27. November 2014, 15:40 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 14.10.2012 um 07:55 UhrKommentare

Kultur, das ewige Stiefkind

Nichts bewegt sich. An den Kulturschaffenden liegt es nicht. Der Grazer Kulturpolitik fehlen die Kontinuität und ein programmatisches Konzept. Teil zwei der G7-Serie: Kultur.

Foto © APA

Endlich jemand, der ein Ohr für die Kultur hat: Die zögerliche Zufriedenheit vieler Kulturschaffender mit dem amtierenden Stadtrat zeigt, wie niedrig die Latte in der Grazer Kulturpolitik schon liegt.

Fünf Kulturpolitiker in fünf Jahren. Fünf Antrittspressekonferenzen, denen bald Abgangspressekonferenzen folgten. Zur Erinnerung: Um Kulturkonzepte hätten sich in der letzten Periode kümmern sollen: Werner Miedl, Wolfgang Riedler, Karl-Heinz Herper, Edmund Müller und Michael Grossmann. Sein Platz für die SPÖ wackelt angesichts der Kürzung von neun auf sieben Stadtsenatssitze schon wieder.

Kontinuität, bitte kommen!

Was ist passiert? Wenig. Das ist genau das Problem. Stillstand ist kein erstrebenswerter Zustand. Das Bekenntnis zur Kulturstadt wird - nebst jenen zu Design- oder Menschenrechtsstadt - zwar regelmäßig erneuert. Was fehlt, sind große Visionen und ein inhaltliches Konzept, das vorlegt, wie man sich positionieren will. Im Wahlkampf wird das Thema beinahe totgeschwiegen.

Nicht immer wurde die Kultur so vernachlässigt. Früher hatte Graz den Ruf einer Literaturhauptstadt. 2003 war sie Europäische Kulturhauptstadt. Und heute? Zehn Jahre danach fehlt es auch für die "Überbleibsel" von Graz an Konzepten. Das Kunsthaus kämpft mit Besucherschwund und einer Architektur, die Ausstellungsgestaltern die Arbeit erschwert. Dann wär noch die Murinsel. Ein Kultur-Unort.

Größte kulturpolitische Baustelle aus dem Jahr 2003: die Helmut-List-Halle. Mit dem Ende 2013 auslaufenden Vertrag endet auch das Konzept dafür. In einer Zeitspanne von zehn Jahren zu planen: sehr kurzsichtig.

Wie berichtet, übernimmt die AVL ab 2013 wieder, die List-Halle soll jedoch weiterhin für 100 Tage Festivals und der Freien Szene zur Verfügung stehen. "Hüllen" ohne Programmkonzept wie z. B. auch dem Dom im Berg stehen Platznöte der Freien Szene gegenüber.

Strahlkraft

An den Künstlern liegt es nicht. Junge Grazer wie der Autor Clemens J. Setz strahlen weit über die steirischen Grenzen hinaus, das Schauspielhaus kassiert internationale Preise - um nur zwei Beispiele zu nennen. Für die Dichte und Vielfalt an Festivals, von der Styriarte bis zum steirischen herbst, wird Graz beneidet. Wie sich das großzügigst subventionierte "Murton", das heuer an Stelle des Jazzsommers getreten ist, in den Festivalkalender einfügt, muss sich erst zeigen.

Auch die freie und die Subkulturszene leben - vor allem von

eigenen Initiativen. "Niesenberger" und Co. haben auch räumlich Nischen bezogen. Und dabei mit fast unerfüllbaren Auflagen zu kämpfen.

Der Plan eines lebendigen Kulturstadtteils im Joanneumsviertel ist bislang nicht aufgegangen. Dafür hatte der jüngste Kulturstadtrat unlängst eine Vision: das Taggerviertel in der aufgelassenen Futterfabrik. Dort sollen noch Ende des Jahres Künstler Ateliers beziehen. Ein Schritt. Das ist schon einmal etwas.

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Zum Thema

KOMMEN UND GEHEN

  • 5 Kulturstadträte in 5 Jahren:

    Werner Miedl (ÖVP): von 2005 bis 2008

    Wolfgang Riedler (SPÖ): von 2008 bis 2010

    Karl-Heinz Herper (SPÖ): von 2010 bis 2011

    Edmund Müller (SPÖ): von April bis Dezember 2011

    Michael Grossmann (SPÖ): seit Dezember 2011

Teil 1 der Serie

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