24. November 2014, 21:24 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 31.12.2012 um 15:00 UhrKommentare

FIS-Kontrollor gibt zu: "Messverfahren subjektiv"

Nach der neuerlichen Disqualifikation Andreas Koflers wegen eines zu weiten Anzugs wird im Skisprung-Zirkus wieder über das Messverfahren diskutiert. "Es ist wichtig, dass immer die gleiche Person misst", sagt FIS-Kontrollor Gratzer.

Foto © AP

Skispringen ist ein komplexer Sport, in dem das Reglement exakt festgelegt ist. Doch anders als etwa beim Körpergewicht, das Auswirkungen auf die erlaubte Skilänge hat, gibt es beim Anzug subjektive Einflüsse. Dieser muss laut dem seit Saisonbeginn geltenden Reglement am Körper anliegen, zwei Zentimeter Spielraum sind erlaubt. Andreas Kofler hat die Anforderungen am Sonntag in Oberstdorf zum zweiten Mal im Weltcup nicht erfüllt und wurde nach seinem zweiten Sprung disqualifiziert.

Der Ex-Tourneesieger gab sich ratlos. "Es ist schwierig, wir haben vorher an wichtigen Stellen nachgemessen, da hat es gepasst", erklärte Kofler. Bei der Überprüfung im Wettkampf, der sich die ersten zehn fix stellen müssen, lag sein Anzug laut dem für die Kontrolle zuständigen FIS-Funktionär Sepp Gratzer über dem Bauch um vier Zentimeter über dem erlaubten Bereich. Damit war die Disqualifikation perfekt.

Der Kärntner Gratzer, der seit vielen Jahren für die Materialkontrolle verantwortlich ist, gab gegenüber der APA zu, dass das Messverfahren subjektiv sei. "Daher ist es wichtig, dass immer die gleiche Person misst. Ich mache es immer gleich", betonte Gratzer.

Der FIS-Funktionär greift den am Körper getragenen Anzug ab. "Und ich messe dort nach, wo es meiner Ansicht nicht passt." Dann wird der Umfang an der betreffenden markierten Stelle am Körper des Sportlers in entspannter Position (also ohne angespannte Muskeln) gemessen und danach der Anzug. Die Differenz darf zwei Zentimeter nicht überschreiten.

Der Griff zur Nähmaschine

Für die ÖSV-Verantwortlichen Alexander Pointner und Ernst Vettori (Sportlicher Leiter) ist klar, dass die Letztverantwortung beim Athleten liegt. Der muss den aus der Schneiderei bezogenen Anzug entweder selbst oder mit Hilfe des Teamtechnikers mit der Nähmaschine genau an den Körper anpassen. Weil das so aufwändig ist, hat der ÖSV sogar zwei Skitechniker mit.

Vettori meinte, die Kontrolle sei subjektiv. "Es kommt darauf an, wie man dasteht, ob man während des Tages abgenommen hat. "Wir arbeiten daran, dass es passt und wir unterstützen den Athleten", erklärte der Tiroler. Vettori weiß um die Problematik für den Sportler. "Wenn man sich nicht am Limit bewegt, wird man nicht mithalten können", sagte er in einem Ö3-Interview. "Denn der Anzug ist ein Fluggerät."

Vettori und der im ÖSV für Materialentwicklung zuständige Toni Giger sprachen am Silvestertag lange mit Gratzer. "Wir versuchen, Optimierungsvorschläge zu erarbeiten", sagte Vettori.

Niemand wollte Kofler, den es freilich als einzigen Spitzenspringer erneut erwischt hatte, Absicht unterstellen. "Dafür lege ich meine Hand ins Feuer", betonte Pointner.

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