprecher Leonhard Madl ausdrückt.

Deutlich deftiger hört sich das bei Gründungsmitglied Matthias Kranz an: "Unsere Agrarvertreter kennen die Stalltür nur noch von außen", drohende Förderkürzungen seien schlicht inakzeptabel, "was da verhandelt, aber nicht kommuniziert wurde, treibt Viehhalter und Almenwirtschaft in den Ruin. Wir wurden am Altar der niederösterreichischen Ackerbauern geopfert." Insider munkeln, dass diese Keimzelle des agrarpolitischen Widerstands just im Gebiet um Knittelfeld heranwächst, weil die dortige Bezirkskammer (deren Chef Matthias Kranz ist) im Zuge der Fusion mit Judenburg geschlossen werden soll.

Doch der landesweite Zuspruch und die Pläne seien groß: "Wir rechnen, dass in der ersten Woche steiermarkweit 1000 Mitglieder dazukommen", so Madl. Und ja, selbstverständlich verstehe man sich als Auffangbecken für frustrierte und verunsicherte Bauern.

Verunsichert ist auch Rinderbauer Volkart Kienzl aus Fohnsdorf, der dem Club beitritt: "Ohne Förderungen droht eine Zweiklassen-Ernährungsgesellschaft, weil Lebensmittel teurer werden und sich viele das nicht leisten können. Das wollen wir nicht, dem müssen wir entgegenwirken." Weil man dies der Agrarpolitik nicht zutraue, habe die Bauernbund-Ortsgruppe Fohnsdorf sich darauf verständigt, keine Mitgliedsbeiträge mehr einzuzahlen.

Ob der harschen Kritik setzt Landwirtschafts-Präsident Gerhard Wlodkowski auf Dialog: "Wir haben immer ein offenes Ohr für die Murtaler Bauern gehabt und vertreten die Anliegen aller Bauern bestmöglich. Wir werden auch die Murtaler Bauern weiterhin bestens vertreten."

Auf den Barrikaden

Doch die Proteste reichen weiter; Schauplatz Weiz: Da trat am Freitag die Bewegung "Aktion Gemeinsamer Bauern" auf den Plan, mehr als 500 Landwirte folgten der Einladung nach Sinabelkirchen. Ob Steuerregeln, Förderungen oder Bürokratie: Gegenüber den am Podium sitzenden Agrarvertretern sämtlicher Parteien entlud sich jede Menge Frust aus dem Publikum. Genereller Tenor abermals: "Wir fühlen uns in existenziellen Fragen nicht gut vertreten."

Die Vorgeschichte: Vor allem Obstbauern kritisieren Pläne, wonach man mit über zehn Hektar Obst die Steuer-Vollpauschalierung verliere. Als dem als Rebell bekannten Ilztaler Obstbauern Hans Herbst bei einer Veranstaltung am Montag nach heftiger Kritik an der Kammer das Mikro entzogen wurde, verließ er den Saal. 500 Bauern folgten ihm nach (Version Herbst). Die Veranstaltung sei aber ohnedies zu Ende gewesen (Version Kammer).

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