20. Dezember 2014, 21:59 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 21.12.2012 um 18:03 UhrKommentare

Falsche Einschätzung

Dieter Krainz (KFV) über junge Unfalllenker.

Alkohol und Überschätzung standen hinter den tödlichen Unfällen. Ein typischer Befund bei Fahranfängern?

DIETER KRAINZ: Vor allem fehlt es jungen Lenkern nach wenigen Wochen Praxis an der Einschätzung. Die Gefahr durch Geschwindigkeit wird zu niedrig, das eigene Können zu hoch eingeschätzt. Das betrifft auch die Distanzen und das Gespür für die physikalischen Eigenschaften.

Aber gerade da sollte ja die Mehrphasen-Ausbildung bzw. das L17-Modell ansetzen.

KRAINZ: Diese Ausbildung hat sich auch bewährt, ist eine der besten weltweit. Leute mit L17-Führerschein haben um 15 Prozent weniger Unfälle als jene, die ihn mit 18 Jahren machen. Eine gute Idee wäre es aber, wenn man auch nach der Mehrphasen-Ausbildung noch gezielte Schulung in Risikokompetenzen anbietet, um die jungen Lenker fit in der Gefahrenerkennung zu machen.

Ab 19. Jänner gibt es Neuerungen beim Lenken von Motorrädern. Besteht darin nicht die Gefahr, dass eben diese junge Risikogruppe zu früh auf den Verkehr losgelassen wird?

KRAINZ: Das sehe ich nicht so, denn das Modell ist dreistufig und beginnt mit 16 Jahren. Die erste Klasse A1 geht bis zu 125 Kubikzentimeter, die Klasse A2 ab 18 Jahren gilt für Motorräder bis 48 PS und die Klasse A für alle Motorräder bekommt man erst, wenn man zwei Jahre den A2-Schein hat oder wie bisher mit 24 Jahren. Wichtig ist aber, dass die Ausbildung ausgedehnt wurde, besonders in der Gefahrenwahrnehmung. Auch die Fahrlehrer sind besser geschult.

Wenn junge Unfalllenker zur Nachschulung geschickt werden, spürt man bei ihnen so etwas wie Einsicht oder Reue?

KRAINZ: Diese Einsicht ist schon da, es hat sich auch gezeigt, das die Rückfälligkeit innerhalb von drei Jahren um die Hälfte gesunken ist. Doch es gibt immer einige wenige, die völlig unzugänglich und kritiklos sind.

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