28. November 2014, 16:58 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 17.10.2012 um 13:49 UhrKommentare

Koller: "Wir sind nicht Weltspitze"

"Wir haben 4:0 gewonnen, aber das war gegen Kasachstan, nicht gegen Deutschland, Schweden oder Irland - die sind alle noch vor uns", warnte Teamchef Marcel Koller nach dem 4:0-Heimsieg vor zuviel Euphorie.

Foto © GEPA

Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller hat am Tag nach dem 4:0-Heimsieg über Kasachstan eine realistische Einschätzung des ersten Sieges im dritten Spiel der WM-Qualifikation eingefordert. Der Erfolg über die Nummer 147 der Weltrangliste sei zwar ein wichtiger Schritt gewesen, allerdings stehe der ÖFB-Auswahl noch viel Arbeit bevor, um das Ticket für die Endrunde 2014 in Brasilien zu lösen.

"Hochrechnungen bringen jetzt nichts"

"Es ist wichtig, dass man weiß, wo man herkommt. Wir sind nicht Weltspitze, wir sind nicht einmal unter den Top 30, das muss man sich vor Augen führen", mahnte der Schweizer. "Wir haben 4:0 gewonnen, aber das war gegen Kasachstan, nicht gegen Deutschland, Schweden oder Irland - die sind alle noch vor uns."

Rechenspiele, wie der zweite Platz erreicht werden könnte, will Koller derzeit nicht anstellen. "Der Sieg war wichtig, weil wir den Anschluss gefunden haben. Wir sind mit dabei und können in den direkten Duellen um den zweiten Platz kämpfen, dazu müssen wir aber gegen Schweden und Irland Punkte mitnehmen. Doch Hochrechnungen bringen jetzt nichts, wir müssen auf dem Platz die Leistung zeigen", erklärte der 51-Jährige.

Auftritte wie am Freitag beim 0:0 gegen die Kasachen in Astana darf sich die Nationalmannschaft aber nicht mehr erlauben, auch wenn Koller dieses Match nicht verteufeln will. "Schlechte Tage können immer wieder kommen. Und wenn Harnik zu Beginn das Tor macht, wäre die Partie so gelaufen wie in Wien."

Im Happel-Stadion präsentierten sich die Österreicher laut Koller "griffiger" als in Kasachstan, was möglicherweise auch an den neu in die Mannschaft gekommenen David Alaba, Marc Janko und Florian Klein lag. Mit der Aufstellung von Alaba trotz dessen langer Verletzungspause nahm der Teamchef ein relativ großes Risiko, das sich jedoch bezahlt machte. "Ich wusste aus eigener Erfahrung, dass man im ersten Spiel nach einer Verletzung besonders motiviert ist. Es freut mich, dass es so eingetroffen ist und er sein erstes Länderspieltor gemacht hat. Das ist auch für die Bayern gut, weil sie gesehen haben, dass er das erste Match problemlos überstanden hat."

Alaba soll weiter zenral agieren

Dabei waren bei Koller in der Anfangsphase leise Zweifel an Alabas physischer Verfassung aufgekommen. "Er hat schon in der ersten Hälfte durchgeschnauft, da habe ich mir gedacht, hoffentlich reicht es bis zur Pause. Aber man braucht nach einer so langen Pause eben ein bisschen länger, um wieder in die Gänge zu kommen." Der Coach geht davon aus, dass beim Wiener die Nachwirkungen der Verletzung erst in wenigen Wochen zu spüren sein werden. "Drei, vier Spiele nach so einer Pause kommt ein kleines Loch. Doch Jupp Heynckes hat so viel Erfahrung, dass er das auffangen kann."

Obwohl Alaba beim Bayern-Trainer wieder als Linksverteidiger eingeplant ist, sieht der Teamchef den 20-Jährigen in der ÖFB-Auswahl weiterhin am besten im Mittelfeld aufgehoben. "Er kann mit seiner Spielintelligenz und technischen Fertigkeit jede Position spielen. Für uns ist er im Zentrum wichtig, und das möchte ich so beibehalten." Koller geht davon aus, dass Alaba mittelfristig auch in München ins Zentrum rücken könnte. "Aber als junger Spieler muss man sich seine ersten Sporen auf der Außenbahn verdienen."

Im Gegensatz zu Alaba ist Janko auf eine Rolle festgelegt - und zwar auf jene des Mittelstürmers, die er am Dienstag mit zwei Toren besonders gut ausfüllte. "Er ist ein Stürmer von internationalem Format, immer präsent, wenn wir im Sechzehner sind, und hat auch zum Spielaufbau beigetragen", lobte Koller den Trabzonspor-Legionär, der sich mit seinem halbstündigen Auftritt in Kasachstan für die Anfangself in Wien empfahl. "Nach seiner Einwechslung beim 0:0 war er sehr aggressiv und hat gezeigt, dass er unbedingt spielen will. Das hat mir gut gefallen." Teamchef-Lob gab es auch für Klein, den dritten Neuen im Vergleich zum Freitag-Spiel. "Er hat seine Sache gut gemacht, war offensiv sehr aktiv und viel in Ballbesitz."

Leidtragende der Rotation waren Andreas Ivanschitz, Julian Baumgartlinger und György Garics, die sich diesmal auf der Ersatzbank wiederfanden. "Vielleicht ist es schwierig für Spieler, die zuletzt regelmäßig gespielt haben, sich einzugestehen, dass man nicht immer spielt. Es ist aber wichtig für den Teamgeist, dass man das akzeptiert, sich trotzdem über die Leistung des anderen freut und den Konkurrenzkampf annimmt", meinte Koller.

Freude über zusätzliche Optionen

Der Nationaltrainer freute sich in diesem Zusammenhang über zusätzliche Aufstellungs-Optionen und betonte, die Betroffenen seien mit der Situation sehr professionell umgegangen. "Man soll das nicht persönlich nehmen, das habe ich ihnen auch mitgeteilt. Es geht nicht darum, Schuldige zu finden. Manchmal sind es taktische Überlegungen, manchmal ein Bauchgefühl", meinte Koller.

Marko Arnautovic behielt trotz des enttäuschenden Auftritts in Astana seinen Platz in der Stammformation und dankte es mit einer starken Leistung. "Er kann Spiele entscheiden, wenn er sein Potenzial so wie am Dienstag abruft", meinte Koller über den Bremen-Legionär, den er erst bei "60 bis 65 Prozent" seines Leistungsvermögens sieht. Die Steigerung von Arnautovic war laut Koller nicht auf die Rückkehr dessen Freundes Alaba zurückzuführen. "Ausschlaggebend war, dass Marko das gespielt hat, was wir von ihm verlangt haben."

Keine Garantie für Arnautovic

Einen Freibrief für die kommenden Partien hat Arnautovic dennoch nicht. "Es gibt keine Garantie, dass er immer spielt. Es ist wichtig, regelmäßig die aktuelle Situation zu analysieren. Entscheidend ist nicht, bei einem Spiel zu zeigen, was man drauf hat, sondern die Konstanz." Diesbezüglich hat Koller mit dem Offensivspieler Geduld. "Er braucht noch Zeit, und die werde ich ihm geben. Ich werde aber auch immer wieder sticheln. Denn der Mensch ist genügsam, und wenn man sich zu sicher ist, lässt man nach", betonte der Nationaltrainer.

Der nächste Auftritt von Kollers Schützlingen steigt am 14. November im Freundschaftsspiel in Linz gegen die Elfenbeinküste - gravierende Änderungen sind im letzten Spiel des Jahres nicht zu erwarten. "Wir werden nicht vier, fünf Neue von außen dazunehmen. Es soll eher so sein, dass der eine oder andere im Kader, der zuletzt nicht so oft gespielt hat, zum Einsatz kommt", kündigte der Schweizer an.

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Prödl erlitt Kopfverletzung

  • Teamspieler Sebastian Prödl hat sich am Dienstag im WM-Qualifikationsspiel gegen Kasachstan (4:0) eine Kopfverletzung und eine Beckenprellung zugezogen. Eine genauere Diagnose der Gesichtsverletzung sollte eine Röntgen-Aufnahme am Mittwoch bringen. Die Auswechslung des Innenverteidigers in der 59. Minute wurde allerdings laut ÖFB-Angaben wegen der Beckenprellung notwendig, die sich der Steirer bei einer anderen Aktion zugezogen hatte.

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