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Zuletzt aktualisiert: 16.11.2012 um 18:21 UhrKommentare

Die Formel 1 gibt Amerika nicht auf

Mit dem "Grand Prix der USA" können Amerikaner genauso wenig anfangen, wie mit Fußball und mit Lindsey Vonn. Aber die Formel 1 macht den nächsten Anlauf.

Foto © AP

Alphe ist ein aufgeweckter AfroAmerikaner mit einem höflichen, aber auch ein bisschen schelmischen Lächeln im Gesicht. Er schiebt schon eine Zeit lang Dienst beim Autovermieter "National" auf dem Flughafen Dallas-Fort Worth. Es kommt zu nicht viel mehr, als zum üblichen Small Talk. Warum wir denn nach Texas gekommen seien? "Aha, wegen des Autorennens in Austin. Auch gut."

Daneben, bei Alphes Kollegin, fasst gerade Keke Rosberg, Vater von Mercedes-Pilot Nico, sein Leihauto aus. Die Dame ist etwas schneller und als Keke verschwunden ist, stellte ich den beiden Herrschaften am "National"-Schalter aus Dallas die Frage, ob sie den guten Mann mit den schon ergrauten Haaren erkannt hätten. Sie überlegten nicht lange. "No, not really."

Die beiden haben sich nur gewundert, warum der Herr einen französischen Führerschein gehabt hat. "Und noch dazu ein Finne ist", meine ich. Das ist Alphe und der Frau Kollegin dann doch zu viel. Naja, die Europäer mit ihrer EU und überhaupt. Aber Mister Rosberg hat damals, 1984, sogar den Formel-1-Grand-Prix in Dallas gewonnen. Und Rosberg war immerhin auch Formel-1-Weltmeister.

"Mmmh!" Verblüffte, fragende Blicke. Die exotischen Europäer mit ihrer Formel 1, oder wie diese Rennserie heißt. Aber die Frau Kollegin, sie ist auch schon ein paar Jährchen älter als Alphe, scheint sich doch zu erinnern, dunkel und schemenhaft. "Well. Das ist aber schon lange her. Yes, yes. I remember, a little . . ."

Und Sie, mein Herr, Sie kommen aus Österreich? "Eins, zwei, drei", sagte Alphe plötzlich auf Deutsch. Und "Auf Wiiieederrrsehen!" Etwas Deutsch könne er schließlich, er habe in seiner Jugend gesungen, klassisches Fach. Ja, Österreich kenne er ganz gut. Besonders Graz, die Oper. Dort sei er schließlich für längere Zeit gewesen. "Ganz nett, sehr, sehr schön."

Mit so einer Anekdote beginnt das erste Formel-1-Wochenende seit fünf Jahren in den USA schon recht sympathisch. In einer so Formel-1-fernen Welt wie Texas nicht ganz einfach. Was aber viele Formel-1-Piloten gerade im Urlaub in die USA verschlägt, weil sie hier kaum einer erkennt und sie alle ihre Ruhe haben. Mit der Exotik europäischer Sportarten haben die Amerikaner generell noch weniger zu tun: Fußball hat bis heute nirgendwo so richtig Fuß gefasst. Die Krankheitsgeschichte einer gewissen Lindsey Vonn ist in den Tageszeitungen nicht mehr als ein Einspalter mit 20 Zeilen. Und jetzt die Formel 1. Für die Menschen hier der Gipfel aller Verrücktheit. Da bleiben die US-Motorsportfans doch lieber bei ihrer erdnahen Nascar-Serie.

Warum sich die Formel 1 aber Austin, dreieinhalb Autostunden südlich von Dallas, antut, ist gar nicht so abwegig. Rund um Austin gibt es eine kleine deutsche Gemeinde. Mit Orten wie zum Beispiel New Braunfels oder Pflugerville oder Fredericksburg. Es hat im Laufe der Jahre viele Deutsche in diese Gegend von Texas verschlagen. So gibt es in Austin einen Scholz-Garten, ein Bierhaus am San-Jacinto-Boulevard. Im Bismark-Zimmer wird sogar Jägerschnitzel serviert und im Sängerrunde-Bowling-Keller gibt es richtig schön triefende Bratwürste.

So kann sich Sebastian Vettel, der am Sonntag beim großen Comeback des "Grand Prix der USA" bereits nach seinem dritten WM-Titel in Folge greift, vielleicht sogar über ein kleines "Heimrennen" freuen. Was allerdings auch für Vettels spanischen Verfolger Fernando Alonso gilt. Mexiko ist hier nicht weit entfernt, Latein-Amerikaner sind im Süden von Texas keine Minderheit. Und gleich neben New Braunfels liegt San Marcos.

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  • Kleine Zeitung-Redakteur Gerald Pototschnig berichtet aus der Welt der Formel 1.