23. November 2014, 01:08 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 07.03.2011 um 11:02 UhrKommentare

US-Experte: Drogensucht ist wie Diabetes

Obwohl seit Jahrzehnten erprobt und wirksam, ist die Substitutionstherapie bei Opiatabhängigkeit immer wieder umstritten. Völlig zu Unrecht, wie ein Experte nun meint.

Foto © Fotolia: Mr Twister

Das behauptet Robert Newman, unter anderem Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften am Albert Einstein College of Medicine in New York. In einem Gespräch mit der APA aus Anlass eines Fachseminars zur Therapie von Drogenabhängigen am Wochenende in Grundlsee in der Steiermark sagte er: "Drogensucht ist wie Diabetes. Die Hauptsache ist, die Abhängigen kommen in eine Behandlung und bleiben auch dort."

Rund 37.000 Süchtige in Österreich

In Österreich gibt es laut Schätzungen zwischen 25.000 und 37.000 Menschen mit problematischem Suchtgiftkonsum. Am gefährdetsten sind Menschen, die sich Opiate injizieren und Mischkonsum verschiedenster Substanzen betreiben. 2009 waren bereits rund 13.500 Opiatabhängige in Substitutionstherapie. Sie bekamen vom Arzt Substanzen die Methadon, Buprenorphin oder retardierte Morphine verschrieben. Das stabilisiert die Patienten, bringt sie weg vom Drogen-Schwarzmarkt. In Wien dürften bereits an die 70 Prozent der infrage kommenden Personen in Therapie sein, für Österreich ist liegt dieser Anteil aber offenbar darunter.

Robert Newman, der schon in den 1970er-Jahren in New York ein Drogensubstitutionsprogramm aufbaute, in dem mehr als 33.000 Patienten registriert waren: "In Europa sind schon eine Million Suchtkranke in Substitutionsbehandlung. Doch noch immer ist die 'Methadon-Behandlung' oder Substitution mit anderen Substanzen sehr stark stigmatisiert. Das ist falsch."

Unter Druck gesetzt

Oft - so der US-Experte - würden Abhängige unter Drohungen gesetzt. Der Arzt, ehemals Chef einer Krankenhauskette mit 2,2 Mrd. US-Dollar Umsatz in New York: "Wenn zum Beispiel Drogenkranke unter Substitutionstherapie noch zusätzlich andere Drogen konsumieren, bedroht man sie oft mit dem Rausschmiss aus der Substitutionstherapie. Aber wenn ein Diabetiker Probleme mit seiner Blutzuckereinstellung hat, dann ändert man eben etwas an der Verschreibung von Insulin. Die tatsächliche Gefahr ist, dass den Drogenkranken die Behandlung einfach 'abgedreht' werden soll. Nichts kann eigentlich schlimmer sein, als jemanden aus der Therapie rauszuwerfen."

Für Newman ist die Therapie von Drogenabhängigen die einzige Möglichkeit, diese chronische Erkrankung in den Griff zu bekommen. "Es ist immer nur die Frage, was die Alternative zu einer Behandlung ist. Und die ist immer die schlimmere. Wir brauchen möglichst viele verschiedene Opiat-Substitutionsmittel. Wir sind ja auch froh, dass wir für verschiedene Patienten unterschiedliche Mittel zur Behandlung des Diabetes haben. Die Entscheidung für die eine oder die andere Therapie muss der Arzt gemeinsam mit dem Patienten treffen. Man kann in der Drogenersatzbehandlung auch nicht von oben herab bestimmte Medikamente einfach vorschreiben."

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