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Zuletzt aktualisiert: 19.09.2012 um 20:38 UhrKommentare

Steirer für eine Massage vier Tage im Spital

Patientenombudsfrau begrüßt Spitalsreform. Kleine Kliniken sind schlecht ausgelastet und Patienten vereinzelt länger als nötig im LKH.

Foto © Weichselbraun

Von Kunstfehlern und Pflegemissständen: Wenn das Team rund um Patienten- und Pflegeombudsfrau Renate Skledar einen Jahresbericht vorstellt, ist naturgemäß Brisantes dabei. Heuer ist obendrein politischer Sprengstoff enthalten: Denn just die Vertretung der Patienten spricht sich deutlich für die aktuelle Spitalsreform aus. Tenor: Kleine Einheiten sind passé, statt dessen Kompetenzzentren gefragt. Bewusst pickt die Ombudsschaft drastische Beispiele aus ihren 1054 Spitalsfällen (2011) heraus, um zu untermauert, was "im Kleinen" passieren kann. So lag ein 87-jähriger Patient wegen der Spätfolgen eines komplizierten Bruchs vier Tage im Krankenhaus: für letztlich eine Massage des Handgelenks. Kostenpunkt: knapp 1800 Euro. Die steirische Patientenvertretung befürchtet, dass manche Häuser die Auslastung bewusst hochhalten wollen. Die in diesem Fall betroffene Abteilung war im Jahresschnitt nur zu 66 Prozent ausgelastet.

Mit ein Grund dafür, dass Skledar eine Strukturreform im Spitalsbereich "sehr, sehr, sehr" begrüßt. Eine Reform, die aus Sicht der Kritiker von Bad Aussee über Graz (Stichwort LKH West) bis nach Wagna zulasten der Patienten gehe. Skledar widerspricht: "Schwere Fälle werden ja ohnehin in den Kompetenzzentren behandelt." Die Medizin habe sich dermaßen weiterentwickelt, dass sie kleine Einheiten mitunter nicht mehr bewältigen: "Es hilft nichts, wir brauchen diese Kompetenzzentren." Es sei nicht einzusehen, dass sich mancherorts die Patienten stauen, anderswo "aber Stationen halb leer sind". Im LKH Bad Aussee wären höchstens zehn Betten (Chirurgie) notwendig.

Aus Skledars Sicht bringen selbst Standortschließungen die Steirer nicht in Gefahr. "Unser Notarztsystem funktioniert gut. Wir sind ja bitte nicht mehr mit der Postkutsche unterwegs."

Kein Chirurg

Die Probleme von Kliniken in der Peripherie unterstreicht ein weiterer Fall: Dabei erlitt ein 60-Jähriger bei einem Unfall einen Sprunggelenksbruch. Prompt wurde der Steirer ins nächste Krankenhaus eingeliefert. Operiert hat man ihn aber erst nach drei Tagen: Vorher hatte kein fachkundiger Chirurg Dienst. Obwohl "ein rascher Eingriff notwendig gewesen wäre", heißt es bei der Ombudsstelle. Der 60-Jährige erhielt 7500 Euro.

Lob für Spitäler

Positiv stimmt Skledar, dass "die Spitäler aus ihren Fehlern lernen". Man würde Versäumnisse zugeben und viel unternehmen, um sie künftig zu vermeiden. Ein gutes Beispiel: Eine 25-Jährige ist nach einem Mopedunfall mehrfach operiert worden. Bei einem Eingriff haben die Ärzte jedoch eine Nachblutung nicht rechtzeitig erkannt. Bis heute leidet die Frau unter den Folgen.

Da die Klinik den Behandlungsfehler aber prompt zugab und sich bei der weiteren Behandlung sowie in rechtlichen Fragen der Patientin ernsthaft engagierte, hat die Betroffene bis heute Vertrauen in die Spitäler. Diesen Umgang mit Fehlern lobt die Ombudsstelle ausdrücklich.

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