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Zuletzt aktualisiert: 20.12.2012 um 19:45 UhrKommentare

Die bedrohlichen Raunächte

Vom Räuchern und Orakeln bis zur Wilden Jagd und den Perchten.

Foto © VOLKSKUNDEMUSEUM

Mit der Wintersonnenwende beginnt im Brauchtum eine geheimnisvolle Zeit. Die heutige Thomasnacht gilt als erste Raunacht (nach anderer Überlieferung beginnen die Raunächte mit dem Heiligen Abend) und als wichtiger Termin für die Befragung von Orakeln. "Junge Frauen wollten erkunden, ob und wen sie im kommenden Jahr heiraten werden", sagt der Volkskundler Heimo Schinnerl.

So konnten Mädchen, die ein Eiklar in ein Glas gossen, darin das Gesicht ihres zukünftigen Mannes erkennen. Oder sie schleuderten einen Zockel über die Schulter zur Haustür. Zeigte die Schuhspitze nach draußen, verließ man im nächsten Jahr das Haus - im Idealfall als Braut. Beim Scheitelziehen zog man ein Holzscheit aus einem Stapel. "War es gerade gewachsen, bekam das Mädchen einen feschen Bräutigam." Dass der Blick in die Zukunft für Mädchen besonders wichtig war, ist kein Zufall. Früher waren Frauen nicht unabhängig wie heute und mussten heiraten, um versorgt zu sein.

In den Raunächten zieht aber auch die Wilde Jagd übers Land. "Es war stockdunkel, auch in den Häusern gab es kaum Licht. Wenn die Winterstürme um den Kamin pfiffen, ist es leicht erklärbar, dass man an die Wilde Jagd glaubte", weiß Schinnerl.

Die Wilde Jagd geht um

Die Anführerin der Wilden Jagd war die Percht. "Sie ist stumm und verhüllt und wirft, wenn sie den Menschen gutgesinnt ist, Nüsse, Zwetschken oder Würste in die Stube." Begegnete man der Wilden Jagd im Freien, so war es ratsam, sich in eine Ackerfurche oder Wagenspur zu werfen und zu beten, bis der Spuk vorbei war.

Die Raunächte sind darüber hinaus eng mit dem Schutzzauber verbunden. Der bekannteste und nach wie vor lebendigste Brauch ist das Räuchern. "In einen irdenen Topf legte man früher Herdglut, darauf kamen geweihte Palmkätzchen von Ostern, Speik, Wacholder und Weihrauch", so der Volkskundler. Damit schritt man am Heiligen Abend, zu Silvester und am Abend vor Dreikönig durch Haus und Stall. (Weih-)Rauch galt als Symbol gegen alles Böse - mit dem Räuchern hielt man Unheil von Mensch und Tier ab.

Keinesfalls durfte in diesen Nächten Wäsche zum Trocknen auf der Leine hängen oder das Herdfeuer verlöschen. "Das neue Jahr kann nur gut beginnen, wenn das alte auch ordentlich abgeschlossen ist", erklärt Eva Kreissl, Kuratorin am Landesmuseum Joanneum in Graz.

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