21. November 2014, 13:18 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 10.02.2013 um 05:59 UhrKommentare

"Wettlauf gegen die Zeit"

Denkmalschützer sind unterwegs, um die kostbarsten bäuerlichen Kulturdenkmäler vor dem Verfall zu retten: die Bauernhöfe selbst.

Foto © Xpress

Es ist ein vollkommenes Gesamtkunstwerk. Hier haben Handwerker gearbeitet, deren Wissen um Material und Bearbeitung heute kaum noch existiert." Wolfgang Absenger steht ehrfurchtsvoll vor dem Gebäude. Ein auf den ersten Blick baufälliges Bauernhaus, dem der Sturm "Paula" 2008 den Rest gegeben hat. Doch dann weist der Bauernhof-Experte des Bundesdenkmalamtes auf die Einzelheiten hin und erklärt: "Dieses Gebäude stammt aus dem Barock, und wenn man es jetzt herrichten würde, stünde es noch 300 weitere Jahre." Wenn aber nicht, ist es in wenigen Jahren eine Ruine.

Was Absenger derzeit macht, bezeichnet er selbst als "Wettlauf gegen die Zeit". 36.955 Gebäude stehen unter Denkmalschutz in Österreich, in der Steiermark sind es 4764, 300 davon sind Bauernhöfe. "Diese Zahl müssen wir zumindest verdoppeln, denn in unserer Datenbank befinden sich weit mehr schützenswerte Höfe. Tun wir das nicht, geht uraltes Kulturgut unweigerlich verloren."

Wie dringlich die Lage ist, zeigt ein Beispiel aus St. Katharein an der Laming. Das Steinhaus aus dem 16. Jahrhundert steht samt Troadkasten und Stall seit einem Monat unter Schutz. Probebohrungen für einen geplanten Steinbruch ließen das Gebäude bereits gefährlich vibrieren. Absenger ist bestürzt: "Österreich ist ein Sonderfall. Hier wird Geschichte negiert, während Graubünden oder Südtirol darin sogar investieren."

Die Zeit rennt

Dramatisch geworden ist das Desaster für historische Bauernhöfe seit den 70er-Jahren. "Damals wurden viele Bauern von der Kammer sogar dazu ermuntert, ihre Häuser zu verlassen, um sich daneben größere, praktischere zu errichten." Diese Gebäude mit dem herben Charme der 70er sieht man heute auf vielen Anwesen, während in deren Schatten der Holzwurm an den Juwelen nagt und lecke Dächer gewaltige Wunden reißen. Aber auch Zeughütten, Troadkästen, Scheunen und Ställe werden vernachlässigt und modern vor sich hin, anstatt als Schmuckstücke gepflegt zu werden. "Leider ist dieser Trend bis heute spürbar."

Semriach ist der perfekte Boden, um sich auf Spurensuche zu begeben. Durch den einstigen Silberabbau gibt es hier überdurchschnittlich viele mittelalterliche Höfe. So etwa einen der Urhöfe der Region, einen Zehenthof, dessen Wurzeln auf das 13. Jahrhundert zurückgehen, dessen Zukunft aber trüb ist. "Vor zwei Jahren ist die letzte Bewohnerin ausgezogen, seither ist der Verfall rasend", so Absenger.

Sein Appell richtet sich an Besitzer und Verantwortliche: "Wir haben Schätze in unserem Land, die wir noch retten können." Aber nicht mehr lange.

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Wartungsarbeiten

  • >> Liebe User!
    • Auf unserer Website gibt es einige Neuerungen:
    • Die bisherigen Gemeinde- und Bezirksseiten werden durch Regionalportale ersetzt – Sie erhalten hier alle wichtigen Neuigkeiten aus Ihrer Region.
    • Auf der Startseite werden Nachrichten nun in Ressort-Blöcke gegliedert (Sport, Politik etc.) - für einen besseren Überblick.
    • Aufgrund von technischen Umstellungen können wir vorübergehend keine Wetterinformationen und Gewinnspiele anbieten. Die Inhalte werden ehestmöglich wieder bereitgestellt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

    Weitere Informationen finden Sie HIER. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: feedback@kleinezeitung.at
    Ihr Kleine Zeitung Team

Kleine.tv



Steirische Strukturreform

  • Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.

Events & Tickets

  • Die besten Events in Kärnten und der Steiermark. Plus: Tickets für alle Veranstaltungen in ganz Österreich online bestellen.

Die besten Forschungsprojekte

  • Die Kleine Zeitung präsentiert in Kooperation mit den fünf steirischen Universitäten, den beiden Fachhochschulen, den zwei Pädagogischen Hochschulen und Joanneum Research ein Kaleidoskop der besten steirischen Forschungsprojekte.

Steirer helfen Steirern

  • Mit "Steirer helfen Steirern" unterstützen wir gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern Landsleute in Not.
    Das Spendenkonto:

    Steiermärkische Bank und Sparkassen AG
    Konto: 170001
    BLZ: 20815
    IBAN: AT962081500000170001
    BIC/SWIFT: STSPAT2GXXX