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Zuletzt aktualisiert: 04.04.2012 um 21:29 UhrKommentare

Ostermarkt: Alles rund um Henne und Ei

Ratschen, Holzeier, Filzpatschen oder Tiffany-Glasarbeiten: Der Ostermarkt in Graz erfüllt alle österlichen Wünsche seiner Besucher.

Foto © Gernot Eder

Prächtig bemalte Ostereier sind längst passé. Und auch bestickte Deckchen für den Osterkorb gehören nicht mehr zum Standardinventar eines Ostermarktes - zumindest nicht auf dem Grazer Hauptplatz. Gleich vor dem Rathaus etwa hat eine Ausstellerin einen Weidenzweig mit Tiffany-Glasarbeiten behängt, die im Sonnenlicht funkeln. Den Geschmack der Kundschaft trifft sie damit trotzdem oder vielleicht gerade deshalb: "Schau, schöne Sachen." Auch bei Stand Nummer zwei sucht man vergeblich nach Altbewährtem: Hier stellt man selbst gemachte Filzpatschen zur Schau.

Ein wenig österlicher geht es beim nächsten Aussteller zu: Er bietet Holzeier feil, die man mit Zahnstochern oder Geld füllen kann. Alles rund um die Henne sozusagen, von Hasen keine Spur. Wenn er mit seinen Kunden reden will, muss er allerdings fast schreien: Gleich gegenüber können Kinder ihre eigene Ratsche bauen und diese sofort ausprobieren. "Eigentlich ist es ruckzuck gegangen", erzählt der sechsjährige Thomas aus Liezen. Am Karfreitag will er sie zum ersten Mal zu Hause ausprobieren.

Nun will Thomas aber schnellstens ans andere Ende des Platzes. Denn dort gibt es schon einen Eisstand. In die steirische Landeshauptstadt gekommen ist er mit seinen Eltern. "Wir wollten einen Ausflug nach Graz machen", erzählt Mama Martina Fleischmann. Und aufgrund des schönen Wetters gab die Familie dem Ostermarkt den Vorzug. "Bei Regen wären wir ins Museum gegangen." Vom Feilgebotenen selbst ist die Liezenerin begeistert: "Es ist ein ausgesprochen schöner Markt, auf dem kein Kitsch zu finden ist."

Umsatzstärkste Tage

Nur Einzelstücke finden sich auch am Stand von Josefine Rainer: Kränze aus Schwemmholz oder Stein, die bereits dekoriert sind oder die man noch selbst mit bunten Eiern füllen kann, kleine Nester aus Federn, trockenem Gras oder Weide sowie Blumenübertöpfe aus Rinde. "Ich bin das erste Mal zu Ostern hier", erzählt die Ausstellerin aus Maria Saal. Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag sollen die umsatzstärksten Tage sein, habe man ihr erzählt. Doch die Kärntnerin ist schon jetzt zufrieden: "Ich habe am Palmwochenende gut verkauft und wegen des schönen Wetters kommen auch heute immer wieder Leute vorbei", sagt sie.

Über zu wenig Nachfrage kann sich auch der Gastrostand nicht beklagen: So mancher, aber auch so manche, gönnt sich hier schon vor Fleischweihe und Auferstehungsfeier ein saftiges Schinkenbrot mit frischem Kren samt einem Achterl Rot oder Weiß. Die Band vor dem Stand lässt mit ihrer Musik die Gäste mitschunkeln, obwohl es auch hier nicht steirisch hergeht: Mackie Messer aus der ,,Dreigroschenoper".

Nadine und Alma haben es sich an den Tischen vor dem Stand gemütlich gemacht. "Ich habe gerade eine Chemie-Prüfung hinter mir", ist Nadine erleichtert. Die zwei jungen Frauen haben sich in der Stadt getroffen, um das schöne Wetter zu genießen und "weil hier etwas los ist".

Ratschen

"Wenn die ,Ratschenbuam' durchs Land ziehen, dann schweigen die Glocken. Und zwar von Gründonnerstag bis zur Osternacht", so Karl Veitschegger, Referent für Glaubensinformation der Diözese Graz-Seckau. Die Menschen wurden beim Klang der Holzratschen zum Beten aufgefordert; das dabei verdiente Geld hatte auch eine soziale Funktion, da es einst noch keine Kinderbeihilfe gab.

Osterkreuz

Das "Kreuzhoaz'n" ist vor allem in der Ost- und Weststeiermark eine beliebte Tradition, die in der Nacht zum Ostersonntag stattfindet. "Dabei wird ein Holzgebilde in Kreuz- oder Kelchform angezündet", weiß Roswitha Orac-Stipperger, Chefkuratorin des Volkskundemuseums in Graz. Die traditionellen Symbole wurden in den letzten Jahren vermehrt durch elektrisch beleuchtete Kreuze ersetzt.

Osterfeuer

Osterfeuer erinnern an die Auferstehung Christi und haben ihren Ursprung in der katholischen Osterliturgie. Aus Tradition werden beim Osterfeuer meist in den Folgejahren die Palmbuschen aus dem Vorjahr verheizt. Das Entzünden des Feuers ist an keine bestimmte Uhrzeit gebunden. Laut Orac-Stipperger wurde es oft erst in den Morgenstunden entfacht.

Eierpecken

Das Ei steht als Symbol des Lebens und hat deshalb eine so große Ostertradition, weil der Verzehr in der Fastenzeit verboten war. Das Eierpecken erfreut sich vorwiegend bei Kindern größter Beliebtheit.

Weihfeuertragen

Ein weiterer Brauch der katholischen Auferstehungsliturgie: Vor allem in der Oststeiermark und im Grazer Umland sind viele Kinder mit glimmenden Baumschwämmen in Blechdosen unterwegs und entzünden damit das Herdfeuer. Beim Weihfeuertragen werden die Dosen ständig geschwungen, um die Sauerstoffzufuhr zu garantieren.

Osterjause

"Das Fastenbrechen findet direkt nach der Fleischweihe statt", erklärt Karl Veitschegger. Nachdem tierische Produkte in der Fastenzeit verpönt sind, gehört die Osterjause am Karsamstag zu den Höhepunkten des Festes. Traditionell besteht sie aus Osterfleisch, Kren, Eiern und süßem weißem Brot. Vor vielen Jahren wurde die Jause erst Sonntag früh konsumiert.

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