Zuletzt aktualisiert: 08.09.2012 um 06:00 UhrKommentare

451 Spitalsbetten weniger in Graz

Der von der Regierung verschärfte Spitalsstrukturplan 2020 sorgt in Graz für Aufregung: Die Versorgung sei in Gefahr - die Politik versucht, die Vorwürfe zu entkräften.

Foto © KANIZAJ

Die Übernahme des LKH West durch die Barmherzigen Brüder Eggenberg gilt als fix. Trotzdem kämpft der LKH-West-Betriebsrat weiter dagegen an. Und die Wortmeldungen der Anstaltsleitung des LKH West - mit Heribert Walch (ärztlicher Direktor), Siegfried Fortmüller (Betriebsdirektor), Paul Furlan (Pflegedirektor) - sind deutlich: Die Spitalsversorgung im Grazer Westen sei aufgrund des Bettenschwunds in der neuen Strukturplanung in Gefahr. Vor allem die interne Abteilung sei betroffen. Von derzeit 310 internistischen Betten, die laut Fortmüller das LKH West und die Barmherzigen Brüder Eggenberg gemeinsam haben, bleiben am Standort LKH West nur noch 82 über. Zeitrahmen der Umstrukturierung: drei bis fünf Jahre. Insgesamt verliert Graz 451 Betten. Es werden 49 Betten mehr eingespart als ursprünglich geplant.

Die wahren Hintergründe

Dabei ist nur eine Frage entscheidend: Gibt es eine Verschlechterung für die Patienten im Grazer Westen? Die West-Anstaltsleitung befürchtet das, weil durch den Betreiberwechsel "funktionierende und exzellente West-Teams bei der Übernahme auseinandergerissen werden". Spitals-landesrätin Kristina Edlinger-Ploder (siehe Interview) versucht das mit besserer Patientensteuerung und Bettenverschiebungen im Westen zu entkräften.

"Ich bitte Mitarbeiter, nicht zu flüchten"

Die medizinische Versorgung im Grazer Westen ist in Gefahr . . .

KRISTINA EDLINGER-PLODER: Nein! Für den Raum Graz wurde 2011 ein Versorgungsplan für internistische Patienten erstellt - von Ärzten. Sobald Details für das LKH West feststehen, werden Ärzte den Plan adaptieren. Spitalsexperten erklären mir, man könne die Qualität halten. Auch mit weniger Betten.

Wie viele internistische Betten weniger werden es im Grazer Westen insgesamt sein?

EDLINGER-PLODER: 148 Betten. Wir haben zwar im LKH West weniger Betten, aber wir stocken in der LSF, bei den Barmherzigen Brüdern Marschallgasse und den Elisabethinen auf. Die planenden Ärzte sind überzeugt, dass mit einer besseren Patientensteuerung die gleich gute Versorgung möglich sei.

Und der Vorwurf, die Ordenshäuser würden sich nur auf jene Leistungen konzentrieren, die wenig Aufwand benötigen?

EDLINGER-PLODER: Die Ordensspitäler werden alle Bereiche abdecken, genauso die Ambulanz im LKH West. Sie haben einen klaren Versorgungsauftrag.

Es gibt aber Bedenken, dass man funktionierende medizinische Teams mit der Übernahme des LKH West verliert.

EDLINGER-PLODER: Die Ordenshäuser haben großes Interesse, Teile des Personals zu übernehmen und am Standort zu belassen. Das Dienstrecht der Barmherzigen Brüder orientiert sich am Landesrecht, die Möglichkeit eines Übertritts ist wahrscheinlich. Sinnvoll ist es, ganze Teams zu übernehmen und nicht nur Einzelpersonen. Ich bitte auch die Mitarbeiter, nicht in andere Häuser zu flüchten. Wir werden sie brauchen.

Die Hintergründe für den Betreiberwechsel liegen ohnehin woanders: Mit den Barmherzigen Brüdern könne das Versorgungsmonopol der Kages aufgebrochen werden, so die Reformer. Das Land bekomme echte Kostenvergleiche zwischen privaten Anbietern und Landesspitälern. Und durch den Wegfall der Barmherzigen Brüder Eggenberg sei ein Spital weniger auf der Abrechnung. Einsparungen pro Jahr: 22 Millionen Euro.

Bei einem täglichen Minus von mehr als einer Million für alle Kages-Spitäler ist das verhältnismäßig wenig. Aber man darf die Kages-Anleihe nicht vergessen, mit der das Überleben der Landesspitäler finanziert wurde. Das Land kann sie nicht zurückzahlen, die Anleihe muss neu aufgelegt werden. Auch dafür muss man Reformwillen zeigen.

Grazer Kampf um Betten

Im LKH West verwahrt man sich übrigens dagegen, dass man teurer als ein Ordenshaus arbeite. Das stimme in Teilbereichen, wie Landesrätin Edlinger-Ploder bestätigt. Die LKH-West-Chirurgie komme etwa den Bestwerten vergleichbarer Privatspitäler nahe.

Kritisch hinterfragt man im LKH West auch das Einsparungspotenzial. Jene Behandlungen, die es im LKH West nicht mehr gibt, müssten woanders erbracht werden - das verursache eben dort Kosten. Ob das Argument sticht, bleibt unklar: Längst wird verhandelt, welche Abteilungen vom LKH West ans Uniklinikum wechseln. Die Reformer sind von den Einsparungen überzeugt.

Aber auch auf der anderen Murseite wird um Betten gekämpft: Gut funktionierende Abteilungen wie an der Gynäkologie oder der HNO am Uniklinikum stehen zur Diskussion. Trotz der Widerstände aus der Belegschaft. Es sei nämlich unklar, wer in Folge diese Patienten übernehme. Die Ordenshäuser sind bereits voll ausgelastet . . .

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Zum Thema

Neuer Vorschlag für das LKH West

  • Laut West-Betriebsrat Karl-Heinz-Dieber habe man bereits 5000 Unterschriften gegen die Übernahme des LKH West durch die Barmherzigen Brüder sammeln können: Heute, Samstag, soll ab 10 Uhr die Bevölkerung auf dem Grazer Hauptplatz darüber informiert werden. Man hofft auf weitere Unterschriften und will die Menschen davon überzeugen, dass man das LKH West unter der aktuellen Kages-Führung weiterarbeiten lässt. Einer der Vorschläge: Erweiterung/Stärkung des LKH West als Ersatz für das geplante, aber derzeit nicht realisierbare LKH Süd.

Eine Zensur auf Facebook?

  • In der Facebook-Gruppe "Gegen die Privatisierung des LKH West durch die Politik" gab's Zuspruch, aber auch Irritationen. Bei der Kleinen Zeitung trafen Beschwerden ein, dass Beiträge für den Betreiberwechsel gelöscht worden seien: "Ich wurde als User unter Zensur gestellt. Generell wird es augenscheinlicher, dass die zu den geplanten Reformen geformte Opposition an keiner konstruktiven Diskussion interessiert ist." LKH-West-Betriebsrat Dieber bestreitet das: " Es ging um persönliche Sachen, die nichts zum sachlichen Hintergrund beigetragen haben."

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