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Zuletzt aktualisiert: 17.09.2012 um 14:55 UhrKommentare

Wenn echte Kerle Windeln tragen

Von Zniachtln und Bröckerln - in Graz fanden am Sonntag die "Austrian Open" im Sumo-Ringen statt. 18 Sumatori waren in der ASKÖ-Halle im Einsatz. Die Besuchersitze blieben leer.

Foto © Foto: GEPA

Helden in Strumpfhosen, die gibt es nur im Film. Echte Kerle in Windeln, die gibt es wirklich. 18 solcher Prachtexemplare gingen sich bei den "Austrian Open" im Sumo-Ringen in der Grazer ASKÖ-Halle an die Wäsche, pardon an den Mawashi, wie das windelähnliche Ding, das die Ringer um die Hüften tragen, nämlich in Wirklichkeit heißt. 18 Sumotori aus vier Nationen, aber keine Fans. Während in Japan, Zigtausende die Kämpfe in den Sumo-Profiligen verfolgen, die Ringer Millionen verdienen und weibliche Fans beim Anblick der Fleischberge fast in Ohnmacht fallen, fristet die Kunst des Sumos in Österreich ein karges Dasein. "Da ist viel Idealismus dabei. Japanische Verhältnisse haben wir leider keine", sagt Laszlo Ernö, das 145-Kilogramm-Bröckerl vom RC Herkules Nettingsdorf aus Oberösterreich. Hier in Graz ist er mit seinem Gewicht der schwerste unter allen Kämpfern, im fernen Japan würde er allerdings wohl eher als Zniachtl denn als Herkules durchgehen. Dort kratzen die Sumo-Stars gar nicht selten an der 200-Kilo-Marke. Und auch die Damen fallen beim Anblick des 36-Jährigen und seiner Kollegen nicht in Ohnmacht. Von der Cheerleader-Gruppe, die in der Nebenhalle trainiert, gibt es statt schmachtender eher fragende Blicke.

Voller Einsatz, leere Stühle

Einmarsch der Kämpfer. Aus einem kleinen Radio tönt der Queen-Hit "We will rock you". Die 22 Stühle, die für etwaige Zuschauer gerichtet wurden, bleiben leer. Dabei wäre das eine unterhaltsame Sache. Es geht Schlag auf Schlag, die Kämpfe dauern im Schnitt zwei bis 20 Sekunden. Die Regeln sind einfach. Ziel ist es, den Gegner aus dem kreisförmigen Dohyo, dem Ring, zu befördern oder ihn dazu bringen, die Ringmatte mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen zu berühren. "Amtssprache" ist Japanisch. Kampfrichter Hermann Irnberger ist allerdings ein waschechter Österreicher. "Meine Kommandos und Begrüßungsformel habe ich auswendig gelernt, die hat mir seinerzeit ein Japaner aufgeschrieben", sagt der traditionell ganz in weiß gekleidete Salzburger.

Japaner nimmt an den Austrian Open keiner teil, dafür vier Niederländer, vier Ringer aus dem fernen Tadschikistan, neun Österreicher und Andrea Epiro, der italienische Polizist, der finsterer dreinblickt als der böseste aller Film-Bösewichte. Nur beim Sumo hilft das nicht. Epiro wird am Ende in der "offenen Klasse" nur Zweiter. Die Favoriten? "Die Holländer", erklärt Josef Schnöll, Vizepräsident des österreichischen Ringer-Verbandes und trotz seiner 50 Lenze einer der 18 Sumo-Kämpfer. Mithalten kann der Mann aus dem salzburgischen Bad Vigaun aber immer noch. Nur die Niederländer, die sind wahrlich eine Klasse für sich. Am Ende gewinnt nämlich mit Pieter Vroon einer von ihnen. Schnöll ist wenig überrascht: In Österreich kommen die Sumo-Kämpfer aus dem Ringer- und dem Judo-Lager und machen das nebenbei, die Niederländer sind echte Sumo-Spezialisten. Die fahren sogar regelmäßig nach Japan auf Trainingslager."

Laszlo Ernö, Sie wissen schon, das 145-Kilogramm-Zniachtl vom RC Herkules Nettingsdorf aus Oberösterreich, fuhr zum Arzt. Das Knie streikte.

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