18. Dezember 2014, 14:33 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 07.10.2012 um 05:30 UhrKommentare

Meister der subtilen Töne und Gefühle

Julian Pölsler den ziemlich schwierigen Roman "Die Wand" in einem faszinierenden Kinofilm verwandelt. Sieben Jahre lang hat er am Drehbuch gearbeitet. - Porträt eines Beharrlichen.

Foto © APA

Im ersten Moment könnte man ihn fast für gemütlich halten: Julian Pölslers Rede ist ruhig, seine Bewegungen sind gemessen. Aber das täuscht: Die Sparsamkeit des Ausdrucks dient ihm ausschließlich dazu, seine wesentlichste Eigenschaft zu pflegen: Die Beharrlichkeit.

Sein soeben in die Kinos gekommener Film "Die Wand" ist ein gutes Beispiel dafür. Zahlreiche Regisseure und Produzenten sind an diesem Roman der früh verstorbenen Marlen Haushofer schon in der Vorbereitungsphase gescheitert: "Unverfilmbar" hieß jedes Mal am Schluss.

Ein idealer Fall für Julian Pölsler: "Ich habe das Buch vor 25 Jahren zum ersten Mal gelesen und mit gedacht, das wird ein Spaziergang, denn das ist ein Klassiker, in 19 Sprachen übersetzt, er wurde von mehr als einer Million Menschen gekauft."

Von wegen Spaziergang: Sieben Jahre hat Pölsler intensiv am Drehbuch gearbeitet, dann zwei Jahre gedreht. Dabei gab es sogar noch kurz vor dem Start ein Riesenproblem: "Ich musste heftigste Widerstände bekämpfen. Dadurch kam es beispielsweise dazu, dass mir drei Monate vor Drehbeginn mein kompletter Stab abhandenkam. Ich habe sie alle verloren, meinen Kameramann, die Ausstatterin. Sie hatten Angst, dass der Film platzt und sie dann ohne Job dastehen. Das habe ich verstanden."

Gewinn

Es nahm, wie so oft bei Julian Pölsler ein gutes Ende: "Die Wand" und mit ihr die Hauptdarstellerin Martina Gedeck werden allseits hoch gelobt.

In jungen Jahren war er Assistent beim legendären Axel Corti. Offenbar mit Gewinn. Alle seine Filme zeichnen sich durch intensive Liebe zu Details, herrliche Kameraführung und ruhigen Erzählfluss aus. Das war bereits bei seinem ersten Opus Magnum "Die Fernsehsaga" so und bei der "Polt"-Serie auch. (Sie soll übrigens fortgesetzt werden)

Und noch etwas hat Pölsler von Corti gelernt: Er kann massive Gefühlsregungen ohne Kitsch ins Bild setzen. "Geliebter Johann Geliebte Anna", ein prachtvolles Melodram um den steirischen Erzherzog und eine spätere Gemahlin Anna Plochl waren ein jüngerer Beweis hiefür.

Der Hüne aus dem Paltental "und bekennende Steirer" mit Wohnsitzen in Wien, München und Altaussee hat viel zu tun: Soeben fertigt er ein Universum, in Hamburg dreht er eine "Bella Block-Folge", im Winter einen Kinofilm (Buch: Paulus Hochgatterer) und danach eine Bio von Luis Trenker mit Tobias Moretti.

Da der Vater von zwei Söhnen als Single lebt, geht sich das alles aus. Ganz nach seinem Lieblingszitat von Marlen Haushofer: "Ich bin jetzt ganz ruhig, ich sehe, das ist noch nicht das Ende. Etwas Neues kommt auf mich zu."

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