19. Dezember 2014, 16:16 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 04.07.2012 um 14:41 UhrKommentare

Mehrere Millionen Euro Schaden in der Steiermark

Wegen schwerer Unwetter wurde am Dienstag im Bezirk Murtal Katastrophenalarm ausgerufen. Ein Güterzug entgleiste, ein Blitz traf zwei Personen. In Deutschlandsberg, Graz und Leibnitz gab es schwere Hagelunwetter. Auch in Kärnten kam es zu Überschwemmungen.

Schäden im Ausmaß von mehreren Millionen Euro haben die Unwetter vom Dienstagabend in der Steiermark, vor allem im Bezirk Murtal, verursacht. Gewitter mit Starkregen und Hagel sowie Windböen lösten Überschwemmungen und Erdrutsche aus, Bäche traten über die Ufer und überfluteten Straßen und Keller, Gebäude wurden beschädigt und Bäume geknickt. In vier Gemeinden wurde Katastrophenalarm gegeben. Ein Güterzug entgleiste, in der Oststeiermark wurde ein Jägerehepaar auf einem Hochstand vom Blitz getroffen, kam aber mit leichten Verletzungen davon. Laut Landesfeuerwehrverband waren 100 Feuerwehren mit rund 1.000 Leuten im Einsatz, die Aufräumarbeiten dauerten am Mittwoch noch an.

Katastrophenalarm

In drei Gemeinden im Bezirk Murtal in der Steiermark ist in der Nacht auf Mittwoch infolge der heftigen Unwetter der Katastrophenalarm ausgerufen worden. Für Amering, Eppenstein und Obdach wurde durch die Bezirkshauptmannschaft Murtal in der Nacht rückwirkend für 17.00 Uhr der Katastrophenalarm gegeben, erklärte Mario Maier von der Landeswarnzentrale Steiermark.

Einige Gehöfte seien wegen Muren, weggerissener und unterspülter Straßen überhaupt nicht erreichbar, so Meier. Die Aufräumarbeiten hätten mit schweren Gerät die ganze Nacht über angedauert. "Das wahre Ausmaß der Schäden wird aber erst bei Tageslicht ersichtlich werden." Dann werde entschieden, ob der Einsatz des Bundesheeres notwendig sei, so der Landeswarndienst.

Rund 120 Feuerwehrleute standen am Dienstag im Bezirk Murtal im Einsatz. Nur Tage nach den Unwettern im Paltental hatte Starkregen erneut Überflutungen und Muren ausgelöst. In Eppenstein, Weißkirchen, Obdach und Maria Buch-Feistritz heulten die Sirenen: Katastrophenalarm wurde ausgerufen. Der Granitzenbach war über die Ufer getreten.

In Bischoffeld (Gemeinde Gaal) wurden Keller und ein Wirtschaftsgebäude überflutet, in Apfelberg verlegte eine Mure die Straße zu einem Firmengelände. Wegen einer weiteren Mure entgleisten zwei Waggons eines Güterzuges und kippten um. Verletzt wurde niemand. Zwei Personen mussten in Zeltweg aus einem Haus, das von Wassermassen eingeschlossen war, gerettet werden. Wegen Überflutungen und zerstörter Stromleitungen wurde die Obdacher Straße (B 78) zwischen Weißkirchen und Kärnten gesperrt.

Grazer Feuerwehren im Dauereinsatz

Knapp 60 Einsätze und Alarme hatte die Grazer Berufsfeuerwehr am Dienstag bedingt durch die starken Regenfälle zu bewältigen. Neben einer Vielzahl an Brandmeldeanlagenalarmen galt es umgeknickte Bäume zu beseitigen, Pumparbeiten durchzuführen und Wassereinbrüche zu bekämpfen.

In der Heinrichstraße drohten - bedingt durch einen Wassereintritt - sich Deckenteile in einem Stiegenhaus zu lösen. Die Decke wurde im gefährdeten Bereich von der Feuerwehr gepölzt. Weiters musste das Dach des Landestierheimes mittels Planen zugedeckt werden. Zur Bewältigung der anstehenden Alarme standen die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr Graz über mehrere Stunden im Dauereinsatz.

Der Ameringer Bürgermeister Peter Bacher meinte im ORF Steiermark, es habe sich um ein "Jahrhundert-Unwetter" gehandelt. Eine Person habe sich gerade noch aus einer Garage in Sicherheit bringen, ehe diese weggerissen worden sei. Der Ort Amering war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten und konnte von den angeforderten Hilfskräften über die Bundesstraße nicht erreicht werden.

Bezirk Voitsberg

Am Dienstagnachmittag kam auf der A 2 bei Mooskirchen wegen der Regenfälle ein Fahrzeug von der Fahrbahn ab, eine Person wurde leicht verletzt. Auch in Edelschrott musste die Straße wegen Vermurungen kurzfristig gesperrt werden. In Maria Lankowitz ist man am Mittwoch noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Straßenüberschwemmung und Vermurungen gibt es auch in Kirchberg, Puchberg und Kemetberg - einige Keller müssen noch ausgepumpt werden.

Bereits am späten Nachmittag fiel der Regen in Strömen, wenig später ertönten auch schon die Sirenen - wie schon einmal im Jahr 2006. In Eppenstein standen Augenzeugen auf der Brücke und blickten in den reißenden Granitzenbach. "Sehe ich diesen Fluss, habe ich Angst. Ich erinnere mich gut an das letzte Hochwasser, damals war alles kaputt", seufzte Kriechhilde Staubmann. Auch Ernst Steinhuber wurde angst und bang: "Bei der letzten großen Überschwemmung hatte ich 70 Zentimeter Wasser im Keller." In Obdach und Weißkirchen hieß es auch am Dienstag wieder "Land unter". Das Wasser drang durch den Kanal auf die Straße. Ewald Peer, Bürgermeister von Weißkirchen, gab in Gummistiefeln Anweisungen. "Derzeit haben wir die Lage unter Kontrolle. Wenigstens funktioniert der Kanal noch."

Um 19 Uhr heulten wieder die Sirenen. Und es regnete unaufhörlich weiter. Bis zu 177 Liter pro Quadratmeter fielen binnen eineinhalb Stunden. "Das Unwetter wird sich nicht so schnell beruhigen und im Süden und Osten auch in der Nacht aktiv sein", sagte Meteorologe Friedrich Wölfelmaier am Dienstag.

Vom Blitz getroffen

Das wurde zwei Personen in Waisenegg (Bezirk Weiz) zum Verhängnis. Die beiden wurden auf einem Hochsitz von einem Blitz getroffen und verletzt ins Spital gebracht. In Obergnas schlug ein Blitz in den Dachstuhl eines Einfamilienhauses ein. Der Brand konnte von den Feuerwehren Gnas, Obergnas, Kohlberg und Baumgarten, die mit sieben Fahrzeugen und 47 Einsatzkräften ausgerückt waren, gelöscht werden. Auch in Gabersdorf schlug ein Blitz in ein Einfamilienhaus ein - der Dachstuhl geriet in Brand. Der Brand wurde von den Feuerwehren Gabersdorf und Neudorf, die mit 33 Einsatzkräften ausgerückt waren, gelöscht. Bei beiden Bränden wurde niemand verletzt.

Fakten

In der langjährigen Statistik von ALDIS nimmt der 3. Juli Rang 6 jener Tage mit der größten Blitzaktivität über Österreich seit 1992, dem Beginn der Aufzeichnungen, ein.

Am stärksten betroffen war dabei die Steiermark, in der alleine 10.708 Blitze detektiert wurden. Generell zählen - wie die langjährige Statistik zeigt - die Bundesländer Steiermark und Kärnten zu Österreichs Blitz-Hotspots.

Am späten Abend ortete Katastrophenschutzreferent Kurt Kalcher erstmals leichte Entspannung: "Jetzt stehen die Aufräumarbeiten im Vordergrund, 20 Feuerwehren sind im Einsatz." Einige davon auch in der Süd- und Weststeiermark. In Deutschlandsberg, Graz und Leibnitz gab es Hagelunwetter. Mitglieder des Vereins "Stormhunters" registrierten in Zwaring-Pöls sieben Zentimeter große Schloßen.

Überschwemmungen in Kärnten

Auch im Kärntner Lavanttal führten die Unwetter am Dienstagabend zu rund 150 Einsätzen der Feuerwehren. Nach heftigen Starkregen wurden vor allem Keller und Straßen in der Region geflutet. Es wurde erwartet, dass die Aufräumarbeiten bis in die Nachtstunden andauern. Orkanartiger Wind, sowie heftige Gewitter mit Starkregen ließen Bäche über die Ufer treten. Die Wassermassen überfluteten in den Gemeinden Wolfsberg, St. Andrä, Reichenfels und Bad St. Leonhard auch zahlreiche Keller. Auch Straßen waren in den Abendstunden nicht mehr passierbar, zahlreiche Bäume wurden umgeknickt.

Bei Frantschach/St. Gertraud gab es im Prössinggraben in der Nähe einer Wohnsiedlung zwei Erdrutsche. Häuser wurden dort aber nicht beschädigt und niemand verletzt. An die 300 Mann der umliegenden freiwilligen Feuerwehren standen während des heftigen Gewitters im Lavanttal im Einsatz.

Wien und Niederösterreich

Auch in Niederösterreich musste die Feuerwehr wegen mehrerer Brände infolge von Blitzschlägen ausrücken, zudem waren zahlreiche Keller von Überflutung bedroht. Im Bezirk Baden kam es in einem Einfamilienhaus in Leobersdorf vermutlich nach einem Blitzschlag zu einem Dachstuhlbrand, wie die Sicherheitsdirektion Niederösterreich mitteilte. Im Bezirk Neunkirchen meldete die Feuerwehr drei Brände. Der größte davon betraf ein Wohnhaus in Sankt Valentin, 65 Mann der Freiwilligen Feuerwehren konnten den Brand nach einem Blitzschlag rasch unter Kontrolle bringen. In Rohrbach stand das Erdgeschoß eines Wohnhauses im Vollbrand. Die über 80-jährige Hausbewohnerin konnte sich laut Feuerwehr in letzter Minute selbst aus dem Wohnhaus retten. Sie wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Landeskrankenhaus Neunkrichen gebracht.

In Wien regnete es ebenfalls heftig, die Feuerwehr meldete aber bis in die frühen Morgenstunden keine Unwetter-Einsätze.

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