27. November 2014, 18:21 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 29.11.2012 um 08:13 UhrKommentare

Frutura-Projekt: Bedrohung oder Segen für die Region?

Welche Folgen hat das Glashaus-Projekt? Bedrohungen für Flaggschiff Rogner, sanften Tourismus und bäuerliche Landwirtschaft oder doch eine Chance und Meilenstein für die gesamte Oststeiermark? Zwei Diskussionen widmeten sich dem Thema.

Foto © Foto: Regina Trummer

Contra

Der Druckspiegel wird fallen. Das ist so sicher wie das Amen im Gebet." Der Hydrogeologe Lorenz Eichinger trifft mit seiner Prognose den Nerv des Publikums im Kultursaal von Bad Blumau. Auf Einladung der Bürgerinitiative "Schützt Bad Blumau", sind an die 60 Zuhörer gekommen. Teure Spezialpumpen wären dann notwendig, erläutert der Experte, rechnet Schäden zwischen zehn und 20 Millionen Euro vor und zeichnet ein Szenario, in dem Gerichte das Wort haben werden.

Für den Landtagsabgeordneten Lambert Schönleitner (Grüne) ist die Diskussion ein Heimspiel. Er spricht von der Erfolgsgeschichte der Thermen und fordert vehement Standards für die Genehmigung von Projekten dieser Größenordnung: "Jetzt die Grenze ziehen und nicht erst schreien, wenn es zu spät ist." Größenkennzahlen will auch der FPÖ-Landtagsabgeordnete Anton Kogler definiert haben. Er beschwört das touristische Flaggschiff Rogner, das nicht gefährdet werden dürfe. Dass keine ausgewiesenen Projektbefürworter auf dem Podium sitzen, bedauert er. Einen solchen glaubt ein Großteil des Publikums im ÖVP-Abgeordneten Hubert Lang zu erkennen. Der will Risiken und Chancen ausgelotet sehen.

Dass der SPÖ-Bundesrat Klaus Konrad das Projekt als "an sich nicht schlecht" bezeichnet, aber den Standort in Frage stellt, gibt der Diskussion eine interessante Wendung. Da springt auch Eichinger auf: "Der beste Standort für Geothermie ist in Österreich Fürstenfeld." Für Herbert Riegler - im Nebenberuf Arzt und nun hauptberuflich Gegner des Frutura-Projekts (Eigendefinition) - die Lösung des Problems.

Kammeramtsdirektor Werner Brugner stellt klar, dass man das Projekt, was die Versorgung in der Steiermark betrifft, nicht braucht. Man ist aber in Gesprächen mit den Betreibern für einen gemeinsamen Marktauftritt mit regionalen Gemüsebauern für den Fall, dass es doch realisiert wird.

Für Tourismusverbandsobfrau Maria Perl käme das dem Absägen eines gut funktionierenden (Stand)Beins gleich. Essen würde er solches Gemüse aus einem Pflanzenknast nicht, meint ein Zuhörer und erntet Zustimmung.

Pro

"Wir glauben, dass das Projekt eine Chance für die ganze Oststeiermark ist, daher wollen wir Flagge zeigen und uns dazu bekennen", fasst der Nationalratsabgeordnete Jochen Pack zusammen, was die meisten der rund 150 Zuhörer denken, denen Frutura-Geschäftsführer Manfred Hohensinner das "Gemüseland Bierbaum" auf Einladung des Komitees für eine positive Entwicklung der Oststeiermark vorstellt (siehe Infobox).

Hohensinner spricht von einem "zukunftsweisenden und in Europa einzigartigen Vorhaben", das den aktuellen Importanteil bei Gemüse von 68 Prozent senken und 200 Arbeitsplätze in die Region bringen soll: "Es kann nicht sein, dass wir Gemüse weiter importieren, wenn wir das mit CO2-neutraler Produktion auf Basis der Geothermie auch zu Hause können." Importware sei derzeit rund zehn Tage alt, wenn sie beim Konsumenten eintreffe und zudem chemisch belastet, während Frutura frische Ware anbiete, die mit Einsatz von Nützlingen und ohne Pflanzenschutzmittel erzeugt werde.

In der folgenden Diskussion betont der Hartberger Wirtschaftskammerobmann Siegfried Breiner die Bedeutung der 200 Arbeitsplätze, die laut Elisabeth Szammer, Fürstenfelder AMS-Chefin, die Region sicher vertragen könne. Nicht verzichten auf zehn Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung möchte auch Thomas Heuberger (Wirtschaftskammer). "Passiert die Produktion in den Bierbaumer Glashäusern in einem gesunden Miteinander, kann das Projekt auch für die Landwirte der Umgebung gut funktionieren", stellt der Hartberger Bauernkammerobmann Johann Reisinger fest. Eine Hauptsorge des Publikums gilt auch in Burgau dem Thermalwasser. Hohensinner dazu: "Wir nutzen nur die Wärme und führen das entnommene Wasser wieder zurück. Während unserer Probebohrung werden die umliegenden Bohrungen strengstens kontrolliert. Sollte es irgendeine Beeinträchtigung geben, ist für uns Schluss." Dass Bedenken ernst genommen werden, bekräftigt auch der Bad Blumauer Bürgermeister Franz Handler: "Das Rogner-Bad ist ein wichtiger Betrieb, es muss daher gewährleistet sein, dass er Wasser zur Verfügung hat."

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FAKTEN

  • Die Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum GmbH aus Hartl bei Kaindorf plant in Bad Blumau mit einer Gesamtinvestition von 48 Millionen Euro auf einer 26,8 Hektar großen Glashausfläche unter Nutzung der Geothermie den CO2-neutralen Anbau von Paradeisern, Paprika und Gurken. 200 Arbeitsplätze werden geschaffen.

    Entstehen sollen auch eine Akademie für Verkaufskräfte im Handel, Schauwelten und Themenwege.

    Geerntet wird neun Monate lang, die Pflanzen wachsen auf einem Pflanzenkohlegemisch. Beleuchtet werden die Glashäuser unter einer abschirmenden Folie von Mitte November bis Ende Februar.

    Zeitplan: Werden alle rechtlichen Hürden genommen, soll die erste Ernte in einem Jahr stattfinden.

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