25. November 2014, 00:08 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 10.11.2012 um 19:55 UhrKommentare

Ihre ganz persönliche Geschichte

Autor Bernd Chibici und die Kleine Zeitung luden ein, kurze, persönliche Geschichten niederzuschreiben. Zwölf davon werden mit Büchern belohnt - hier eine Auswahl.

Foto © APA

Mit der "Macht der Story" setzt sich Autor Bernd Chibici in seinem jüngsten Buch auseinander - Anlass für ihn und uns, Sie einzuladen: Ihre ganz persönliche kurze Geschichte zu Papier bzw. Computer zu bringen.

Ein Unfall, eine kuriose Einkehrgeschichte, eine Auseinandersetzung mit sich selbst oder mit der schrillen Dame, die mit ihrem Telefongespräch ein ganzes Zugabteil "unterhält" - der Geschichtenbogen ist ein ganz, ganz weit gefächerter. Wir haben einige "Storys" ausgewählt, bringen hier einen Auszug daraus und im Internet diese und weitere ausgewählte Geschichten zum Nachlesen.

Zwölf Teilnehmer werden mit je einem Buch von Bernd Chibici belohnt, die Gewinnverständigung erfolgt schriftlich.

Morgengrauen

Niemand wusste es. Niemand konnte es ahnen. Und niemand hätte es je für möglich gehalten. Und doch geschah es vor unser aller Augen. Die Nacht vor jenem Tag, an den wir uns heute noch mit Schrecken erinnern, war eine ganz gewöhnliche. Nichts deutete auf ein herannahendes Ereignis hin, und so saßen wir versammelt auf der Veranda des Hauses, gemütlich über dieses und jenes plaudernd, Witze und Geschichten aus dem Alltag erzählend, und hin und wieder einen Schluck Bier trinkend . . .

Und plötzlich zerbarst der Zaun in tausend Teile. Ein meterlanger Lastkraftwagen schoss in den Garten, alles auf seinem Weg in Schutt und Asche legend. Wir stoben auseinander, hetzten in alle Richtungen davon, nur weg von dem Gefährt, das noch immer nicht zum Stillstand kam und weiter auf das Haus zuschlitterte. Unser Freund war im Chaos aus herumfliegendem Schutt und berstendem Holz untergegangen, niemand wusste mehr, ob es ihm gut ging oder nicht. Wir rannten panisch aus dem Weg, um nicht getroffen zu werden.

Das ramponierte Fahrzeug kam nun endlich, die Holzeinfassung der Veranda berührend, zum Stehen. Alles war zerstört und es herrschte heilloses Durcheinander.

Wie wir später erfuhren, war der Fahrer am Steuer eingeschlafen und von der Fahrbahn abgekommen. Unseren Freund fanden wir bewusstlos, aber lebend in der Nähe des zerstörten Gartenzaunes. Er wurde von einem größeren Trümmerstück getroffen und zur Seite geworfen, was ihm wahrscheinlich das Leben rettete. MARC KROISENBRUNNER, ST. MAREIN/MÜRZTAL

Improvisierte Freiheit

Na, echt Oida? Bist deppert! I dat eam ane kleschn!" Mir scheint, als würde die schrille Stimme immer lauter werden. Ruhig durchatmen.

Oft stelle ich mir die Frage, ob das Handy wirklich eine gute Erfindung des Menschen war oder ob es mittlerweile den Sinn verfehlt hat. Ursprünglich gedacht als Kontaktmedium, ist es in einer Zeit technischen Wahns zu Kontrollinstrument, Beschäftigungstherapie und Wertkompensation in einem geworden. Meine Gedanken spinnen sich von selbst und ich bin froh, wenn ich mein persönliches Kontrollinstrument für ein ruhiges Wochenende ins Exil sperren kann.

"Jo, na, i versteh di! Is echt a Schaß!"

Eine Minute, 30 Sekunden, 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, 0. Der Zug steht. Ich betätige den Türöffnungsmechanismus und steige aus. Endlich wieder in Freiheit. NORA WASTL, KINDBERG

Dreimal Kaiserschmarrn, bitte

Nach meines Mannes Tod fühlte sich mein Schwager Viktor einmal bemüßigt, mich zu einer Fahrt ins Blaue einzuladen. Ich freute mich, hatte aber so meine Bedenken, weil Viktor kein exzellenter Autofahrer war und in seinem Dasein schon des Öfteren mal "abgerutscht" ist. Aber diesmal ging zum Glück alles gut. Mit von der Partie war auch Schwägerin Helga.

Die Reise ging in den Lungau. Bereits in Ramingstein verspürten wir großen Hunger und beschlossen, auf der Weiterfahrt Richtung Zederhaus im Dorf Thomatal deswegen zu halten. Gegenüber der Kirche in dem großen weißen Haus kehrten wir ein.

Scheinbar waren wir in das Extra-Zimmer des Kirchenwirtes geraten, denn für eine Wirtsstube war dieses mit gutbürgerlichem Wohnzimmercharakter ziemlich klein. Ein Mann in einem schwarzen Anzug und eine rundliche Frau haben ihre Köpfe zusammengesteckt und sahen uns neugierig entgegen. Nach der Begrüßung taten wir gleich unseren Hunger kund und fragten, was es denn Gutes zu essen gäbe. Der Herr in Schwarz meinte: "Bei uns gibt es heute Kaiserschmarren und Zwetschkenröster." Wir waren uns einig und bestellten davon eben drei Portionen. Dieses Essen schmeckte vorzüglich. Dann verlangte ich die Rechnung. Der seriöse "Ober" sagte: Bei so einem großen Hunger und gesegnetem Appetit wäre nichts zu bezahlen. Nun hatte ich zum zweiten Mal so ein mulmiges Gefühl. Ich legte aber einen nach meinem Dafürhalten angemessenen Betrag für die drei Mahlzeiten auf den Tisch. Mit Wünschen für eine gute Weiterfahrt und einem freundlichen "Grüß Gott" standen wir wieder vorm Haus.

Erst da fiel bei mir nun endlich der Groschen! Wir waren nicht in einem Gasthaus eingekehrt, sondern ließen uns irrtümlicherweise im Pfarrhof von Thomatal bewirten. RESI PIRKER (91), ST. LAMBRECHT

Am See

Mein Blick ist auf den See gerichtet. Nichts stört. Nichts lenkt ab. Kein Buch, keine Musik, kein Gespräch. Nur ich. Ungewohnt. Neu. Ich hatte mich verloren. Wo? Egal. Irgendwo am steinigen Lebensweg. Aber hier herrscht Ruhe. Jeder Atemzug bringt mehr Entspannung, aber auch Glaube an mich selbst. Der Blick in die Zukunft hellt sich auf von Schwarz in Grau. Aber das ist fürs Erste schon genug. Lieber in kleinen Schritten nach vor, aber nie mehr große Schritte zurück. KARIN SCHARLER, GLEISDORF

Das schönste Geschenk

Es war im Advent des Jahres 1967. Ich war zehn Jahre alt und wie jedes Jahr in großer Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Da erreichte uns eines Morgens die Nachricht, dass der Vater bei Waldarbeiten schwer verletzt worden war. Wie angewurzelt standen wir in der Küche.

An diesem Abend konnte ich nicht gleich einschlafen. Ich lag mit offenen Augen im Bett und erinnerte mich an die Weihnachtsgeschichte, die Mutter und Vater uns Kindern jeden Weihnachtsabend vorgelesen hatten. An diese frohe Botschaft also erinnerte ich mich, kuschelte mich unter die Decke und betete innig.

Mein Kindergebet, das aus tiefstem Herzen kam, wurde auf wunderbare Weise erhört. Und am Heiligen Abend gingen wir Kinder an Vaters Hand wie jedes Jahr zu unseren Nachbarn, um gute Wünsche zu überbringen. MARIA WIESINGER, ST. LORENZEN/SCHEIFLING

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