20. Dezember 2014, 14:41 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 29.04.2012 um 07:00 UhrKommentare

Gerhard Gobiet: Teamchef im Tunnel

Gerhard Gobiet leitet das Bauteam des Semmering-Basistunnels. "Das ist unsere Lebensaufgabe."

Foto © Fuchs

Ein Leben wie auf Schienen, ist man versucht zu sagen. Zur Biografie von Gerhard Gobiet passt dieses Bild. An der Spitze eines Zuges steht er nur im übertragenen Sinn, in der Steiermark darf er sich aber zu den Wegbereitern zählen. Ein Berufsleben für die Schiene: Seit 2002 war der Grazer unter anderem für den zweigleisigen Ausbau der Südbahn und für die Zulaufstrecke der Koralmbahn mitverantwortlich.

Und wieder steht der 44-Jährige unter Strom - oder, wie er sagt, mitten in seiner Lebensaufgabe: Der Bauingenieur ist ÖBB-Projektleiter für den Bau des Semmering-Basistunnels, dessen Spatenstich am vorigen Mittwoch in Gloggnitz gefeiert wurde. Die lange Vorgeschichte des Tunnels begann, da war Gobiet im Alter von 13 Jahren. Sie muss aber nicht mehr erzählt werden.

Mit dieser Vergangenheit will sich Gobiet ohnehin nicht mehr befassen als nötig. "Wir sind froh, für die Realisierung ein Zeitfenster erwischt zu haben, wo das Projekt auf breitem Konsens steht", sagt Gobiet zu den Diskussionen um den Tunnel.

Oft spricht er in der Wir-Form. Die Vorstellung seines Teams macht er auch zur Bedingung, sich porträtieren zu lassen. "Ich habe zwar die Ehre, Projektleiter zu sein, aber einer allein kann das unmöglich schaffen."

Mit Wolfgang Grafoner (43) hat Gobiet bereits beim Südbahnausbau nach Slowenien gearbeitet. Er ist jetzt für den Umbau des Bahnhofes Leibnitz verantwortlich und wird dies danach beim Semmeringprojekt für die Bahnhöfe Gloggnitz und Mürzzuschlag sein. Gernot Nipitsch (37) startet hingegen in der Mitte: Er wird ab 2014 den Baueinstieg im Fröschnitzgraben und damit eines von drei großen Baulosen leiten. "Der Umfang ist eineinhalb Mal so groß wie der größte Bauabschnitt des Koralmtunnels", erklärt Gobiet die Dimension.

Der Vortrieb erfolgt nicht nur konventionell, also mit Sprengungen, sondern auch durch riesige Bohrmaschinen, die vor Ort zusammengebaut werden. Dafür gibt es derzeit weltweit drei Hersteller. Mit dem Grazer Oliver Wagner hat Gobiet einen der gefragtesten Tunnelbauexperten Österreichs im Team. Die Fäden für das Projekt laufen in einem Büro mitten in Graz zusammen.

Nur Dieter Haas (49) - der "alte Hase", der als Manager bereits beim alten Projekt an Bord war - ist als ständiger Ansprechpartner in der Region. "Wir planen transparent, erklären jeden Schritt und versprechen nur, was wir halten können. Damit wächst das Vertrauen in der Bevölkerung", sagt Gobiet.

Planbar sei der Karriereschritt nicht gewesen, betont das Team. "Aber es haben sich alle verdient gemacht." Bei der Zulaufstrecke zur Koralmbahn habe man den Zeit- und Kostenplan gehalten, "daran werden wir auch beim Semmering gemessen", weiß der Chef. 3,1 Milliarden Euro stehen in der Aufstellung - sie umfasst 11.809 Positionen auf 226 klein bedruckten Seiten im Format A 3. "Wichtig", sagt Gobiet, "ist die Kontinuität. Wir hoffen schon, dass wir fertigbauen dürfen."

Aktueller Zeithorizont ist der Fahrplanwechsel 2024/25. Dann sollte die Lebensaufgabe abgeschlossen sein. Noch liegen zwölf fordernde Jahre vor der Mannschaft. Sie weiß, eine 40-Stunden-Woche geht sich nicht aus. "Wir alle haben Familien, die dafür zum Glück sehr viel Verständnis aufbringen."

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Zur Person

  • Gerhard Gobiet, Jahrgang 1967, studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Graz und schloss 1994 ab. Danach arbeitete er drei Jahre lang als Zivilingenieur.

    1997 stieß der Grazer zur damaligen HL-AG in Wien, der heutigen ÖBB Infrastruktur, und war im Vergabe- und Verdingungsrecht tätig.

    2002 kehrte er in die Steiermark zurück. Hier zeichnete er unter anderem für den zweigleisigen Ausbau der Südbahn sowie für die Zulaufstrecke zur Koralmbahn verantwortlich.

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