27. April 2015, 17:38 Uhr | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 21.01.2011 um 21:14 UhrKommentare

Wieder Anzeige: Geschichten aus dem Schilderwald

Egidiwirt Hugo Leypold muss nach anonymer Anzeige erneut sein Werbetaferl, dem in St. Georgen privat Asyl gewehrt wurde, gemäß Naturschutzgesetz räumen.

Foto © Haselmann

Einmal mehr eine Taferlgeschichte, diesmal aufgewärmt: Vor gut vier Jahren war es ein grünes Werbeschild, mit dem Egidiwirt Hugo Leypold ohne Bewilligung Radler in sein Gasthaus lotsen wollte. Die Stadtgemeinde Murau verdarb den Spaß und ließ die Tafel ohne Vorwarnung entfernen (wir berichteten). Ein erneuter Versuch, diesmal knallig gelb, mündete in einer Anzeige und, nach dem Verwaltungsstrafentatütata, dem unvermeidlichen Abflug.

Dabei hatte der Wirt diesmal um Bewilligung angesucht, die per gut, nämlich sechs Monate lang ausgebrütetem Gutachten "mit fadenscheinigen Argumenten niedergeschmettert" worden war.

Erbarmen

St. Georgen ob Murau erbarmte sich und gewährte dem in einem Oldtimer-Leiterwagen thronenden Taferl auf einem Privatgrundstück Asyl. Ein daneben platziertes Bankerl erfreute laut Leypold Radler und Fußgänger.

Es war die Ruhe vor dem Sturm: Im vergangenen Herbst fühlte sich jemand erneut zu einer Anzeige bemüßigt, vorsichtshalber anonym. Die Behörde untersuchte gesetzesgetreu, dem Taferl schlug dieser Tage erneut die Stunde: unverzügliche Entfernung wäre angesagt. Gegen unverzüglich spricht laut Leypold allerdings die Schneelage.

"Es hört einfach nicht auf, ich weiß nicht, wer da dahintersteckt", gibt sich der Gastronom frustriert. Und empört sich über mangelnde Fairness: Beim ersten Kreisverkehr in Murau, dort sei alles erlaubt, eine regelrechte "Werbefetzenansammlung" sei das. Aber sein blumengeschmückter Leiterwagen, nicht mehr als ein unerwünschter Dorn im Auge?

Neid und Missgunst könnten Protagonisten sein. Irgendwie fühlt sich der Egidiwirt wie zerquetschter Käse in einem politischen Toastbrot: Die legendäre Fehde zwischen dem einstigen Bürgermeister Alfred Kalcher und Egidi-Ortschef Franz Gassner habe nach einer Erholungsphase nun durch den Einkaufszentrum-Zwist zwischen St. Egidi und Murau, mittlerweile unter Sohn Thomas Kalcher, neues Futter bekommen.

Wie immer, Bezirkshauptmann Wolfgang Thierrichter weist auf bloßen Gesetzesvollzug hin: Laut Naturschutzgesetz ist die Anbringung von Ankündigungen und Werbungen außerhalb geschlossener Ortschaften ohne Bewilligung untersagt.

Tatbestand

Thierrichter: "Dass sich Herr Leypold verfolgt fühlt, kann ich nicht ganz nachvollziehen." Es handle sich eben um einen Übertretungstatbestand, gegen den es ein Verwaltungsstrafverfahren einzuleiten gilt. Im Bezirk laufen unzählige derartige Verfahren. Dass der Behördenchef von anonymen Anzeigen allein wegen der erschwerten Beweisführung wenig begeistert ist, steht auf einem anderen Taferl.

Ein erbitterter Egidiwirt resümiert: "Irgendwann werden sie kapieren, was das heißt, wenn es Leute wie mich und Kollegen nicht mehr gibt und die gute Gastronomie nicht mehr da ist."

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Nachrichten aus Ihrer Region

  • Um zu den Berichten aus Ihrer Region zu gelangen, klicken Sie bitte in die Karte.

    Ennstal

Kleine.tv

Steirische Strukturreform

  • Die Landesspitze baute die Gemeindestruktur massiv um. Seit Beginn des Jahres 2015 gibt es nur mehr 287 anstelle von 539 Gemeinden.

Miss & Mister Styria 2015

  • Cornelia Stangl (21) aus Raaba-Grambach und Christoph Ranz (23) aus Proleb bzw. Graz wurden zu Miss und Mister Styria gekürt.

Events & Tickets

Die besten Forschungsprojekte

  • Die Kleine Zeitung präsentiert in Kooperation mit den fünf steirischen Universitäten, den beiden Fachhochschulen, den zwei Pädagogischen Hochschulen und Joanneum Research ein Kaleidoskop der besten steirischen Forschungsprojekte.

Steirer helfen Steirern

  • Mit "Steirer helfen Steirern" unterstützen wir gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern Landsleute in Not.
    Das Spendenkonto:

    Steiermärkische Bank und Sparkassen AG
    IBAN: AT962081500000170001
    BIC/SWIFT: STSPAT2GXXX

Blumiges Testabo

Jetzt 4 Wochen gratis lesen und das Narzissenfest mitverfolgen!