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Zuletzt aktualisiert: 24.07.2012 um 22:44 UhrKommentare

Wiederaufbau auch in der "Roten Zone"

Juristin: Die Unwetteropfer dürfen ihre Gebäude auch mitten in der Gefahrenzone erneut errichten. Oft mangelt es an Ersatzflächen.

Foto © LFV | Franz Fink

Nicht aus dem Kopf gehen den Steirern die Bilder vom Katastrophenschauplatz St. Lorenzen. Mit dem Wissen, dass dort viele Häuser klar in den Gefahrenzonen liegen, wächst die Kritik an Behörden. Warum durfte gebaut werden? Baut man wieder? Zwei Fragen von vielen.

Raumordnungsexpertin Liliane Pistotnig kennt die vielen Rechtsmaterien, die zu berücksichtigen sind. Grundsätzlich machen die Gemeinden die Flächenwidmungspläne, das Land kontrolliert. Schwarzbauten? "Dafür braucht es erst eine Anzeige", formuliert die Juristin.

Und doch lässt sich einfach nachvollziehen, warum in vielen obersteirischen Tälern heute ausgewiesene Gefahrengebiete weiterhin bewohnt sind. "Die wertvollen Bereiche wurden für die Landwirtschaft verwendet." Der Broterwerb ging vor. "Die Wohnhäuser baute man auf Schwemmkegeln. Billiger Baugrund", so Pistotnig. Das sei bei Altbeständen das Problem. Noch dazu "ist die Steiermark sehr stark zersiedelt".

Weitere Schwierigkeit: Oft gab (oder gibt) es örtlich keine andere Möglichkeit, als im Gefahrenbereich zu bauen. Die rote Zone (Wildwasser, Lawinen) ist tabu. Kein Bauland, grundsätzlich kein Neu- oder Zubau. Gleichsam ein "ausnahmsloses Bauverbot", wie es Umweltminister Nikolaus Berlakovich für Österreich fordert.

In der gelben Zone sind indes Ausnahmen möglich. Freilich nur mit Zustimmung der Behörden und unter Auflagen. Mitunter verschieben sich Gefahrenzonen, Gründe verlieren an Wert. Dann "gibt's einen Aufschrei in der Bevölkerung", berichtet Pistotnig. Aber: "Wir gehen sehr streng vor." Die Landespolitik hat 2005 die Konsequenzen aus Unwetterkatastrophen gezogen.

In Hochwassergebieten sind Ausnahmen möglich. "Wenn wasserwirtschaftlich alles getan wurde, ein Siedlungsschwerpunkt vorliegt und keine anderen Möglichkeiten bestehen", listet die Raumordnungsexpertin auf.

Was passiert, wenn was passiert ist? Dann wiegt das Eigentumsrecht schwer. Auch in St. Lorenzen können verwüstete Gebäude an Ort und Stelle wieder aufgebaut werden. Oder auf einer Ersatzfläche, auch im Freiland.

In der Praxis ist der Freiraum aber begrenzt. Oder Betroffene wollen nicht umziehen. Ausnahme: "In Gasen wurde nach dem Unwetterunglück das Haus nicht mehr aufgebaut", weiß man in der Wildbachverbauung.

Interessant: Die Raumordnung begann in der Steiermark (erst) mit dem Gesetz von 1974 zu greifen. Auch der Hochwasserschutz musste erst "sickern".

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Jetzt rollt eine Welle der Hilfsbereitschaft

  • TRIEBEN. Die Bereitschaft, den Unwetteropfern im Paltental zu helfen, ist bei den Lesern der Kleinen Zeitung riesig. Viele haben schon für unsere Aktion "Steirer helfen Steirern" gespendet, wer es noch tun will, kann das unter der Kontonummer 170.001 bei der Steiermärkischen Sparkasse (BLZ 20815). Wichtig: Das Kennwort "Unwetter" unbedingt angeben!

    Auch andere Institutionen wollen helfen. So ruft etwa der Spontanhilfe-Fonds des Roten Kreuzes zu Spenden auf. Die Feuerwehr, die neun Betroffene in den eigenen Reihen hat, greift ihren Kameraden ebenso finanziell unter die Arme. Am Montag übergab der Landesverband dem Ehepaar Gundi und Heinz Gabler und deren Schwiegersohn in spe, Armin Torggler, eine Soforthilfe in der Höhe von jeweils 5000 Euro. Beinahe der gesamte Hof der Familie samt den Fahrzeugen war dem Erdboden gleichgemacht worden.

    Auch Privatinitiativen stellen sich in den Dienst der guten Sache. Der Sonnwend- und Businesslauf in Gaishorn am See am 3. August wird zu einer reinen Benefizveranstaltung für die Hochwasseropfer im Paltental.

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