28. November 2014, 13:05 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 29.04.2012 um 09:54 UhrKommentare

G7 auf Wanderschaft: Alles auf keine Karte gesetzt

Die zweite Hälfte der Kulturhauptstadttour nach Marburg: Auf Umwegen erreicht G(eh)7 im unbekannten Land nach fünf Tagen das Ziel: über Weinberge, Häuser mit Hunden und Pock-Bier.

Foto © G7

Hätte man uns nach einem Namen für die Zusammenlegung von Feldbach und Radkersburg gefragt, hätten wir statt "Vulkanland" und "Südoststeiermark" diese vorgeschlagen: "Bankerlsitzer-Paradies", "Wenig-Siedler-Land", "Natur-Aroma-Gegend" oder "Ein-Hügel-für-jeden-Bürger-Bezirk". Und das ist positiv gemeint.

St. Stefan/Rosental-Pichla

Reizvolle Abgeschiedenheit begleitet uns weiter auf dem "Grabenland-Trail". Die Etappe III führt uns - endlich! - vorbei an Weinbergen, Weinstöcken und Postkartenpanoramen. Aber während sich an frühlingsfrohen Tagen der Verkehr an der prominenten südsteirischen Weinstraße staut, marschieren wir hier weiter durch touristisch wenig berührte Breiten. Erster Zwischenstopp: die Glojach-Kapelle (469 Meter), die auf einem Hügel alles andere rundherum überragt. Angeblich soll man von dort oben sogar den Schloßberg sehen. Weit weg von der Stadt erspähen wir lieber Berggipfel: Großer Speikkogel, Demmerkogel oder Hochlantsch.

Wir müssen weiter, Kilometer machen. Daher zweigen wir vor Wolfsberg ab und lassen uns - weil die empfohlene Buschenschank Trummer am Pessaberg zu ist - im Nikolaierhof in St. Nikolai ob Draßling (Leibnitz) an stämmigen Wirtshaustischen nieder. Bei üppigen Portionen kann man Folgendes beobachten: Menschen verlassen, bepackt mit Plastiksäcken voller Dosen und Tiegel, die Gaststube. Die Kellnerin löst das Rätsel: "Die sind von einer Werbereisefahrt nach Dalmatien." Aha. Und: "Die machen oft bei uns Station."

In Perbersdorf bei St. Veit wären wir schon müde. Quartier ist aber weit und breit keines aufzutreiben, also weitergehen. Vorbei an der Sulzegg-Quelle (Mineralwasser) im Schwarzautal, über Lipsch, wo das erste Geschäft seit Graz offen hat. Dort trennen uns noch 1,5 elendslange und brettlebene Stunden von Pichla, wo uns ein Bekannter Unterschlupf gewährt.

Nach der Tagesnetto-Gehzeit von 8,5 Stunden hätten wir keinen besseren Platz als das "Landwerkstatt & Genusslabor" von Georg Pock und Familie finden können. Abends stoßen wir mit seinem selbst gebrauten fantastischen Pock-Bier an, das es in der Spitzengastronomie bereits zu Kultstatus gebracht hat und das uns zu Bärlauch-Eierspeise aufgetischt wird. Danke schön!

Pichla-Pernica

Programmänderung: Weil die Murfähre in Weitersfeld zwar ab sofort wieder, aber uns eben noch nicht übersetzte, müssen wir nach Mureck - per Zugfahrt. Entlang der Mur nähern wir uns zu Beginn der Etappe IV dem Grenzübergang. Leider ist die Slowenien-Wanderkarte, die so schwer zu bekommen war, noch vor dem Grenzübertritt verloren gegangen. So wird das unbekannte Land auch nicht bekannter. Ersatz ist keiner aufzutreiben.

Wir folgen der Markierung eines Pilgerweges und stranden zum ersten Mal: mitten in der Böschung im Bärlauchwald. Einen Kampf durchs Dickicht später entern wir die Häuseransammlung mit dem Ortsschild Trate und folgen einsamen Waldwegen und Seitenstraßen nach Zgornja Velka mit seiner Wallfahrtskirche Maria Snezna (Maria Schnee), die am Hügel thront.

Erster Eindruck von Slowenien: Es scheint, als gehöre zu jedem Haus ein Hund. Und der kleine Privatweingarten. Und Ruhe. Ob die Gegend um Gamlitz auch einmal so bodenständig war? Innovativen Speisen ist man in der Pizzeria nicht abgeneigt. Highlight auf der Karte: Schnee-Pizza (mit Crème fraîche).

Wie der Tag ausgegangen ist? Nach mehreren Stunden Marsch kommen wir auf mehreren Umwegen, über noch mehr Häuser mit Hunden in Jakobski Dol mit der Kirche Sveti Jakob an. Erledigt. Die Beichte: In den nächsten zwei Stunden widmen wir uns Wein statt Bein - und lassen uns von Sasa Fluher vom Kaliska Hotel in der super Pizzeria Zmavc abholen - zwei Stunden Gehzeit zu früh. Weil es schon finster wurde, hätten wir das nie mehr bis nach Mocna bei Pernica geschafft. Willkommenszitat des Managers: "Es ist unser Job, die Überlebenden zu retten." Haben wir echt so fertig ausgeschaut?

Pernica-Marburg

Die Autofahrt machen wir im Finale wieder gut. Nach vier Tagen trennt uns nur noch ein Katzensprung von der Kulturhauptstadt. Weil man sie von oben schon erspäht, schieben wir eine Extra-Runde zur Kirche von Gorca ein. Dort, über den Weingärten und Villen der Draustadt, baden wir in Erinnerungen an fünf wunderschöne, landluftige Tage und 188 ergangene Kilometer. Zu schnell war's vorbei, denken wir, auf der Rolltreppe des Shoppingcenters, die uns zurück in die Zivilisation und zu neuem Abendoutfit führt.

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Graz - Marburg

  • Die Naturfreunde wandern in fnf Tagesetappen immer samstags:

    Kirchbach - St. Nikolai, 12. Mai,

    St. Nikolai - M. Snezna, 26. Mai,

    M. Snezna - Maribor, 9. Juni.

    Anfahrt erfolgt per Bus. Infos und Anmeldung: Tel. (0316/82 62 65

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