27. November 2014, 14:23 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 20.12.2012 um 20:14 UhrKommentare

Tscheliessnigg: "Ich bin nirgendwo angekettet"

Der designierte Kages-Vorstand Karlheinz Tscheliessnigg plädiert für die Schließung der Ausseer Chirurgie, akzeptiert die LKH-West-Übernahme, plant neue Ärzte-Gehälter und dementiert Spekulationen.

Foto © KANIZAJ

H erz-Transplantations-Pionier, Ex-Klinikvorstand, Betreiber des LKH-2020-Projekts (Anm.: Neubau zentraler Abteilungen am Uniklinikum). Das war die bisherige Kurz-Biographie von Karlheinz Tscheliessnig. Nur wenige Monate nach ihrer Pensionierung tun Sie sich den Vorstandsjob in der Spitalsgesellschaft Kages an. Haben Sie Bedenken, dass der Name Tscheliessnigg in einem politisch besetzten Job beschädigt wird?

KARLHEINZ TSCHELIESSNIGG: Die Möglichkeit besteht. Ich habe auch sehr lange gezögert, bis ich mir das zugetraut habe. Aber ich wurde auch von vielen Seiten bedrängt, das zu machen.

Die Empfehlung von LH-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer Sie zum Vorstand zu machen gibt Anlass zu Spekulationen: Sind Sie sein verlängerter Arm, um Reformen von Spitalslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder zu bremsen?

TSCHELIESSNIGG: Nein. Meine Einstellung war immer neutral zu bleiben. Ich habe weder ein Parteibuch, noch bin ich irgendwo angekettet. In Sachen Bad Aussee bin ich vor wenigen Jahren gegen die ÖVP-Parteilinie mit meinem jetzigen Vorstandskollegen Ernst Fartek im Report aufgetreten.

Sind Sie weiter gegen eine Chirurgie in Bad Aussee? Die Pläne eines deutschen Betreibers für das LKH wurden ja von höchster politischer Stelle abgewürgt.

TSCHELIESSNIGG: Wir können nicht in allen Spitälern das Gleiche machen. Die scheinbare Sicherheit die man der Bevölkerung mit kleine Abteilungen vermittelt, ist nicht gegeben. Einen Blinddarm im Monat zu operieren ist zu wenig Praxis. Wir werden kein Spital schließen, aber alle unterschiedlich bespielen.

Das heißt für Bad Aussee?

TSCHELIESSNIGG: Eine Ambulanz für die Erstversorgung, ein gut funktionierendes Notarztsystem, die Nachbehandlung chirurgischer Fälle, eine exzellente Notaufnahme. Aber aus meiner Sicht können wir die Chirurgie, so wie sie besteht, auflassen. In Wahrheit fahren die Transporte bei schwereren Fällen nach Rottenmann. Das ist keine despektierliche Meinung, es ist die Realität.

Auch gegen die Übernahme des LKH West durch die Barmherzigen Brüder haben Sie sich ausgesprochen. Wurden sie angeheuert, um die Übernahme zu kippen?

TSCHELIESSNIGG: Das MedUni-Rekorat und ich hatten andere Vorschläge für eine Kooperation. Der Eigentümer will die Übernahme. Eine Entscheidung, die man akzeptieren muss.

Ihr Projekt LKH2020 schien zuletzt aus dem Ruder zu laufen . . .

TSCHELIESSNIGG: . . . und ich mache den Vorstandsjob auch deshalb. Ich habe den Eindruck dass die Pläne - etwa für die Radiologie - nicht so umgesetzt werden, wie sie dem medizinischen Fortschritt und der medizinischen Notwendigkeit entsprechen.

Die Vorzeichen für Ärzte im Vorstand sind aber nicht gut: Josef Möse oder Michael Höllwarth, die in den Kages-Vorstand wechselten, scheiterten. Passen Arzt und Manager überhaupt zusammen?

TSCHELIESSNIGG: Es besteht die Gefahr, dass der medizinische Wille in Opposition zur realistischen Machbarkeit kommt. Dieser Kampf führt oft dazu, dass der Arzt zu stark zuschlägt und zu wenig die finanzielle Realität berücksichtigt. Ich glaube dass ich als Klinikvorstand bewiesen habe, das gut im Griff zu haben. Wenn es aber um Patientenversorgung geht, bleibe ich hart. Die Qualität muss nicht gehalten sondern weiter gehoben werden.

Werden Sie sich auch um eine bessere Arbeitsqualität für Spitals-Ärzte bemühen?

TSCHELIESSNIGG: Ein wichtiges Anliegen. Ab 50/55 Jahren sollte man die Nachtdienste abschaffen. Aber: Diese Ärzte verdienen damit ein Drittel des Gehalts. Deshalb will ich ein neues Gehaltsschema, um Verluste abzufedern. Das ist insgesamt bezahlbar.

In Diskussion ist auch ein neues Verteilungssystem der Gebühren, die mit Klassepatienten verdient werden: Jene Ärzte, die in Sanatorien, also Konkurrenzunternehmen zu den Landesspitälern, behandeln, sollen weniger Gebühren bekommen, als jene, die Klassepatienten ins Spital bringen - und so das Budget der Spitäler auffetten.

TSCHELIESSNIGG: Warum darf ein Mitarbeiter überhaupt bei einem Konkurrenzunternehmen arbeiten? Das gibt es nirgendwo! Wir müssen natürlich unsere Gebühren für die Ärzte anheben, weil draußen ein Arzt für die gleiche OP am Klassepatienten mehr verdient als bei uns. Das ändert man nicht von heute auf morgen. Vielleicht könnte man gemeinsam mit den geistlichen Häusern eine neue Lösung schaffen. Aber das ist, wie alles andere, das ich gesagt habe, vorbehaltlich: Ich muss mich erst mit Vorstandskollegen Ernst Fartek abstimmen.

INTERVIEW: DIDI HUBMANN

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Mein Marktplatz

  • Auf dem Marktplatz können Sie jeden Sonntag in Ihrer Region Veranstaltungen ankündigen oder Dinge verkaufen.

Hurra, wir sind da


Regionalredaktion Liezen