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Zuletzt aktualisiert: 03.12.2012 um 20:41 UhrKommentare

Start in den Ski-Weltcup: Gut, aber nicht gut genug

Österreichs Start in den Ski-Weltcup war in der WM-Saison nicht wirklich schlecht - aber es gibt noch viel Luft nach oben, meint Fritz Strobl.

Foto © APA

Die Übersee-Tournee ist geschlagen - und, ganz ehrlich: Es tut schon gut, wenn man sich so wieder die Lust auf den Schnee und den Winter holen kann. Gemütlich, vor dem Fernseher im Hauptabendprogramm. Gesehen hat man ja einiges.

Die Österreicher. Ich kann mich erinnern: Der Saisonstart in den USA ist immer mit vielen Fragezeichen verbunden. Einige Antworten gab es; nicht immer zufriedenstellend aus rot-weiß-roter Sicht. Es war nicht so schlecht, aber wirklich gut war es auch nicht. Weil man immer an Siegen gemessen wird, hat es nicht so rosig ausgesehen - denn gewonnen hat die Konkurrenz. Nehmen wir das Positive: Bei Klaus Kröll etwa hat keiner gewusst, wie es nach der Verletzung geht. Wie sind die Schmerzen? Wie kommt er mit dem neuen Material zurecht? So gesehen hat sich unser Routinier gut geschlagen. Und zumindest in Lake Louise sind auch die Jungen gut gestartet. Ein Florian Scheiber, von vielen schon abgeschrieben, hat in Beaver Creek gezeigt, was er kann. Joachim Puchner wird konstant. Da kriegen wir eine gute, junge Truppe, die sich festigen wird. Wer wirklich damit gerechnet hat, dass die Jungen alles sofort gewinnen und zerreißen, der ist ohnehin schief gewickelt. Und zu den Damen muss man sagen: Es war im Speed-Bereich eine Katastrophe, die man aber nicht überbewerten sollte. In Europa wird es besser, viele, wie Anna Fenninger, wurden unter Wert geschlagen.

Max Franz. Ein zweischneidiges Schwert. Ich war begeistert, wie er in Lake Louise begonnen hat. Und geschockt, wie es in Beaver Creek weitergegangen ist. Er war gut drauf, hat in der Abfahrt einen dummen Fehler gemacht. Und dann der Sturz im Super-G, zum Glück noch mit relativ glimpflichen Folgen. Ich selbst hatte am Anfang meiner Karriere auch schwere Verletzungen, bin auch dann oft brutal gestürzt. Ich konnte das immer ausblenden, hab' mir gesagt: Es muss ja nicht sein, dass ich mir wehtue, wenn ich stürze. Wenn man jetzt über die Kurssetzung diskutiert: Jeder weiß, dass Burkhard Schaffer seine Läufer in seinen Läufen fordert. Aber ich hätte angesichts meines jungen Teams vielleicht ein wenig anders gesetzt.

Lindsey Vonn. So eine Dominanz hätte ich mir gewünscht - entweder ist die Konkurrenz wirklich so schlecht, oder sie wirklich so gut. Die Wahrheit: Lake Louise, speziell der Abschnitt nach dem Steilhang, ist ihr Bereich. Ich tat mir immer schwer, da schnell zu sein, sie weiß einfach, wie es geht. Dafür beneide ich sie direkt. Dazu kommen ihre Form - die trotz der Krankheit da ist - und ihre unglaubliche Technik. Da kann man analysieren, wie man will, da sind Welten zwischen ihr und dem Rest. Ich glaube trotzdem, dass es bei den Europa-Rennen wieder knapper wird. Wenn Lindsey weiter so den Tiger aus dem Tank lässt, dann sollte man beim Weltcup-Finale für sie wirklich eine Nummer im Herrenfeld reservieren.

Ted Ligety. Für ihn gilt Ähnliches wie für seine Landsfrau, ich finde, ihre Technik hat sogar optische Ähnlichkeiten. Und ich glaube, dass die Ablehnung gegen das neue Material ihm geholfen hat, gemeinsam mit seiner Firma ein derzeit unschlagbares Paket zu ertüfteln. Die anderen sollten im Moment weniger daran denken, wie sie ihn schlagen. Da ist fast Galgenhumor, wie ihn Marcel Hirscher bewies, gefragt - und der Wunsch, einfach immer der Beste nach ihm zu sein. Dann erwischt man ihn irgendwann ganz sicher.

Fritz Strobl (40) war 2002 Olympiasieger in der Abfahrt und gewann im Weltcup sieben Abfahrten und zwei Super-G.

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