02. September 2015, 23:54 Uhr | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 09.05.2012 um 21:30 UhrKommentare

Ein Rätsel: Zwölf Tage ohne Wasser

Dass der Oststeirer zwölf Tage ohne Flüssigkeit in einem Abbruchhaus überlebt hat, grenzt an ein Wunder. Die kritische Grenze liegt bei vier bis fünf Tagen.

Foto © BREITEGGER

Er hat überlebt. Zwölf Tage ohne Flüssigkeit, zwölf Tage ohne Nahrung, "eingesperrt" in einem Abbruchhaus. Wie ist so etwas möglich? Der Fall Robert G. sorgt in Baumgarten bei Gnas nach wie vor für Gesprächsstoff.

Aus medizinischer Sicht hat er erstaunlich lange ohne Flüssigkeit ausgehalten. Die kritische Grenze liegt bei vier bis fünf Tagen. Robert G. überlebte zwölf Tage ohne Wasser, zwei Tage länger als Georg Heinzl, der nach dem Grubenunglück in Lassing zehn Tage lang im Berg eingeschlossen war. Noch länger hielt es ein Häftling in einem Vorarlberger Gemeindearrest aus, auf den die Gendarmerie vergessen hatte. Er trank seinen eigenen Urin, um zu überleben. Nach 17 Tagen wurde er befreit.

Es hänge immer vom Gesundheitszustand des Betroffenen ab, sagt Professor Alexander Rosenkranz vom Grazer LKH. "Ein alter Mensch wird schneller sterben, als ein junger gesunder." Der Körper trocknet aus. Der Betroffene kann verdursten, es kann zu einem Organversagen kommen. Ein paar Tage noch und Robert G. wäre bewusstlos geworden und in seinem "Verlies" gestorben.

Wie berichtet, wurde G. Montagabend in einem Abbruchhaus gefunden. Jetzt liegt das Opfer im LKH Feldbach, er dürfte aber noch diese Woche entlassen werden. Der Oststeirer behauptete bei einer kurzen Befragung durch die Polizei, dass er im Abbruchhaus gefangen gewesen sei. Er habe das Gebäude nicht verlassen können. Der Grazer Psychiater Manfred Walzl hat eine Erklärung dafür. Ein alleiniger Schockzustand nach dem Sachschadenunfall, den Robert G. verursacht hatte, dürfte es wohl nicht gewesen sein, glaubt Walzl. Es dürfte eine Verkettung mehrerer Problemsituationen ausschlaggebend gewesen sein.

Halluzinationen

Walzl will nicht ausschließen, dass sich der Oststeirer im Schock im Abbruchhaus verkrochen hat. Es könnten durch den Flüssigkeitsmangel schon nach zwei Tagen Halluzinationen und Desorientiertheit aufgetreten sein. Das Opfer konnte aufgrund seines Zustandes nicht mehr aus dem Gebäude entkommen.

Walzl: "Zwei Prozent weniger Flüssigkeit im Kreislauf bedeutet 20 Prozent weniger Aufmerksamkeit und Konzentration."

Robert G. konnte von der Polizei im Krankenhaus noch nicht befragt werden. Wie berichtet, war der 45-Jährige seit 25. April abgängig. Sein schwerbeschädigtes Auto stand in einem Schuppen. Die Haustor- und Autoschlüssel und Papiere lagen in der Küche des Wohnhauses, das er gemietet hat. Nur etwa zwei Kilometer von diesem Haus entfernt, hielt es der Mann zwölf Tage ohne Nahrung und Flüssigkeit aus. Durch Klopfzeichen hatte er sich Montagabend bemerkbar gemacht. Ein Anrainer hatte Gras gemäht und ihn gehört. Als er die von außen zugebundene Tür öffnete, torkelte ihm Robert G. entgegen und brach zusammen. Der Fall bleibt rätselhaft.

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Nachrichten aus Ihrer Region

  • Um zu den Berichten aus Ihrer Region zu gelangen, klicken Sie bitte in die Karte.

    Ennstal

Kleine.tv


Schüler machen Zeitung

  • Schüler machen Zeitung. 20 Schülerteams recherchierten zur Frage: Was macht die Steiermark zukunftsfit?

Events & Tickets

Die besten Forschungsprojekte

  • Die Kleine Zeitung präsentiert in Kooperation mit den fünf steirischen Universitäten, den beiden Fachhochschulen, den zwei Pädagogischen Hochschulen und Joanneum Research ein Kaleidoskop der besten steirischen Forschungsprojekte.

Steirer helfen Steirern

  • Mit "Steirer helfen Steirern" unterstützen wir gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern Landsleute in Not.
    Das Spendenkonto:

    Steiermärkische Bank und Sparkassen AG
    IBAN: AT962081500000170001
    BIC/SWIFT: STSPAT2GXXX

Aboangebote

Steirische Strukturreform

  • Die Landesspitze baute die Gemeindestruktur massiv um. Seit Beginn des Jahres 2015 gibt es nur mehr 287 anstelle von 539 Gemeinden.